Marburg hat Einheit und Vielfalt am Samstag (3. Oktober) mit Gästen aus der Partnerstadt Eisenach gefeiert. Dazu gab es auch die Verleihung des Historischen Stadtsiegels an zwei engagierte Marburger.
Tausende haben am Samstag (3. Oktober) mit einem großen Straßenfest rund um das Erwin-Piscator-Haus (EPH) den „Tag der Deutschen Einheit – Tag der kulturellen Vielfalt“ begangen. „Ein Tag wie dieser ist dazu da, um zu zeigen, wie wir alle in unserer Stadt und in unserem Land leben, wie bunt und vielfältig unsere Gesellschaft ist“,, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Eröffnung des Fests. „Dieser Tag ist ein Tag des Miteinanders und Marburg eine tolerante und weltoffene Stadt.“
Wie alle zwei Jahre feierte die Stadt Marburg am 3. Oktober zusammen mit einer Delegation aus der thüringischen Partnerstadt Eisenach in der Stadtmitte die Deutsche Einheit und die Vielfalt – und jene Menschen, die sich durch ihr Wirken für die Stadtgesellschaft in besonderer Weise verdient gemacht haben. Im Rahmen einer Feierstunde im EPH zeichneten der Oberbürgermeister, Stadtverordnetenvorsteherin Andrea Suntheim-Pichler und die Vorsitzende Sylvie Cloutier vom Ausländerbeirat mit Sareh Darsaraee und Aladin Atalla zwei „besonders verdiente und engagierte Menschen mit Migrationsbiografie“ (Spies) mit dem Historischen Stadtsiegel aus. Die aus dem Iran stammende Darsaraee gehört seit 2016 dem Ausländerbeirat an und war zeitweilig dessen stellvertretende Vorsitzende. Insbesondere während der Zeit der Menschenrechtsverletzungen im Iran „war Sareh Darsaraee eine sehr angefasste und unbeirrte Stimme der Solidarität, die sich zugleich durch große Sachlichkeit ausgezeichnet hat“, würdigte Spies in seiner Laudatio.
In Marburg setzt sich Darsaraee für Teilhabe, Begegnung und Demokratie ein. So initiierte sie die jährlich stattfindende Veranstaltung „Grenzen überwandern“ des Ausländerbeirats und Oberhessischen Gebirgsvereins. Dabei können Menschen mit internationaler Geschichte ihre Region besser kennenlernen und durch gemeinsame Wanderungen Kontakte knüpfen. Zudem engagiert sie sich im – von der Stadt Marburg initiierten – Marburger Netzwerk für Demokratie und gegen Rechtsextremismus.
Aladin Atalla gehörte von 2013 bis 2023 dem Ausländerbeirat an. Er erhielt das Stadtsiegel für sein großes und langjähriges Engagement für das friedliche Zusammenleben der Kulturen, die Belange von Menschen mit internationaler Geschichte und deren Integration in Marburg. „In besonderer Weise engagiert sich Aladin Atalla für palästinensische Familien in Marburg“, erklärte Spies. Atalla gebe Menschen eine Stimme, die durch Krieg und Gewalt – insbesondere durch den Verlust zahlreicher Angehöriger in Gaza – schweres Leid erfuhren. Dabei trete er stets für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Mitgefühl ein.
In seiner Rede zum Einheitstag bemerkte Spies, dass es auch 36 Jahre nach der Vereinigung noch „große Unterschiede“ zwischen Ost und West gebe etwa bei Vermögen, Einkommen oder Lebenschancen. „Aber wir müssen auch darüber sprechen, wie weit wir miteinander gekommen sind“, forderte Spies. „Wenn wir nur über Mangel sprechen, erwecken wir den Eindruck, dass die Einheit eine Geschichte des Scheiterns ist. Das ist nicht so.“
Spies appellierte: „Wir alle sollten uns bemühen, jeden Tag die Unterschiede zu überwinden, die es noch gibt!“ Eisenachs Oberbürgermeister Christoph Ihling nannte es einen „Ausdruck tiefer Verbundenheit“, dass beide Partnerstädte den Einheitstag zusammen feiern.
Zugleich blickte er auf die Entwicklung der partnerschaftlichen Verbundenheit, die bereits seit 1988 besteht, indem er feststellte: „Aus Partnerschaft wurde seither Freundschaft.“ Freiheit, Frieden und Demokratie sollten – gerade mit Blick aufs Heute – nicht als selbstverständlich erachtet werden. „Es ist die Stärke Deutschlands, dass wir nicht alle gleich sind. Wer Einheit ernst nimmt, muss Vielfalt aushalten können“, sagte Ihling.
So feierten zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Vielfalt rund ums EPH, während dort ein Streichquartett der Musikschule Marburg zum Abschluss des Festaktes die deutsche Nationalhymne spielte. An Ständen in der Biegenstraße stellten in Marburg aktive internationale Vereine und Initiativen ihre Arbeit vor. Von Kunst über Tanz bis hin zu Mitmach-Angeboten und internationaler Kulinarik bot sich den Besucher*innen ein buntes Programm –
im EPH, KA.RE., KFZ, Kunstmuseum, Marburger Kunstverein und Kino. Der Fanfarenzug der Wartburgstadt Eisenach begleitete das Straßenfest musikalisch.
Vor der offiziellen Eröffnung der Feierlichkeiten hatte auf einem kleinen Platz an der Großseelheimer Straße zur Einmündung in die Straße An der Schanze eine symbolische Baumpflanzung stattgefunden. Eine Kiefer, Hopfenbuche und Eiche bilden dort nunmehr das Einheitsdenkmal „Drei Bäume für Deutschlands Einheit“.
* pm: Stadt Marburg