Auf 500 Jahre Geschichte kann die Philipps-Universität 2027 zurückblicken. Ihr Jubiläumsjahr eröffnet sie mit einem Uni-Festzug, einer Ausstellung und digitalen Einblicken.
2027 feiert die Philipps-Universität Marburg ihr 500-jähriges Bestehen und blickt zurück auf fünf Jahrhunderte Wissenschafts- und Universitätsgeschichte. Den Auftakt bildet bereits der Start des Wintersemesters: Am 14. Oktober 2026 startet das Jubiläumsjahr mit der Staffelübergabe von Homberg/Efze an die Universität. 2026 feierte Homberg 500 Jahre Reformation.
Nach einem Umzug durch die Oberstadt stehen ein Fest für alle Uni-Mitglieder rund um das Schloss und eine Ausstellung zur Universitätsgeschichte im Landgrafenschloss auf dem Programm. Gleichzeitig gibt das digitale Forschungsprojekt „Wissensräume“ erste Einblicke in die Entwicklung der Universität anhand ihrer Gebäude. Beim Jubiläum soll es aber nicht allein um den Blick zurück gehen. Es ist in erster Linie ein Anlass, sich mit der Universität auseinanderzusetzen, den Menschen, die heute in Marburg arbeiten, forschen, lehren und studieren, und sich mit den Zukunftsfragen auseinandersetzen.
„Die Bedeutung einer Universität zeigt sich, wenn sie auch nach 500 Jahren noch die richtigen Fragen stellt.“, betonte Universitätspräsident Prof. Dr. Thomas Nauss. Das Jubiläum ordnete er als Einladung ein, gemeinsam nach vorne zu schauen und die Universität in einer Welt voller Wandel mutig voranzubringen und immer wieder neu zu verorten.
Wissenschaftsminister Timon Gremmels erklärte: „500 Jahre Philipps-Universität Marburg sind ein ganz besonderes Jubiläum für Hessen. Die Universität ist ein wichtiger Ort für Wissenschaft, Bildung und Innovation – weit über die Region hinaus. Ich freue mich auf ein Jubiläumsjahr, das die Geschichte dieser traditionsreichen Universität sichtbar macht und zeigt, wie vielfältig Wissenschaft heute in Marburg gelebt wird. Ich bin gespannt auf dieses besondere Jahr und freue mich darauf, gemeinsam mit der Philipps-Universität ihr 500-jähriges Bestehen zu feiern.“
Wie kann eine Universität Jubiläum feiern und dabei zeigen, was sie ausmacht? Diese Frage stand am Anfang der Vorbereitung des Jubiläums unter Federführung der Vizepräsidentin Prof. Dr. Evelyn Korn. Die Antwort lautet: „Im Mittelpunkt des Jubiläums stehen die Menschen, die die Universität heute prägen und mit ihr verbunden sind.“
Entsprechend vielseitig ist das Programm geworden. Studierende, Lehrende, Forschende und Mitarbeitende, Fachbereiche und Zentren sowie Partner*innen außerhalb der Universität gestalten etwa 300 Veranstaltungen und Projekte. „Dieses Jubiläum ist so vielfältig wie die Philipps-Universität selbst, weil es von vielen Menschen gestaltet wird“, erklärte Korn. „Es bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen und die Disziplinen miteinander ins Gespräch.“
Als Navigator durch das umfangreiche Programm führt ein Programmheft, das der Künstler Sebastian Peetz im Auftrag der Universität gestaltet hat. Auf der Jubiläums-Website www.500jahre.uni-marburg.de gibt es einen digitalen Veranstaltungskalender, Einblicke in Geschichte und Projekte sowie ein Gästebuch als Mitmachprojekt, das aus den Einträgen mit Hilfe von KI ein Mosaik der Zukunftsvisionen für die Universität generiert.
Vor Ort führt das Jubiläumsjahr in Hörsäle und Labore, Bibliotheken und Sammlungen, auf Bühnen und in Werkstätten. Das Programm umfasst Vorträge, Ausstellungen, Konzerte, Gespräche und Performances. Außerdem wird die Philipps-Universität im Jubiläumsjahr zum Dreh- und Angelpunkt der Wissenschaft.
Zahlreiche Konferenzen und Tagungen bringen Forschende aus aller Welt und vieler verschiedener Fächer in Marburg zusammen. Das Theater-Label „Rimini Protokoll“ erforscht die Universität als sozialen und klanglichen Organismus: In „100% Uni Marburg“ stehen einhundert Universitätsangehörige stellvertretend für alle auf der Bühne, und die „Philipps Fanfaren“ verwandeln 19 Gebäude in eine dauerhafte Klangkomposition.
Am Dienstag (13. Oktober) beginnt der Jubiläumsauftakt in Homberg (Efze). Dort startet eine Fahrradstaffel mit Studierenden des Collegium Philippinum der Hessischen Stipendiatenanstalt. Auf dem neuen Radweg „Philipp500“ ffahren sie über Treysa nach Marburg und verbinden so symbolisch das Reformationsjubiläum in Hessen mit dem Universitätsjubiläum. Denn die Gründung der Universität geht auf die Reformation in Hessen zurück: Nachdem die Homberger Synode 1526 die Einführung der Reformation beschlossen hatte, gründete Landgraf Philipp von Hessen 1527 die protestantische Marburger Universität.
Am Mittwoch (14. Oktober) erreicht die Fahrradstaffel Marburg und wird von Menschen aus der Universität empfangen. Gemeinsam ziehen sie von der Alten Universität in einem Festzug hinauf zum Schloss, wo um 15 Uhr auf dem Vorplatz eine Party für Studierende und Mitarbeitende beginnt.
Im Landgrafenschloss ist ab Donnerstag (15. Oktober) die Ausstellung „500 Jahre Universität Marburg – was von der Geschichte übrigblieb“ zu sehen. Sie zeigt bis 28. Februar 2027 historische Insignien, Urkunden und Dokumente und lädt dazu ein, Geschichte aus fünf Jahrhunderten Universität anhand konkreter Objekte zu entdecken.
Einen ganz anderen Zugang zu Geschichte und Gegenwart der Universität eröffnet das Forschungsprojekt „Marburger Wissensräume“. Es beschäftigt sich mit den Orten, an denen in Marburg Wissen entsteht, vermittelt und diskutiert wird und macht per Smartphone selbst Orte zugänglich, die heute nicht mehr existieren. Dazu gehört zum Beispiel das ehemalige Dominikanerkloster, auf dessen Fundamenten die heutige Alte Universität steht.
Unter Leitung von Prof. Dr. Peter Bell und mit Beteiligung von Studierenden macht das Projekt die Wissensräume digital zugänglich und verbindet die historischen Orte mit Geschichten über Wissenschaft und Universität. Die technische Plattform stellt das Marburger IT-Unternehmen „Inosoft“ als Partner des Universitätsjubiläums zur Verfügung. Zu Beginn des Jubiläums geht die Plattform mit ersten Inhalten online. Von diesem Ausgangspunkt wächst das Projekt im Jubiläumsjahr Schritt für Schritt um weitere Quellen, Orte und Forschungsergebnisse an.
Zum Jubiläumsjahr erscheint außerdem das Buch „Zeit der Professoren“. Darin zeichnet der Historiker Prof. Ulrich Sieg die Geschichte der Marburger Universität von der preußischen Annexion 1866 bis zu den Reformen der 70er Jahre nach. Am Montag (19. Oktober) findet dazu um 18 Uhreine Buchvorstellung statt.
Viele weitere Projekte und Publikationen begleiten die Universität durch ihr Jubiläumsjahr. Darunter ist auch ein hybrides Escape-Game, mit dem Schüler*innen lernen Desinformation aufzudecken, künstlerisch gestaltete Jubelfahnen, die nach und nach das Stadtbild bereichern, Klaviere im öffentlichen Raum, eine Sportwoche für alle und vieles mehr. Informationen dazu sind auf der Jubiläumwebsite zu finden, die laufend aktualisiert wird.
* pm: Philipps-Universität Marburg