„Abgehängt durch Digitalisierung?“ lautet der Titel einer Veranstaltung mit Roland Schäfer am Donnerstag (5. November). Sie findet ab 19 Uhr im Technologie- und tagungszentrum (TTZ) statt.
In einer Digitalisierung von Dienstleistungen sieht die Humanistische Union (HU) durchaus eine Chance. Gerade Menschen mit Einschränkungen kann sie den Alltag spürbar erleichtern. Allerdings muss nach Überzeugung der HU Marburg immer auch eine analoge Zugangsmöglichkeit zu Dienstleistungen bestehen, da Millionen von Menschen sonst ausgegrenzt werden.
Wer bei seiner Bank oder Sparkasse eine Papierüberweisung nutzt, zahlt ein vielfaches an Gebühr als beim sogenannten ,“Online-Banking“. Termine beim Job-Center sollen nur noch über eine App im Handy vergeben werden. Bekannte Systemfehler in der RMV App werden zuweilen mit Straf-Fahrpreisen belegt, wenn damit das digitale Ticket nicht (richtig) vorgezeigt werden kann.
Wer eine telefonische Hotline anwählt, wird dort häufig mit einer sogenannten „KI“ konfrontiert und kann oft kaum an einen Menschen gelangen. Häufig werden Anrufende auf Hotlines auch auf die Internetseiten der jeweiligen Betreiber verwiesen, die angeblich „leicht“ erreichbar sein sollen. Digitalisierung wird vom Helfer zum Glaubenspostulat, das scheinbar alles besser macht.
Auf der Strecke bleibt die analoge Alternative – die benötigt wird, damit Menschen nicht vom gesellschaftlichen Leben und von privaten und öffentlichen Dienstleistungen abgehängt werden. Insbesondere für Menschen mit Behinderungen ist ein Recht auf analoge Teilhabe von enormer Bedeutung.
Die gemeinsame Veranstaltung der Humanistischen Union Marburg, der Universitätsstadt Marburg, der Blindenbund-Bezirksgruppe Marburg, der DVBS-Bezirksgruppe Hessen, der „kulturellen Aktion Marburg Stroemungen e.V. und der Bürgerinitiative Recht auf analoges Leben Rhein-Main liefert Denkanstöße für kritische Nutzende digitaler Hilfsmittel, Argumente gegen eine alternativlose Digitalisierung und benennt Datenschutz-Instrumente für mehr Transparenz. Eine anschließende Diskussion vertieft das Thema.
Der Referent Roland Schäfer ist Fachkraft für Datenschutz und arbeitet freiberuflich als externer Datenschutzbeauftragter bei kleinen und mittleren Unternehmen. Auch ehrenamtlich engagiert er sich neben den Datenschutz und Informationsfreiheit auch für das Recht auf analoges Leben. So ist er aktives Mitglied der Bürgerrechtsgruppe „Recht auf analoges Leben Rhein-Main“ (ReaL RM). Die Moderation hat die Marburger Journalistin Laura Schiller übernommen.
Die Veranstaltung findet am Donnerstag (5. November) um 19 Uhr im Technologie und Tagungszentrum (TTZ) Marburg statt. Interessierte sind eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen und mit zu diskutieren. Der Eintritt ist kostenfrei.
* pm: Humanistische Union Marburg