Für Früher: Schlossbegegnungen widmen sich der Renaissance

Die Veranstaltungsreihe „Schlossbegegnungen“ lädt auch im Oktober dazu ein, Wissenschaft und Kultur im Landgrafenschloss aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben. Im Mittelpunkt steht in diesem Monat das Thema „Renaissance(n)“.
Das 500-jährige Jubiläum der Philipps-Universität, das am Mittwoch (14. Oktober) eingeläutet wird, bietet einen schönen Anlass, auf die Zeit ihrer Gründung, die Renaissance, zurückzublicken. In der Geistesgeschichte tauchen immer wieder Phasen auf, in denen frühere Wissensbestände, Ideen oder Stile neu entdeckt und kreativ transformiert werden. So griff die seit dem 19. Jahrhundert so bezeichnete Epoche der „Renaissance“ die antike Kunst, Philosophie und Wissenschaft auf und verband sie mit zeitgenössischem Denken und zeitgenössischen Ausdrucksformen.
Später brachte der Neoklassizismus ebenfalls antike Formen in Architektur, Malerei und Literatur zurück, während die Romantik mittelalterliche Traditionen und Volkspoesie neu interpretierte. Historismus und Postmoderne zeigen, dass solche Transformationen keine Einzelfälle sind: Alte Formen werden zitiert, variiert oder kritisch hinterfragt.
Diese Prozesse verdeutlichen, dass kulturelles Erbe lebendig bleibt, wenn es neu bewertet, aktualisiert und in zeitgemäße Kontexte überführt wird – ein fortwährendes Spiel zwischen Bewahrung, Inspiration und Innovation, aber bisweilen auch das Wiedererwachen überwunden geglaubter Ideologien, autoritärer Weltbilder und sozialer Rollenmuster, die in neuen Gewändern auftreten und an frühere Denk- und Gesellschaftsformen anknüpfen.
Eine besondere Schlossführung mit dem Schwerpunkt „Renaissance“ bietet Wilhelm Stehling am Samstag (10. Oktober) an. Treffpunkt ist um 15 Uhr beim Schlossmodell an der Bushaltestelle „Schloss“. Mit ihm können Zeugnissen der Renaissance und dem Leben der Menschen dieser Epoche im Landgrafenschloss Marburg nachgespürt werden. Eine Anmeldung ist möglich per Mail an schlossbegegnungen@uni-marburg.de.
Ein kurzweiliger Tanzworkshop unter der kundigen Anleitung von Fido Wagler von der Landesarbeitsgemeinschaft Tanz Hessen führt am Montag (26. Oktober) mit Beginn um 17 Uhr im Fürstensaal in die praktische Kunst der Renaissancetänze als Paar- und Gruppentänze ein. Zudem informiert er über Wissenswertes aus dem thematischen Umfeld von Gesellschaft, Tanz, Musik und andere Künste in der Zeit der Renaissance. Mit authentischer Renaissancemusik, für Groß und Klein.
Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Peter Bell lädt am Dienstag ( 27. Oktober) um 19 Uhr im Rahmen der „Schlossfolgerungen“ zu einem Vortrag ein. Thema ist „Das Studiolo – Dispositiv und Gelehrtenbild in der Renaissance“. Im Studiolo laufen Ideen der Renaissance wie auch der Renaissanceforschung in einem Raum zusammen. Es ist ein Ort des Wissens und des Gelehrten, aber auch ein Ort, um Gelehrtsein zu postulieren. Es ist ein in der italienischen Frührenaissance architektonisch greifbarer Raum und auch – mit Gelehrtenstube/’Gehäuse‘ – ein gemalter Raum. Das Studiolo und seine Nutzenden, dessen gemalte Repräsentanten und die darin Dargestellten sowie die damit verbundenen Objekte wie Bücher, Schreibwerkzeuge und Geräte bilden ein die Renaissance mit konstituierendes Dispositiv.
Eine weitere Veranstaltung ist am Dienstag (20. Oktober) um 17 Uhr „Aufgetischt – Auf einen Kaffee mit . Prof. Dr. Constanze Spieß“ vom Fachgebiet Pragmalinguistik zum Thema „Rückgriffe auf frühere Formen im Sprachgebrauch des 20./21. Jahrhunderts“ und zu vielem mehr – eine Gesprächsrunde“. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahlist eine Anmeldung bei schlossbegegnungen@uni-marburg.de nötig. An Dienstag (27. Oktober), um 18.30 Uhr gibt es „Schlossgarn – Erzählgespräche“. 30 Minuten vor Beginn der „Schlossfolgerungen“ wird ein phantasievoller Kontrapunkt mit (beinahe) improvisierten Geschichten gesetzt. Das geschieht gemeinsam durch den professionellen Erzähler und Autor Florian Schwebel und das Publikum.
Die Gründung der Universität durch Philipp den Großmütigen war auch ein Aufbruch in eine neue Epoche. Die Veranstaltungsreihe beleuchtet das Phänomen „Aufbruch“ etwas allgemeiner, auch in dem Sinne, dass alte Muster aufgebrochen werden, dass neue Sphären erschlossen werden oder auch Barrieren durch- und aufgebrochen werden. Die Veranstaltungen laden dazu ein, Übergänge zwischen Räumen, Zeiten und Ideen zu erkunden und zu rätseln, was hinter jeder Schwelle wartet.
Mit der Reihe „Schlossbegegnungen“ öffnet Philipps-Universität das Landgrafenschloss gezielt als Ort des Austauschs und lädt Stadtgesellschaft und Gäste dazu ein, Wissenschaft und Kultur in neuen Formaten zu erleben. Das geschieht anschaulich, dialogisch und überraschend vielseitig. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität organisiert das Programm und spannt damit den Bogen zwischen Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlichem Dialog.
Das Marburger Wahrzeichen wird damit zu einem attraktiven, zeitgemäßen und zukunftsoffenen Museums-, Erlebnis-, Veranstaltungs-, und Bildungsort. Jeder Monat steht unter einem anderen thematischen Schwerpunkt. Die Veranstaltungen laden dazu ein, sich für Neues zu öffnen, mit anderen in Kontakt zu treten, voneinander zu lernen und vieles gemeinsam zu erleben.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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