Lernintensität: Weniger Schlaf vor der Prüfung

„Jurafuchs“ hat die Lernintensität von über 11.100 Studenten an 37 Universitäten untersucht. An den Unis in Jena, Münster und Freiburg steigt die Lernintensität kurz vor Prüfungen am stärksten an
an welcher Universität sind die Studenten am fleißigsten? Wo ist der Prüfungsstress am größten? Und wo lernen Studenten besonders gerne in der Nacht?
Diesen Fragen ist das Lernportal „Jurafuchs“ in der jährlichen Analyse von über 100 Millionen Lerneinheiten von rund 11.100 Jurastudierenden an 37 Universitäten auf den Grund gegangen. Das Ergebnis wurde am Donnerstag (17. September) bekanntgegeben: : Mit durchschnittlich 7.824 absolvierten Lerneinheiten pro Nutzer landet die Philipps-Universität Marburg im Fleiß-Ranking im unteren Mittelfeld. Kurz vor den Prüfungen steigt die Lernintensität an der Universität um 35,1 Prozent an.
Nach der Prüfungsphase ist vor dem Semesterbeginn: Ab Oktober füllen sich Deutschlands Hörsäle wieder und es wird fleißig gelernt. Wie sehr sich das Lernverhalten je nach Universität unterscheidet und wo das Lernpensum kurz vor den Prüfungen besonders deutlich zunimmt, zeigt eine aktuelle Analyse der Lernplattform Jurafuchs. Demnach steigt die Lernintensität an den Universitäten in den drei Wochen vor den Prüfungen im Schnitt um ein Drittel und an einer Universität sogar um mehr als 70 Prozent an.
Für die Untersuchung wurden mehr als 100 Millionen Lerneinheiten von über 11.100 Studierenden an 37 Universitäten ausgewertet. Eine Lerneinheit umfasst dabei das Bearbeiten von Fällen, Fachfragen, Karteikarten und anderen digitalen Lernformaten. Die Analyse wurde bereits zum zweiten Mal durchgeführt.
2026 geschah das auf einer deutlich größeren Datenbasis: 11.127 statt 6.290 Nutzer und 37 statt 29 Universitäten wurden berücksichtigt. Im Schnitt absolvieren die Studierenden der untersuchten Unis 9.063 Lerneinheiten pro Nutzer und Jahr.
Spitzenreiter in dieser Statistik ist die Universität Trier mit durchschnittlich 11.379 Lerneinheiten pro Nutzer. Auf Platz zwei folgt die Friedrich-Schiller-Universität Jena mit durchschnittlich 11.276 Lerneinheiten pro Student. Ähnlich fleißig sind die Jurafuchs-Nutzer an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit 10.900 beziehungsweise 10.677 absolvierten Lerneinheiten. Die Top Fünf komplettiert die Hannoveraner Gottfried Wilhelm Leibniz Universität mit 10.585 beantworteten Aufgaben.
Deutlich weniger wird hingegen an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg gelernt, die mit durchschnittlich 7.331 Lerneinheiten pro Jurafuchs-Nutzer das Schlusslicht bildet. Auch die Studenten der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main kommen mit 7.472 beziehungsweise 7.597 Aktivitäten pro Nutzer auf vergleichsweise niedrige Werte. Nur etwas höher ist das Lernpensum an der Universität Hamburg mit 7.678 und an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (7.799).
Wer kurz vor seiner Prüfung steht, lernt oftmals Tag und Nacht. Besonders die Studenten der Universität Bielefeld bleiben mit anteilig 16,1 Prozent sogar zwischen 22 und 6 Uhr wach, um sich Prüfungswissen anzueignen. Dahinter folgen die FernUniversität in Hagen mit 15,8 Prozent, die Universität Augsburg mit 14,3 Prozent, die Universität Bremen mit 14,2 Prozent und die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit 14 Prozent, wo ebenfalls vergleichsweise häufig gelernt wird, wenn der Rest des Landes schläft.
Darüber hinaus gibt es einige Universitäten, an denen die Lernintensität kurz vor den Prüfungen deutlich stärker zunimmt als an anderen. Im Schnitt steigt sie in den drei Wochen vor den Prüfungen um 33,2 Prozent an. Am größten ist der Prüfungsdruck offenbar an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo in dieser Phase 74,4 Prozent mehr Lerneinheiten als im Jahresdurchschnitt absolviert werden. Dahinter folgen die Universität Münster mit einer Zunahme um 67,4 Prozent und die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit einem Lernanstieg von 56,3 Prozent.
Auch unter den Studenten der Universität Trier (+55,5 Prozent) und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (+54,3 Prozent) steigt die Lernintensität drei Wochen vor den Prüfungen durchschnittlich deutlich an. Es gibt aber auch zwei Universitäten, an denen die Lernintensität kurz vor den Prüfungen sogar zurückgeht: Unter den Studenten der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover und der Universität Regensburg nimmt das Lernpensum um 4,8 beziehungsweise 1,8 Prozent ab.
„Mehr als 100 Millionen Lerneinheiten zeigen uns sehr deutlich, wie unterschiedlich an deutschen Universitäten gelernt wird“, kommentierte Jurafuchs-Mitgründer Dr. Carl-Wendelin Neubert die Ergebnisse der Untersuchung. „Besonders auffällig ist, wie stark sich das Lernpensum vielerorts auf die Wochen vor den Prüfungen konzentriert. In Jena werden dann beispielsweise fast 75 Prozent mehr Lerneinheiten absolviert als im Jahresdurchschnitt. Das deutet darauf hin, wie stark der Lerndruck für viele Studierende zunimmt, je näher die Prüfungen rücken. Dass es auch anders geht, zeigen Regensburg und Hannover, wo die Lernintensität vor den Prüfungen sogar leicht abnimmt.“
Neubert ergänzte: „Für derartige Analysen eignet sich das Jurastudium besonders gut, denn juristisches Lernen ist stark von Wiederholung und Anwendung geprägt und verlangt über einen langen Zeitraum, Wissen immer wieder abzurufen, auf neue Fälle anzuwenden und dauerhaft zu festigen. Dadurch können wir sehr genau beobachten, wann und wie intensiv Studierende lernen. Dennoch gilt auch in diesem Jahr, in dem wir die Datenbasis noch einmal deutlich erhöhen konnten, dass sich die Ergebnisse nicht uneingeschränkt auf andere Studiengänge übertragen lassen.“
Eins sei jedoch für jedes Studium richtig: „Mehr lernen bedeutet nicht automatisch besser lernen. Wer weniger Lerneinheiten benötigt, kann genauso gut besonders effizient lernen. Diese Überzeugung hat zu Beginn des Jahres auch eine unabhängige Studie zur Nutzung unserer Lernplattform bestätigt. Demnach ging schon ein vergleichsweise geringer zusätzlicher Lernaufwand mit einer deutlichen Leistungssteigerung einher. Im besten Fall sorgen kontinuierliches Lernen und die gezielte Arbeit an Wissenslücken dann sogar dafür, dass der große Endspurt vor der Prüfung gar nicht erst nötig wird.“

* pm: Jurafuchs, Berlin

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