Seit 40 Jahren gibt es das Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbüro im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Zahlreiche Gäste feierten vier Jahrzehnte Gleichstellungsarbeit.
Mit einem vielfältigen und gut besuchten Fest hat der Landkreis Marburg-Biedenkopf das 40-jährige Bestehen des Kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbüros gefeiert. Zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Kultur sowie engagierte Menschen kamen im Landratsamt zusammen, um vier Jahrzehnte Gleichstellungsarbeit zu würdigen und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Landrat Jens Womelsdorf eröffnete die Veranstaltung und betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung der Gleichstellungsarbeit für den Landkreis: „Seit 40 Jahren steht das Frauen- und Gleichstellungsbüro für kontinuierliches Engagement, wichtige Impulse und nachhaltige Verbesserungen der Lebensbedingungen von Frauen im Landkreis und darüber hinaus.“
Neben dem Landrat richteten auch die Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Ebel von der Sparkasse Marburg-Biedenkopf (SKMB), die Geschäftsführerin Isriela Bushkola vom LandesFrauenRat Hessen sowie die Intendantinnen Eva Lange und Carola Unser-Leichtweiß vom Hessischen Landestheater Marburg (HLTM) Grußworte an die Anwesenden. Einen besonderen Rückblick bot Gabriele Fladung. Die erste Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises schilderte die Anfänge der Gleichstellungsarbeit sowie deren Entwicklung über mehrere Jahrzehnte hinweg.
Dabei hob sie insbesondere die Fortschritte der 80er und 90er Jahre hervor. In dieser Zeit entstanden sowohl im Landkreis als auch darüber hinaus wichtige institutionelle und freie Strukturen. Dazu zählt unter anderem die Gründung des Vereins für Frauenbildung, Arbeit und Regionalentwicklung „Telehaus Wetter“, der europaweit anerkannte Schulungen zur Telearbeit anbot und damit neue Perspektiven für Frauen zwischen Kinderbetreuung und Beruf eröffnete. Ebenso entwickelte sich in den 80er Jahren ein breites Netz an Hilfs-, Beratungs- und Schutzangeboten.
Beispiele dafür sind die Gründungen von Wildwasser Marburg, der LOK Stadtallendorf und der Juko Marburg. Auch der Aufbau des ersten Frauenhauses in Marburg wurde maßgeblich unterstützt. Darüber hinaus entstanden überregionale Netzwerke wie die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in Hessen.
Veranstaltungen wie Mütterkongresse griffen zentrale Themen auf wie den Ausbau von Kindertagesstätten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Fladung betonte jedoch nicht nur die erreichten Fortschritte, sondern auch die anhaltende Bedeutung der Frauen- und Gleichstellungsarbeit für die Demokratie. Es sei weiterhin notwendig, sich aktiv für Gleichberechtigung einzusetzen. „Ohne Frauenrechte keine Demokratie. Ohne Gleichstellung kein Fortschritt. 40 Jahre – und wir kämpfen weiter“, sagte Fladung.
Mit der Veranstaltung würdigte der Landkreis Marburg-Biedenkopf nicht nur die bisherigen Erfolge der Frauen- und Gleichstellungsarbeit, sondern setzte zugleich ein Zeichen für die zukünftige Bedeutung von Gleichstellung, Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe. Das Kommunale Frauen- und Gleichstellungsbüro bleibt auch weiterhin eine wichtige Anlaufstelle und Impulsgeberin für Gleichstellung im Landkreis. Inzwischen verfolgt das Büro einen erweiterten Ansatz.
Neben Themen wie Frauen in Führung und Politik, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Entgeltgerechtigkeit steht auch der Schutz vor Gewalt weiterhin im Fokus. Gleichzeitig werden neue Perspektiven stärker einbezogen, etwa intersektionale Ansätze, Diversität und queere Lebensrealitäten. Auch aktuelle Herausforderungen wie digitale Gewalt sind inzwischen Teil der Gleichstellungsarbeit.
Ein zentraler Programmpunkt der Veranstaltung war die Vorstellung der Porträtausstellung „Gemeinsam. Vielfältig. Sichtbar. 40 Jahre Frauen- und Gleichstellungsarbeit im Landkreis Marburg-Biedenkopf“ im Kreistagssitzungssaal. Die Ausstellung würdigt 40 Frauen aus dem Landkreis, die sich in den vergangenen Jahrzehnten in besonderer Weise für Gleichstellung, gesellschaftliche Teilhabe und bessere Lebensbedingungen eingesetzt haben. Sie macht die Vielfalt dieses Engagements sichtbar und unterstreicht die nachhaltige Wirkung der Gleichstellungsarbeit in der Region.
Zugleich zeigt sie die unterschiedlichen Bereiche auf, in denen sich die porträtierten Frauen engagieren. Das reicht von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung bis hin zu Sport, Ehrenamt, Kultur und Aktivismus. In ihrer Eröffnungsrede betonte Leonie Behn-Salzmann vom Kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbüro die Bedeutung der Ausstellung.
„Es sind 40 Jahre Engagement, 40 Jahre Beharrlichkeit, 40 Jahre Mut“, erklärte Behn-Salzmann. „Und es sind 40 Jahre Frauen, die sichtbar Verantwortung übernommen haben. Diese Frauen stehen stellvertretend für viele andere – für all jene, die Gleichstellung in unserer Region vorangebracht haben, oft im Verborgenen und ohne öffentliche Aufmerksamkeit oder Anerkennung. Sie stehen für unser Motto: Gemeinsam. Vielfältig. Sichtbar.“
Beim anschließenden Ausklang hatten die Gäste Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung. Poetisch begleitet wurde dieser Teil der Veranstaltung durch ein Poetry Recording von Dominique Macri, dass die Eindrücke und Worte des Jubiläumsfestes kreativ einfing und poetisch wiedergab.
Musikalisch begleitet wurde das Jubiläumsfest von Sängerin Latoya Rey und Tina Kuhn. Für einen kulturellen Höhepunkt sorgte Ulrike Walther vom HLT mit einer Theater-Showeinlage. Die Veranstaltung wurde durch die Sparkasse Marburg-Biedenkopf gefördert.
* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf