Ein inklusives Gruppenangebot wurde am Samstag (25. April) im Stadtwald eröffnet. Beim „Tag der offenen Tür“ hat der neue Hochseilgarten viele Anwesende begeistert
Viele Familien haben den „Tag der offenen Tür“ auf dem Freizeitgelände im Stadtwald genutzt und den neuen inklusiven Hochseilgarten ausprobiert. Eröffnet wurde das neue Gruppenangebot der Jugendförderung am Samstag (25. April) von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Die Sonne strahlte, die Blätter rauschten sanft im Wind und ein Specht werkelte hörbar an einem Baum. Neben den Geräuschen der Natur waren auf dem Freizeitgelände im Stadtwald am Wochenende vor allem freudige Rufe, ein wiederholendes „Klick“ und das Surren von Karabinerhaken entlang von Seilen zu hören. Anlass war die Eröffnung des neuen inklusiven und multifunktionalen Hochseilgartens.
„Das Freizeitgelände im Stadtwald ist ein ganz besonderer Platz in Marburg, weil er Kindern und Jugendlichen einen Erlebnisort innerhalb der Natur bietet“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies zur Eröffnung des neuen Hochseilgartens. „Der neue Hochseilgarten ist für alle nutzbar. Teilnehmende, insbesondere Kinder und Jugendliche, können hier an den Herausforderungen wachsen. Wer einmal oben gewesen ist, weiß, dass man danach unten verändert wieder ankommt. Es ist ein wirklich tolles Projekt, für das ich mich bei allen Beteiligten bedanke.“
Viele Familien haben den Tag der offenen Tür genutzt, um den Hochseilgarten auszuprobieren und das Freizeitgelände im Stadtwald zu erkunden. Neben der Hauptattraktion gab es mehrere Mitmach-Angebote von Wikinger-Schach über Corn-Hole bis hin zu Bogenschießen und Disc-Golf-Parcours. Daneben war auch der Verein Slackline Mittelhessen vor Ort. Während die Profis auf der Highline trainierten, waren mehrere Slacklines in Bodennähe zum Ausprobieren für alle gespannt.
„In der Jugendförderung haben wir bereits viele inklusive Angebote und arbeiten daran, diese stetig zu verbessern und weiter auszubauen“, berichtete Lars Kietz von der Jugendförderung der Stadt Marburg. „Für den neuen Hochseilgarten haben wir uns vielseitig informiert und beraten lassen.“
Sowohl die Deutsche Blindenstudienanstalt (BliStA) als auch der Verein zur Förderung der Inklusion behinderter Menschen (fib) wurden einbezogen sowie die Arbeitsgruppe „Hochinklusiv“ der ERCA (European Rope Course Association). Die Stadt Marburg hat die ALEA GmbH mit dem Bau beauftragt. Insgesamt hat die Universitätsstadt 272.000 Euro in den Hochseilgarten investiert. Für die Ausbildung des Personals hat die Stadt eine Förderung durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration von 10.000 Euro erhalten.
Der rund sechs Meter hohe Hochseilgarten im Stadtwald eignet sich für Menschen mit und ohne körperliche oder geistige Beeinträchtigungen. Er bietet verschiedene Herausforderungen, die eigenständig oder im Rahmen einer Team-Aufgabe gemeistert werden. Auch Rollstuhlfahrer*innen können den Hochseilgarten nutzen. Hinauf geht es sowohl über eine Rampe als auch über Seilaufzüge. Wer eine größere Herausforderung sucht, nutzt die Kletterwand oder das Kletternetz.
Für den Weg nach unten gibt es sogar noch mehr Möglichkeiten. Neben Rampe, Seilzug und Klettern können sich Teilnehmende eine sehr steile Rampe rückwärts runterlassen oder mit der Seilrutsche runterfahren. Beide Varianten sind auch im Rollstuhl möglich. Für Menschen mit Muskelschwäche gibt es eine Gewichtsreduktions-Anlage, die so die Bewegung erleichtert. Daneben gibt es ein Tastmodell für Menschen mit Sehbeeinträchtigung. Zudem sind weitere taktile Elemente geplant.
„Das war eine wirklich schöne Erfahrung heute“, schwärmte Gerd, der gemeinsam mit seiner Familie die Eröffnung besuchte. „Es hat sich einfach und alltäglich angefühlt. Unser Sohn hatte Spaß und konnte selbst auch aktiv werden. Das ist toll, dass man hier das Gefühl hat, wirklich einfach mitmachen zu können, auch ohne, dass es dafür viel braucht.“ Sein Sohn Edmund sitzt im Rollstuhl. Edmund hat den Hochseilgarten als eines der ersten Kinder während der Eröffnung ausprobiert.
Der Hochseilgarten steht Gruppen aus Schule, Vereinen, Aus- und Weiterbildung sowie der Jugend- und Behindertenhilfe zur Verfügung. Ziel ist dabei, allen Teilnehmenden außeralltägliche, bewegungsorientierte und gemeinschaftliche Erlebnisse zu ermöglichen. Der Hochseilgarten kann sowohl in pädagogisch begleiteten Settings (Marburger Abenteuerprojekt) als auch in der bewegungs- und abenteuerorientierten Freizeitgestaltung genutzt werden. Die Begleitung der Gruppen erfolgt durch qualifizierte und erfahrene Teamer*innen. Mehr Infos dazu finden sich unter www.hausderjugend-marburg.de/marburger-abenteuer-projekt-map/.
Bereits seit 2000 ist ein teamorientierter Hochseilgarten Teil des Angebots im Rahmen des „Marburger Abenteuerprojekts“ (MAP). Dabei begleitet die Jugendförderung der Stadt Marburg unterschiedliche Gruppen aus Schule, Jugend- und Behindertenhilfe sowie Aus- und Weiterbildung. Ziel ist dabei, mit abenteuer- und erlebnispädagogischen Methoden herausfordernde Situationen gemeinsam anzugehen und so persönliche Kompetenzen im individuellen sowie gruppenbezogenen Lernprozess zu fördern.
Die Stadt fördert seit Jahren Inklusion. Das geschieht auch am Freizeitgelände im Stadtwald. Um das Angebot auszuweiten und inklusiver zu gestalten, wurde der Hochseilgarten neu konzipiert. Teilhabe für alle Menschen zu ermöglichen, ist zudem Bestandteil der UN-Behindertenrechtskonvention (UNBRK) sowie des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes (KJSG). Nach dem KJSG müssen alle Angebote der Jugendarbeit für junge Menschen mit Behinderung zugänglich sein.
* pm: Stadt Marburg