Sein neues Löschwasserkonzept hat der Kreis bei einer Waldbrandübung bei Biedenkopf und Caldern erfolgreich getestet. Die berechneten Zeiten und Wassermengen stimmen mit der Realität überein.
Ist das Konzept zur mobilen Löschwasserversorgung bei Waldbränden praxistauglich? Funktionieren die am Schreibtisch erdachten und errechneten Abläufe? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Waldbrandübung am Wochenende bei Lahntal-Caldern und auf der Sackpfeife bei Biedenkopf.
Erstmals waren alle acht Wechselladerfahrzeuge mit den Abrollbehältern für Löschwasser gemeinsam bei dieser Übung im Einsatz. Mit dem Ergebnis sind die Projektplaner nach einem ersten Resümee zufrieden. Jetzt folgt eine strukturierte Auswertung der Ergebnisse.
„Unser Ziel war es, an zwei Orten mit jeweils unterschiedlichen Voraussetzungen einen Löschwasserstrom von rund 1.000 Litern Wasser pro Minute unterbrechungsfrei zu Verfügung zu stellen“, erläuterte der ehrenamtliche Kreisbrandmeister Daniel Thome als Planer des Projekts am Samstag (25. April). „Dieses Ziel haben wir erreicht.“
An der Übung waren die Wechselladerfahrzeuge mit den dazugehörigen Tankbehältern aus Biedenkopf, Fronhausen, Gladenbach, Marburg, Rauschenberg, Stadtallendorf, Steffenberg, und Wetter beteiligt. Die kommunalen Katastrophenschutz-Löschzüge aus Kirchhain und Lohra bauten die Plätze zur Wasserentnahme und Wasserübergabe auf und die Feuerwehren aus Biedenkopf und Lahntal übernahmen die Aufgabe der Brandbekämpfung im Wald. Hinzu kamen Einsatzkräfte, die die Abläufe beobachteten und dokumentierten.
Die Informations- und Kommunikationsgruppe des Landkreises, eine Einheit des Katastrophenschutzes, koordinierte zu Beginn den Einsatz der Feuerwehren an einem Bereitstellungsplatz. Hinzu kamen Mitarbeitende von Hessen Forst. „Insgesamt waren so rund 160 Einsatzkräfte unterwegs“, stellte Kreisbrandinspektor Lars Schäfer fest.
Auch er zeigte sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Das Ziel, das wir mit der Planung des Konzepts verfolgt haben, haben wir auch erreicht“, erklärte Schäfer. „Die theoretischen Planungen und Berechnungen stimmen mit der Realität überein. An ein paar wenigen Stellen müssen wir noch ein bisschen nachjustieren – aber genau dafür war die Übung ja gedacht.“
So müsse etwa bei der Aufgabenverteilung und der Festlegung, in welcher Reihenfolge bestimmte Abläufe stattfinden müssen, noch etwas nachgeschärft werden. Ein Waldbrand auf der Sackpfeife und ein Waldbrand bei Lahntal-Caldern bildeten die Ausgangsszenarien der Übung. Während die Biedenkopfer Feuerwehr mit den Löscharbeiten im Wald auf der Sackpfeife begann, lief parallel der Aufbau einer Löschwasserversorgung an. Der Löschzug aus Lohra bereitete die Entnahme von Wasser aus der Lahn an der Biedenkopfer Feuerwache vor, um die Löschwasserbehälter auf den Wechseladerfahrzeugen wieder zu befüllen.
Sie hatten ihr Wasser zuvor – jeweils 10.000 Liter – auf der Sackpfeife in bereit gestellte Faltbehälter gefüllt. Auch diesen Wasserübergabepunkt bauten die Einsatzkräfte aus Lohra auf. Von dort pendelten die Fahrzeuge dann zwischen Sackpfeife und Feuerwache hin und her. Hier waren vier der Wechselladerfahrzeuge im Einsatz. Aus den Faltbehältern wurde das Löschwasser dann mit Schläuchen zur angenommenen Brandstelle im Wald gepumpt.
Der Ablauf in Caldern war ähnlich: Einsatzkräfte aus Kirchhain bauten an der Lahnbrücke in Kernbach eine Wasserentnahmestelle auf, um die leeren Abrollbehälter wieder mit Wasser zu befüllen. An der Schutzhütte in Caldern erfolgte dann die Übergabe des Löschwassers. Auch hier waren vier Wechselladerfahrzeuge mit den dazugehörigen Abrollbehältern im Einsatz. Den angenommenen Waldbrand bekämpften Einsatzkräfte der Lahntaler Feuerwehren.
Kreisbrandinspektor Schäfer und Kreisbrandmeister Daniel Thome wiesen auch darauf hin, dass beim Thema Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung im Landkreis Marburg-Biedenkopf Planung, Konzeption, Beschaffung von Geräten und Fahrzeugen, Ausbildung und Auswertung gut ineinandergriffen: „Davon lebt das Konzept, das in dem verheerenden Waldbrand bei Cölbe-Schönstadt im Jahr 2022 seinen Anfang nahm.“ Neben den Wechselladerfahrzeugen und den Abrollbehältern hatte der Kreis zuvor bereits spezielle Ausrüstung wie etwa Schläuche, Beregnungssysteme oder besondere Werkzeuge zur Waldbrandbekämpfung beschafft und die Wehren im Kreis daran strukturiert ausgebildet.
Auch Landrat Jens Womelsdorf, der die Einsatzkräfte am Morgen auf dem Bereitstellungsplatz bei Buchenau begrüßte, war zufrieden mit dem Ablauf. „Unsere Planungen und auch die dazugehörigen Investitionen haben sich gelohnt“, betonte der Landrat. „Wir als Landkreis und auch alle 22 Städte und Gemeinden, die das Konzept mittragen, können stolz darauf sein.“+
Er dankte allen Einsatzkräften, die zum Gelingen der Übung beigetragen hatten. „Ich möchte aber auch nochmal dem Kreistag sowie den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern danken. Auch Dank ihrer Unterstützung haben wir es geschafft, ein kreisweites Projekt nicht nur auf den Weg zu bringen, sondern auch erfolgreich umzusetzen“, bekräftigte Womelsdorf.
Insgesamt stehen für die mobile Löschwasserversorgung insbesondere bei Waldbränden im Landkreis Marburg-Biedenkopf acht Wechsellader-Fahrzeuge mit sogenannten Abrollbehältern für jeweils 10.000 Liter Löschwasser zur Verfügung. Fünf dieser Fahrzeuge und sechs Behälter hat der Kreis neu beschafft. Zwei bereits vorhandene Fahrzeuge mit Behältern steuern die Feuerwehren aus Marburg und Stadtallendorf bei. Für ein bereits vorhandenes Fahrzeug in Biedenkopf wurde noch ein Löschwasserbehälter beschafft.
Das Konzept sieht vor, eine Versorgung mit Löschwasser in einer Größenordnung von 1.000 Litern pro Minute an einer Einsatzstelle zu gewährleisten. Eintreffen soll das Löschwasser dort spätestens 60 Minuten nach der Alarmierung. Der kalkulierte Kostenrahmen von rund 2,72 Millionen Euro wurde eingehalten. Die Hälfte davon – also rund 1,36 Millionen Euro – trägt der Kreis. Die andere Hälfte übernehmen die Städte und Gemeinden.
Deren Kostenanteil bemisst sich an der Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner. Das ist eine solidarische Aufteilung der entstehenden Kosten innerhalb der kommunalen Familie. Die Anschaffung hat einen positiven Nebeneffekt: Fahrzeuge und Behälter könnten im Notfall auch zur Versorgung mit Trinkwasser genutzt werden.
* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf