Geschlechterparität: Frauen sind bei Professuren unterrepräsentiert

die Geschlechterparität an Deutschlands Hochschulen und Universitäten ist noch nicht erreicht: Nur durchschnittlich 30,1 Prozent aller Professoren sind weiblich.
Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Lernportals für Jurastudierende und Rechtsreferendare, Jurafuchs. Dafür wurden insgesamt 56 der größten Hochschulen und Universitäten Deutschlands zur Geschlechterverteilung unter Professoren beziehungsweise Juniorprofessoren, Dekanen, Leitungen und Studierenden befragt. An der Philipps-Universität Marburg ist der Anteil an weiblichen Professoren demnach mit 34,2 Prozent höher. Niedriger ist der Frauenanteil an der Universität hingegen unter den Dekanen mit 6,3 Prozent.
Die Universität Bielefeld kommt einer paritätischen Besetzung des Fachpersonals am nächsten: Mit anteilig 42 Prozent weiblicher Professorinnen sind an der nordrhein-westfälischen Universität die meisten Frauen angestellt. An der Freien Universität Berlin und an der Fachhochschule Münster sind 41,7 beziehungsweise 41,3 Prozent der Professoren weiblich. Der Schnitt aller untersuchten Hochschulen ist mit 30,0 Prozent deutlich geringer.
Zu den Schlusslichtern gehören hingegen drei Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg: Lediglich 19 Prozent und damit nicht mal jeder fünfte Professor am Karlsruher Institut für Technologie ist weiblich. Mit 20 Prozent ist die Frauenquote an der Universität Ulm ähnlich gering, gefolgt von der Universität Stuttgart mit 20,4 Prozent weiblicher Professoren.
Ein ganz anderes Bild zeichnet sich unter Juniorprofessoren ab: Mit durchschnittlich 52,5 Prozent sind die weiblichen W1-Professoren sogar in der Überzahl. Besonders weiblich sind die Nachwuchskräfte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo 64,2 Prozent der Juniorprofessoren Frauen sind. Auch an der Tübinger Eberhard-Karls-Universität, an der Universität Siegen und an der Technischen Universität in Braunschweig arbeiten mit je 62,5 beziehungsweise 61,1 Prozent vergleichsweise viele Juniorprofessorinnen.
Deutlich geringer ist der Anteil an W1-Professorinnen hingegen an der Universität Regensburg: Mit anteilig 27,3 Prozent bildet die bayerische Bildungseinrichtung das Schlusslicht – und ist die einzige Universität, an der die Frauenquote unter Professoren größer ist als unter Juniorprofessoren. Auch an der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover, an der Universität Trier und an der Universität Mannheim ist die Quote weiblicher Juniorprofessoren mit je 30 beziehungsweise 31,4 Prozent ausbaufähig.
Je höher es die Karriereleiter an Deutschlands Hochschulen und Universitäten hinaufgeht, desto geringer wird der Frauenanteil: Nur 22,2 Prozent aller Personen, die einen Fakultätsbereich leiten, sind weiblich. Eine Ausnahme bildet die Tübinger Eberhard-Karls-Universität, an der 66,7 Prozent und damit mehrheitlich Frauen das Amt der Dekanin bekleiden. An der privaten IU Hochschule werden 55,6 Prozent aller Fachgebiete von Frauen geführt. Mit immerhin 42,9 Prozent hat die Universität Bayreuth die dritthöchste Frauenquote unter den Dekanen.
Vergeblich nach einer Dekanin sucht man an insgesamt sieben Bildungseinrichtungen: Ausschließlich männliche Dekane wurden an der Universität Paderborn, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, der Universität Greifswald, der FernUniversität in Hagen, der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie an der Universität Mannheim gewählt.
Mit Blick auf die Rektoren beziehungsweise Präsidenten werden 27 der 57 untersuchten Universitäten von einer Frau geleitet, was einem Anteil von 47,4 Prozent entspricht. Damit repräsentieren Deutschlands Hochschulen zumindest in der Führung eine annähernde Geschlechterparität.
Während Frauen im Personal in Unterzahl sind, sind mit anteilig 51,8 Prozent mehr Frauen als Männer an den untersuchten Universitäten eingeschrieben. Am meisten weibliche Studierende gibt es mit je 63 Prozent an der Justus-Liebig-Universität Gießen und an der Universität zu Köln sowie an der Universität Greifswald und der IU Hochschule, wo jeweils 62 Prozent der Studierenden Frauen sind. Kleiner ist der Frauenanteil an dem Karlsruher Institut für Technologie mit 30 Prozent, an der Technischen Universität Darmstadt mit 32,7 Prozent sowie an der Technischen Hochschule Mittelhessen mit 33,7 Prozent.
Besonders groß ist die Diskrepanz zwischen der Frauenquote unter Studierenden und Lehrenden an der Universität Leipzig, wo der Anteil an weiblichen Professoren mit 26,5 Prozent um 34,7 Prozent zu weiblichen Hochschülern mit 61,2 Prozent abweicht. Auch an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ist der Unterschied zwischen Studentinnen und Professorinnen mit 34,3 beziehungsweise 34 Prozent besonders groß.
An der Technischen Universität Berlin ist die Frauenquote unter Studierenden mit einer Differenz von nur 4,5 Prozent hingegen gering. Ähnlich gering fällt der Unterschied an der Universität Hamburg mit 5,2 Prozent und der Fachhochschule Münster mit 7,2 Prozent aus. Zum Vergleich: Über alle Universitäten und Hochschulen hinweg beträgt der Unterschied im Schnitt 21,8 Prozent.
Obwohl Frauen mit rund 52 Prozent die Mehrheit der Studierenden an deutschen Hochschulen stellen, liegt ihr Anteil unter Professorinnen und Professoren im Schnitt nur bei etwa 30 Prozent. „Auf dem Weg zur Geschlechterparität im Wissenschaftsbetrieb ist also noch einiges zu tun“, kommentierte Jurafuchs-Mitgründer Dr. Carl-Wendelin Neubert die Ergebnisse. „Immerhin: Unter Juniorprofessuren liegt der Anteil von Frauen bereits auf einem ähnlichen Niveau wie unter Studierenden. Das macht Hoffnung für die Zukunft und zeigt, dass sich etwas bewegt. Jedoch lässt der niedrige Frauenanteil bei den Professoren im Vergleich zu den Juniorprofessoren vermuten, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen immer noch schwierig ist.“
Für den Vergleich wurden die insgesamt 85 größten Universitäten beziehungsweise Hochschulen in Deutschland dazu befragt, wie viele Professoren beziehungsweise Juniorprofessoren, Dekane und Studierende weiblich sind. Davon haben insgesamt 57 Universitäten beziehungsweise Hochschulen eine Auskunft über die Zahlen gegeben. Die Zahlen stammen aus den Jahren 2024 bis 2026.

* pm: Jurafuchs, Berlin

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