Zum Gedenken an deportierte Sinti aus Marburg haben sich am Samstag (21. März) Vertreter von Stadt, Kreis und Opfern zusammengefunden. Von 78 Deportierten überlebten nur zwei.
Am 23. März 1943 wurden 78 Sinti aus Marburg und dem Landkreis in Viehwaggons in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Sie waren zwischen zwei Monaten und 67 Jahre alt. Nur zwei von ihnen überlebten den nationalsozialistischen Massenmord. Die Universitätsstadt Marburg hat der Opfer auch in diesem Jahr gedacht.
„Gedenktage sind Tage der Erinnerung und des Wissens, was passieren konnte und passieren kann“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Gedenkveranstaltung am Samstag (21. März). Wer aus der Geschichte lernen wolle, müsse sich fragen, wie alles begonnen habe. „Es ist wichtig zu erinnern und zu ermahnen“, betonte er.
Zugleich machte Spies deutlich, dass das Gedenken keine rein rückblickende Aufgabe sei: „Dass wir heute gedenken, heißt nicht, dass es vorbei ist. Wir müssen wachsam bleiben!“ Es bestehe die Verpflichtung, nicht zu vergessen und alles dafür zu tun, dass sich die Verbrechen nicht wiederholen.
Am 23. März 1943 wurden 78 Sinti aus Marburg und Umgebung vom Bahnhof aus deportiert. Die meisten von ihnen wurden später Opfer des nationalsozialistischen Völkermords, dem europaweit mehr als 500.000 Sinti und Roma zum Opfer fielen. Ihr Schicksal steht exemplarisch für die systematische Verfolgung und Ermordung von Minderheiten durch das NS-Regime.
Für den Hessischen Landesverband sprach der stellvertretende Geschäftsführer Rinaldo Strauß. Er betonte, dass Gedenken mehr sein müsse als „ein Eintrag im Kalender“. Es gehe darum, die lokale Geschichte der Menschen weiterzuerzählen und sichtbar zu machen. „Gedenken und Widerstand sind kein stilles Ritual“, sagte Strauß.
Die Kranzniederlegung fand an der Gedenktafel am ehemaligen Landratsamt an der Barfüßerstraße statt. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Bürgermeisterin Nadine Bernshausen, Stadträtin Kirsten Dinnebier und der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Torsten Büchner legten den Kranz an der Gedenktafel nieder. Zuvor wurden die Namen der deportierten Menschen von Antonio Bau verlesen.
Das soll eine Erinnerung daran sein, dass sich hinter der Zahl von 78 Opfern individuelle Lebensgeschichten verbergen, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung gab es noch die Möglichkeit zu einem persönlichen Austausch im Foyer des Historischen Saals im Marburger Rathaus.
* pm: Stadt Marburg