Der Landkreis startet den ersten Bürgerrat als starkes Zeichen für Demokratie und Zusammenhalt. Mit dem „Ehrenamtsforum – Engagiert im Dialog“ übernimmt er eine bundesweite Vorreiterrolle.
In einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten zunehmend polarisieren und das Vertrauen in politische Prozesse unter Druck steht, setzt der Landkreis Marburg-Biedenkopf ein bewusstes Zeichen für mehr demokratische Mitgestaltung: Mit dem „Ehrenamtsforum – Engagiert im Dialog“ startet erstmals ein Bürgerrat auf Kreisebene. Marburg-Biedenkopf ist damit der erste Landkreis in Deutschland, der das Format eines Bürgerrats als Instrument der Beteiligung nutzt.
Zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger erarbeiten konkrete Empfehlungen zur Frage, wie ehrenamtliches Engagement gestärkt und die generationsübergreifende Zusammenarbeit im Ehrenamt zukunftsfähig gestaltet werden kann. Der Bürgerrat berät den Landrat direkt – verbindlich, transparent und öffentlich nachvollziehbar.
„Ehrenamt ist das Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts im Landkreis – in Vereinen, Initiativen, im Sport, in der Kultur, in Nachbarschaften und im sozialen Bereich“, erläuterte Landrat Jens Womelsdorf.. „Gleichzeitig stehen aber viele Organisationen vor großen Herausforderungen: Nachwuchs fehlt, Engagement muss sich an veränderte Lebensrealitäten anpassen, gesellschaftliche Vielfalt verlangt neue Formen der Zusammenarbeit.“
Genau hier setze das Ehrenamtsforum an: Sein Ziel sei, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam tragfähige Lösungsansätze zu entwickeln. „Der Bürgerrat ist dabei mehr als ein symbolisches Beteiligungsangebot“, unterstrich Womelsdorf.
„Demokratie lebt vom Mitmachen“, bekräftigte der Landrat. Gerade in herausfordernden Zeiten sei es entscheidend, Menschen aktiv einzubeziehen und ihre Perspektiven ernst zu nehmen. „Das Ehrenamtsforum ist ein klares Bekenntnis zu einer offenen, dialogorientierten Politik. Ich werde mich persönlich mit den Ergebnissen befassen und allen Teilnehmenden eine Rückmeldung geben. Darüber hinaus werden die Ergebnisse des Ehrenamtsforums auch Kreistag und Kreisausschuss vorgestellt. Im Zuge der politischen Beratungen wird dann zu beraten sein, ob und wie die Empfehlungen des Ehrenamtsforums in konkretem Verwaltungshandeln umgesetzt werden können.“
Die Teilnehmenden werden per Zufallsverfahren ausgewählt, angeschrieben und zur Mitarbeit eingeladen, um ein möglichst vielfältiges Abbild der Bevölkerung zu erreichen. Fachwissen ist nicht erforderlich – gefragt sind Alltagserfahrungen, unterschiedliche Lebensrealitäten und neue Ideen. Besonders angesprochen werden junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren sowie Bürgerinnen und Bürger mit Migrationsgeschichte, deren Perspektiven in gesellschaftlichen Prozessen bislang oft unterrepräsentiert sind.
Mit seinem „Ehrenamtsforum“ stärkt der Landkreis Marburg-Biedenkopf nicht nur das freiwillige Engagement, sondern auch die demokratische Kultur vor Ort. Das neue Format steht für eine Politik, die zuhört, Verantwortung teilt und gesellschaftlichen Zusammenhalt aktiv gestaltet als gemeinsame Aufgabe von Verwaltung, Politik und Bürgerschaft.
„Wir wollen Bürgerbeteiligung nicht nur ankündigen, sondern verbindlich gestalten“, betonte der Landrat. „Das Ehrenamtsforum ist ein klares Signal: Die Erfahrungen und Ideen der Menschen im Landkreis fließen in politische Entscheidungsprozesse ein, denn die Menschen sind die Expertinnen und Experten für die Herausforderungen in ihrer Lebenswelt.“ Weitere Informationen zum Thema Bürgerrat und Ehrenamtsforum online gibt es unter www.mein-marburg-biedenkopf.de.
* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf