„König Karneval“ hat das Rheinland fest im Griff. In Marburg feiert das närrische Volk hingegen eher verhalten.
Offenbar ist einigen Jecken der Humor vergangen angesichts des buchstäblichen „Stillstands“ des Marburger Rosenmontagszugs. Jedenfalls musste sich der Magistrat der Universitätsstadt Marburg in diesen Tagen einer überzogenen Kritik erwehren. Deswegen legte der Magistrat am Freitag (13. Februar) in einer Stellungnahme ein öffentliches Bekenntnis zum Karneval ab.
Dabei verwies er auf eine angebliche „Tradition“ des „Faschings“ in Marburg. Karnevalsvereine gibt es in der Universitätsstadt zwar bereits seit den 50er Jahren, doch den Rosenmontagszug hat hier erst der damalige Verkehrsdirektor Hans-Christian Sommer durchgesetzt. 1974 hatte es den gebürtigen Rheinländer vom Niederrhein nach Marburg verschlagen, wo er mit seinem rheinischen Humor und derbem Witz die evangelisch geprägte Sttadt „aufmischte“.
In den ersten Jahren fuhr beim Rosenmontagszug noch ein Wagen der „Häschen-Bar“ mit, auf dessen Motorhaube sich selbst bei Schneeregen eine spärlich bekleidete Blondine mit aufgesetzten Hasenohren und einem Stummelschwänzchen am Po räkelte. Die meisten Wagen im Zug fuhren Werbung für ortsansässige Geschäfte und Dienstleister. Aufwendige Motivwagen wie in Düsseldorf, Köln oder Mainz waren und sind im Marburger Rosenmontagszug leider selten zu finden.
Schon nach wenigen Minuten war der kurze Zug bereits an den Zuschauerinnen und Zuschauern am Wegesrand vorbeigefahren. Verkleidungen waren beim Publikum eher die Ausnahme. Sdudierende aus unterschiedlichsten Gegenden Deutschlands brachten ihre Fastnachtstraditionen mit und sprachen dabei vor allem dem Marburger Bier eifrig zu.
Die – für echte Rheinländer reichlich bemühte – Art des Marburger Rosenmontagszugs rechtfertigt dann auch kaum eine harsche Kritik an Sicherheitsauflagen, die nach mehreren Terroraktionen gegen Feiernde zum Schutz der Karnevalsjecken festgelegt werden mussten. Der „stehende“ Rosenmontagszug vor dem Erwin-Iscator-Haus (EPH) sollte echte karnevalistinnen und Karnevalisten eher zu lustigen Sprüchen wie „Der Zoch kütt nicht; kommt!“ anregen statt zu notorischer Nörgelei. Könnte irgendetwas den Stillstand der demokratischen Entwicklung in Deutschland besser darstellen als der „RosenmontagsUnZug“ auf der Biegenstraße?