Marburg bekennt sich zum Karneval. Die Stadt verwahrt sich aber gegen Kritik wegen ihres Umgangs mit dem Rosenmontagszug.
Die Stadt Marburg bekräftigt ihr starkes Engagement für die Faschingstradition und betont die unverzichtbare Rolle der ehrenamtlichen Akteur*innen. Angesichts der aktuellen Diskussionen um die Rosenmontagsplanung nimmt der Magistrat Stellung und betont: Sicherheit hat oberste Priorität. Der Rosenmontag wird zum zweiten Mal in Folge mit einer riesigen Karnevalsparty auf dem Vorplatz des Erwin-Piscator-Hauses gefeiert – mit einem bunten Bühnenprogramm und viel Kamelle.
Diese Entscheidung haben die Vereine getroffen, nicht die Stadt. Die Veranstaltung ist umfassend abgesichert, sodass große und kleine Jecken sicher feiern können. Die Kosten für das Sicherheitskonzept übernimmt die Stadt Marburg wie bereits im vorangegangenen Jahr.
Ebenfalls für den Veranstalter kostenfrei haben die Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung sich mit großem Engagement über ihre normalen Aufgaben hinaus eingebracht, um das Fest zu ermöglichen. Der Magistrat der Stadt Marburg ist daher irritiert angesichts der Debatte. Insbesondere die Kritik am Vorgehen der Beschäftigten weist die Stadt entschieden zurück.
Die Anforderungen für die Sicherheit in Marburg sind nicht zu hoch: Die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher hat für die Stadt Marburg oberste Priorität. Das ist keine Marburger Besonderheit, sondern eine Entwicklung, die bundesweit und international Großveranstaltungen betrifft.
In Volkmarsen gab es 2020 einen tragischen Anschlag, das Bundeskriminalamt weist aktuell darauf hin, dass Karnelszüge Symbolcharakter haben und eine erhöhte Terrorgefahr besteht. Das Land Hessen überarbeitet derzeit den Leitfaden für Großveranstaltungen, der noch nicht vorliegt und daher keine klaren, landesweiten Regelungen aufweist. Im vergangenen Jahr gab es zudem an Rosenmontag um 13:30 Uhr einen Anschlag auf eine Faschingsveranstaltung.
„Es ist unsere Pflicht, das Leben und die Gesundheit der Menschen zu schützen, die Rosenmontag in Marburg feiern wollen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Dieser Aufgabe kommen die Mitarbeiter*innen des Ordnungsamtes bei der Genehmigung von Veranstaltungen gewissenhaft nach. Ebenso wie andere Städte, in denen Karnevalszüge gekürzt oder die Route verändert wird – oder wo die gesamte Innenstadt für einen Tag zur autofreien Zone wird.
Die Stadt Marburg ist Unterstützerin des Rosenmontagszugs – aber nicht Veranstalterin. Entgegen dem Vorwurf, die Stadt messe mit zweierlei Maß oder sei unzureichend engagiert, ist festzuhalten: Die Stadt Marburg organisiert den Rosenmontagszug nicht, aber sie unterstützt die Veranstalter massiv.
Im Unterschied zu vielen anderen Städten, wo Karnevalsvereine selbst Spenden sammeln, um die Sicherheitsmaßnahmen bezahlen zu können, übernimmt die Stadt Marburg die Kosten für die Absicherung – und hätte das auch bei einem Rosenmontagszug getan. Ein Rosenmontagszug würde aber auch deutlich mehr ehrenamtliches Personal erfordern, das bei der Organisation und Durchführung hilft. Hier könnten sich durchaus auch weitere Vereine einbringen und den Veranstalter unterstützen.
Mitarbeitende der Stadt Marburg investieren Wochen städtischer Arbeitszeit in die Beratung, Planung und Unterstützung der Veranstaltung – ein Aufwand, mit dem die Beschäftigten der Stadt gerne unterstützen und der Wertschätzung verdient. Aus Sicht der Stadt Marburg ist ein Vergleich zu Veranstaltungen auf dem Messeplatz falsch. Dieser ist grundsätzlich einfacher abzusichern, als eine bewegliche Großveranstaltung durch die Innenstadt. Zudem: Die genannten Veranstaltungen auf dem Messeplatz werden kommerziell organisiert. Die Stadt Marburg unterstützt weder finanziell noch personell.
Die Stadt sieht sich als Partner der Vereine, nicht als Ersatz für deren ehrenamtliches Engagement. Die Rolle der Vereine und die gemeinsame Zukunft des Rosenmontagszugs. Die Stadt Marburg war und ist immer offen für den Dialog mit den Karnevalsvereinen und allen Beteiligten, um gemeinsam eine zukunftssichere Lösung zu finden, die die Sicherheit der Menschen gewährleistet und gleichzeitig die Tradition des Marburger Karnevals bewahrt.
Zudem möchte Spies gerne mit der neuen Stadtverordnetenversammlung und den Vereinen eine Entscheidung darüber herbeiführen, wie und in welchem Umfang sich die Stadt Marburg in Zukunft für den Rosenmontagszug einbringt. Dabei ist auch zu diskutieren, ob eine neue Strecke in Frage kommt. Denkbar wäre –
wie in anderen Städten – eine komplette Sperrung der Innenstadt für den Rosenmontagszug, der zuletzt 12.000 Besucher*innen und rund 30 Zugnummern zählte. Spies sieht das wegen der Auswirkungen auf die Schulen sowie auf alle, die Rosenmontag arbeiten müssen, aber kritisch.
* pm: Stadt Marburg