Hilfsankündigung: Kreis setzt mobiles Löschwasserkonzept um

Ein Löschwasserkonzept haben Kreis und Kommunen umgesetzt. „Wasserbomber“ sichern jetzt die Brandbekämpfung im Wald ab.
Schnell wie die Feuerwehr haben die Akteure bereits gut ein Jahr vor dem eigentlich geplanten Ende der Projektlaufzeit das Projekt „Mobile Löschwasserversorgung“ im Landkreis Marburg-Biedenkopf erfolgreich zum Abschluss gebracht. Fahrzeuge und Technik stehen bei den Feuerwehren bereit. Doch nicht nur der Zeitplan wurde unterboten, auch der finanzielle Rahmen wurde bei diesem Projekt der Interkommunalen Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und den Städten und Gemeinden eingehalten. Eine erste „Feuertaufe“ hat das Projekt ebenfalls bereits bestanden.
Insgesamt stehen jetzt für die mobile Löschwasserversorgung – insbesondere bei Waldbränden – im Landkreis Marburg-Biedenkopf acht Wechsellader-Fahrzeuge mit sogenannten „Abrollbehältern“ für jeweils 10.000 Liter Löschwasser zur Verfügung. Fünf dieser Fahrzeuge und sechs Behälter hat der Kreis neu beschafft. Zwei bereits vorhandene Fahrzeuge mit Behältern steuern die Feuerwehren aus Marburg und Stadtallendorf bei. Für ein bereits vorhandenes Fahrzeug in Biedenkopf wurde noch ein Löschwasserbehälter beschafft.
Das Konzept sieht vor, eine Versorgung mit Löschwasser in einer Größenordnung von 1.000 Litern pro Minute an einer Einsatzstelle zu gewährleisten. Verfügbar sein soll das Wasser dort spätestens 60 Minuten nach der Alarmierung.
„Auslöser des Projekts war der verheerende Waldbrand bei Cölbe-Schönstadt im Sommer 2022“, erläuterte Landrat Jens Womelsdorf bei der offiziellen Vorstellung der Fahrzeuge am Samstag (7. Februar) am Marburger Landratsamt. „Fehlendes Löschwasser machte den Einsatzkräften damals das Leben schwer. Als Erkenntnis daraus, als Auftrag des Kreistages, die Folgen des Klimawandels zu managen, und auf Bitten unserer Kommunen haben wir gemeinsam mit den Städten und Gemeinden ein Konzept zur mobilen Löschwasserversorgung bei Waldbränden geplant und umgesetzt.“
Kern sind acht „Wechselladerfahrzeuge“, die mit Abrollbehältern für jeweils 10.000 Liter Wasser bestückt sind. Wechsellader sind Fahrzeuge, die flexibel mit verschiedenen Aufbauten für unterschiedliche Aufgaben ausgerüstet werden können, also nicht nur für eine einzige Aufgabe vorgesehen sind. Die entsprechenden Abrollbehälter werden mit einem Hakensystem auf das Fahrzeug gezogen. Dieses Prinzip macht die Fahrzeuge also auch für die Feuerwehren, bei denen sie stationiert sind, zu einem flexibel einsetzbaren Einsatzmittel mit Mehrwert.
„Diese Projekt aus unterschiedlichen Gründen bemerkenswert: Wir haben den Zeitrahmen unterboten, den Kostenrahmen eingehalten und ein echtes Leuchtturmprojekt Interkommunaler Zusammenarbeit umgesetzt“, freute sich Landrat Womelsdorf. „Alle Kommunen und der Kreis haben an einem Strang und in die gleiche Richtung gezogen und auf Augenhöhe miteinander gearbeitet –
ein gelungenes Beispiel für eine Erfolgsgeschichte innerhalb der kommunalen Familie.“
Womelsdorf dankte insbesondere der Arbeitsgruppe, die im Wesentlichen aus ehrenamtlichen Feuerwehrleuten bestand, für deren hervorragende Arbeit.
Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried fügte als Sprecher der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Kreis hinzu: „Der gemeinsame Einsatz beim Waldbrand bei Schönstadt im Sommer 2022 hat allen vor Augen geführt, wie wertvoll und wichtig die Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden beim Brandschutz ist. Die größte Schwierigkeit damals: Schnell ausreichende Mengen Wasser vor Ort zu bekommen. Nicht immer können, so wie damals, Landwirte zur Unterstützung bereitstehen. Mit der mobilen Löschwasserversorgung machen wir einen großen Schritt nach vorne in Sachen Sicherheit bei Bränden nicht nur in Wald und Flur. Die Kommunen und der Landkreis haben mit diesem Projekt in beispielhafter Weise echte Handlungsfähigkeit demonstriert – damit können wir sehr zufrieden und darauf können wir vor allem stolz sein.“
Diese acht Fahrzeuge mit den acht Behältern sind jetzt strategisch so im Kreisgebiet stationiert, dass die geplante Versorgung mit Löschwasser gewährleistet werden kann. Um die geforderten 1.000 Liter pro Minute über die Gesamtdauer des Einsatzes sicherstellen zu können, werden immer mehrere Fahrzeuge alarmiert. Sie kommen an den für die Einsatzstelle festgelegten Wasserübergabepunkt, füllen das Wasser in mobile, aufklappbare Behälter und fahren danach zu einem vorher definierten Wasserentnahmepunkt, wo sie wieder befüllt werden.
Dann fahren sie immer wieder zurück zur Einsatzstelle, um das Löschwasser dort wiederum in die mobilen Behälter zu füllen. Dieses Prinzip nennt die Feuerwehr „Pendelverkehr“. „Von den mobilen Behältern an der Einsatzstelle wird das Wasser dann von Pumpen über Schläuche zum Löschen an die Brandstelle gefördert“, erklärte der ehrenamtliche Kreisbrandmeister Daniel Thome als Projektleiter.
Standorte für Fahrzeuge und Behälter sind Biedenkopf, Marburg, Stadtallendorf, Fronhausen, Gladenbach, Rauschenberg, Steffenberg und Wetter. Da die Feuerwehren in Marburg und Stadtallendorf bereits entsprechende Fahrzeuge und Abrollbehälter in eigener Regie beschafft haben und in Biedenkopf zumindest bereits ein Wechselladerfahrzeug vorhanden ist, hat Kreis jetzt fünf Fahrzeug und sechs Abrollbehältern für Löschwasser beschafft.
„Erstmals in der Geschichte des Landkreises wurde ein Projekt der Interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich der Gefahrenabwehr gemeinsam von Kreis sowie allen kreisangehörigen Städten und Gemeinden umsetzt – ein echter Meilenstein“, unterstrich auch Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. Er stellte heraus, dass alle Projektbeteiligten unter hohem Erfolgsdruck gestanden hätten. Die Einhaltung des Kostenrahmens unter dem Gesichtspunkt permanenter Kostensteigerungen sei ebenso wichtig gewesen, wie ein hochfunktionales System abzuliefern. „Ohne das überdurchschnittliche Engagement des Ehrenamtes hätten wir das kaum geschafft“, sagte Schäfer.
Die Planung des Konzepts, dessen Umsetzung und die Beschaffung hat der Fachbereich Gefahrenabwehr des Kreises übernommen. Verantwortlich zeichnen Kreisbrandinspektor Schäfer und der ehrenamtliche Kreisbrandmeister Daniel Thome. Sie haben gemeinsam mit anderen erfahrenen ehrenamtlichen Feuerwehr-Führungskräften eine Arbeitsgruppe gebildet und das Konzept bis ins Detail ausgefeilt.
Dazu gehörte auch die Kostenermittlung, die auf rund 2,72 Millionen Euro kalkuliert wurden. Dieser Kostenrahmen wurde auch dank wirtschaftlicher Planung und konsequenter Projektbegleitung bei den Herstellern eingehalten. Die Hälfte davon – also rund 1,36 Millionen Euro – trägt der Kreis. Die andere Hälfte übernehmen die Städte und Gemeinden. Deren Kostenanteil bemisst sich an der Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner – also eine solidarische Aufteilung der entstehenden Kosten innerhalb der kommunalen Familie.
Fahrzeuge und Behälter könnten im Notfall auch zur Versorgung mit Trinkwasser genutzt werden. Das ist ein positiver Nebeneffekt.
Nachdem zunächst alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister Zustimmung signalisiert hatten, dann in der Folge auch alle kommunalen Gremien dem Projekt und seiner Finanzierung zugestimmt hatten und schließlich diese beispielhafte Projekt Interkommunaler Zusammenarbeit vertraglich besiegelt war, begannen eine Arbeitsgruppe mit der Detail-Planung, wobei der Landkreis für die Planung, Beschaffung und Ausbildung die Verantwortung übernahm.
Beschafft wurden fünf Trägerfahrzeuge: dreiachsige MAN-Fahrgestelle mit Allradantrieb und 520 PS. Rund 27,5 Tonnen bringt ein Fahrzeug mit aufgeladenem Behälter auf die Waage. Eine Fachfirma baute die Fahrgestelle zu Feuerwehrfahrzeugen um.
Für das Konzept hat der Kreis außerdem sechs Abrollbehälter beschafft. In jeden dieser Behälter passen 10.000 Liter Wasser. Eine Pumpe mit einer Leistung von 1.500 Liter pro Minute sowie ein aufklappbares Wasserbecken für rund 11.000 Liter Wasser, Schläuche, Armaturen, Wasserwerfer und Beleuchtungsmaterial ergänzen die Ausstattung.
Außerdem beschaffte der Kreis noch Gerätschaften, falls die Abrollbehälter für den Transport von Trinkwasser im Notfall eingesetzt werden müssen. Fünf Tablet-Computer dienen der digitalen Führungsunterstützung und bieten Zugriff auf relevante Dokumente oder Karten.

* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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