Ein neuer Bahnhalt „Marburg-Mitte“ würde die Erreichbarkeit Marburgs verbessern. Dazu haben die Stadt Marburg und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) eine Machbarkeitsstudie vorgestellt.
Ein zusätzlicher Bahn-Haltepunkt „Marburg-Mitte“ hätte eine hohe Wirkung auf den Verkehr, einen positiven volkswirtschaftlichen Nutzen und wäre grundsätzlich förderfähig. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie von Stadt Marburg und RMV. Damit rückt die Vision einer besseren Anbindung der Marburger Innenstadt an den Schienenverkehr ein großes Stück näher.
Wesentliche Teile der Marburger Innenstadt sind derzeit nur mit dem Bus zu erreichen. Wer mit dem Zug ankommt, muss umsteigen. Um den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver zu machen, kann also ein zusätzlicher Bahnhaltepunkt zwischen dem Marburger Hauptbahnhof und dem Südbahnhof helfen. Er ist verkehrlich sinnvoll, technisch realisierbar und förderfähig, wie die Machbarkeitsstudie nun auch darlegt.
Im Rahmen der Studie wurden verschiedene Varianten für die Lage der Bahnsteige untersucht. Als Vorzugslösung wurde eine Position im Bereich der Kurt-Schumacher-Brücke identifiziert. Diese Position erfüllt nicht nur die baulichen Anforderungen an Bahnsteiglänge, -höhe und Barrierefreiheit, sondern gewährleistet auch eine exzellente fußläufige Erreichbarkeit der Innenstadt.
Die durchgeführte Nutzen-Kosten-Untersuchung nach der bundesweit gültigen „Standardisierten Bewertung“ ergab einen Nutzen-Kosten-Index von 2,33. Dieser Wert liegt deutlich über dem für eine Förderung erforderlichen Schwellenwert von 1,0 und bestätigt einen klar positiven volkswirtschaftlichen Nutzen des Projekts.
Verkehrlich würde der zusätzliche Halt die Erreichbarkeit der Innenstadt, der Oberstadt sowie angrenzender Stadtteile wie Ortenberg, Weidenhausen, Hansenhaus und Richtsberg maßgeblich verbessern. Zudem könnten innerstädtische Wegstrecken verkürzt und Umstiege zwischen Bus und Bahn erheblich erleichtert werden. Der Halt kann auf der Linie RB 41 fahrplantechnisch berücksichtigt werden.
Die Realisierung des Haltepunkts ist derzeit im Kontext der geplanten Generalsanierung der Main-Weser-Bahn für das Jahr 2034 denkbar. Angesichts der langen Vorlaufzeiten für Planung und Genehmigung ist ein frühzeitiges politisches Signal für die Weiterverfolgung des Projekts unerlässlich.
„Die Untersuchung ist ein Meilenstein für die Weiterentwicklung unserer Mobilitätsstrategie“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Sie zeigt klar auf, dass ein Bahnhalt direkt in unserer Innenstadt einen spürbaren Beitrag zu einer besseren Erreichbarkeit und zu mehr klimafreundlicher Mobilität leisten kann. Dies ist ein entscheidender Schritt für die Stärkung des Umweltverbundes und die Lebensqualität in Marburg.“
Auch der Rhein-Main-Verkehrsverbund begrüßt die Ergebnisse der Studie: „Der zusätzliche Haltepunkt Marburg-Mitte ist aus guten Gründen Teil unseres Regionalen Nahverkehrsplans“, erklärte Prof. Knut Ringat. ,“Mit der Bahn direkt ins Stadtzentrum‘ ist eine Zielstellung, die wir an vielen Orten des Verbundgebiets bereits einlösen – für die Zukunft wünschen wir uns das auch für Marburg“, betonte der Vorsitzende der RMV-Geschäftsführung. „Das positive Ergebnis der Machbarkeitsstudie ist eine gute Nachricht für unsere Fahrgäste.“ Sollten die politischen Gremien der Stadt Marburg die Umsetzung des Projekts befürworten, wären in einem nächsten Schritt vertiefende Planungen gemeinsam mit dem Land Hessen und der Deutschen Bahn erforderlich.
* pm: Stadt Marburg