Arbeit ist ein wichtiger Motor für Integration und Teilhabe. Staatssekretärin Katrin Hechler hat sich über das Gütesiegel „Interkulturelle Vielfalt leben“ informiert.
Mit dem Gütesiegel „Interkulturelle Vielfalt Leben“ zeichnen die Stadt Marburg und der Landkreis Marburg-Biedenkopf Organisationen aus, die die Integration ins Berufsleben von Menschen mit Migrationsgeschichte besonders fördern. Stadträtin Kirsten Dinnebier hat Staatssekretärin Katrin Hechler im Marburger Rathaus begrüßt und gemeinsam mit Beteiligten das Gütesiegel vorgestellt.
„Als Stadt haben wir eine klare Haltung für Integration und gegen Ausgrenzung“, erklärte Stadträtin Kirsten Dinnebier. „Aktuell erarbeiten wir ein umfangreiches Integrationskonzept. Dieses beinhaltet verschiedene Handlungsfelder, darunter auch Wirtschaft und Arbeit. Das Gütesiegel Interkulturelle Vielfalt Leben ist dort ein wichtiger Baustein. Daher freuen wir uns über den Besuch von Staatssekretärin Katrin Hechler, um sich dieses Instrument einmal näher anzusehen“
Die Universitätsstadt Marburg und der Landkreis Marburg-Biedenkopf verleihen das Gütesiegel alle zwei Jahre an Unternehmen, Freie Träger und Verwaltungen in der Region. Das Ziel der Auszeichnung ist, Arbeitgeber*innen zu honorieren, die Menschen mit Migrationsgeschichte im Berufsleben fördern.
„Arbeit ist ein wesentlicher Teil auf dem Weg zur Integration“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Peter Neidel. „Sie bietet einen anderen Zugang zu Sprache und zu Menschen, darunter zum Beispiel auch zu den Kolleginnen und Kollegen. Die Einbindung in die Arbeitswelt bietet somit mehr Möglichkeiten zur Teilhabe.“
Staatssekretärin Katrin Hechler vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend, Soziales bekräftigte die Bedeutung von Arbeit beim Thema Integration: „Integration heißt nicht nur, anzukommen, sondern auch, zu bleiben – und Arbeit ist dafür der Schlüssel. Umso mehr danke ich Ihnen für das bedeutende Instrument, das Sie mit dem Gütesiegel geschaffen haben. Ich freue mich, Ihre Erfahrungen kennenzulernen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.“
Das Gütesiegel wurde in Kooperation mit Prof. Dr. Susanne Weber von der Philipps-Universität Marburg entwickelt. Durch das Siegel sollen interkulturelle Vielfalt und gelebte Gleichberechtigung in Organisationen gestärkt werden. Zudem bietet es Arbeitgebenden der Region ein Netzwerk, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen, wie Integration in der Praxis gut gelingen kann.
„Inzwischen sind es 40 Organisationen, die dem Gütesiegel-Netzwerk angehören“, berichtete Dr. Christine Amend-Wegmann vom städtischen Fachbereich Gleichstellung, Vielfalt und Erwachsenenbildung. „Damit haben wir etwas wirklich Einzigartiges geschaffen, das es in der Form in anderen Städten bisher nicht gibt.“
Neben Netzwerk-Treffen gibt es auch in jedem Jahr eine „Best-Practice-Liste“. Dabei handelt es sich um eine Liste mit Angeboten, Strukturen und Ähnlichem, die sich in der Praxis der Gütesiegel-Träger*innen bewährt haben. Von diesen Beispielen können sich andere Arbeitgebende aus dem Netzwerk inspirieren lassen oder diese im eigenen Unternehmen einführen.
„Wir müssen hier unterscheiden: Es gibt systemische Hürden wie beispielsweise die Mobilität oder die Wohnsituation, die Arbeitgeber*innen nicht abbauen können“, erläuterte Dr. Franziska Engelhardt vom Büro für Integration beim Landkreis Marburg-Biedenkopf. „Es gibt aber Wege, die ein Unternehmen gehen kann, um den Weg in die Arbeit zu erleichtern. Zum Beispiel können Unternehmen Praktika ermöglichen sowie eine Atmosphäre schaffen, in der auf Talente statt auf Defizite geblickt wird.“
Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Unternehmen und Organisationen berichteten von ihren Erfahrungen aus der Praxis. So bieten manche einen Sprachkurs für Mitarbeitende an, arbeiten mit Farbsystemen anstelle von komplexen Begriffen oder bieten ein Vorbereitungsjahr für eine Ausbildung an. Sofern möglich, wird dieses Vorbereitungsjahr als erstes Ausbildungsjahr im Anschluss anerkannt. Andere führen regelmäßige Feedbackgespräche oder unterstützen bei der Wohnungssuche oder der Aufenthaltsverlängerung.
Die Arbeitgeber*innen schätzten das Gütesiegel-Netzwerk sehr – sowohl intern als auch extern. Durch die Maßnahmen, Verbesserungen und Ideen aus anderen Unternehmen und Organisationen profitierten sowohl die eigenen Mitarbeitenden als auch die Kundschaft. Ein großer Vorteil und eine Chance liege vor allem in den breitgefächerten Sprachkompetenzen sowie in dem kulturellen Wissen der Mitarbeitenden. Sie erleichterten auch die Betreuung und Beratung von Kundinnen und Kunden in unterschiedlichen Sprachen und aus verschiedenen Kulturkreisen.
Ein weiterer großer Pluspunkt vom Gütesiegel sei der Bewerbungsprozess, denn durch die Dokumentation im Unternehmen werde Bewusstsein dafür geschaffen, was bereits alles getan wird. Dadurch zeige sich auch viel klarer, wo angesetzt werden könnte, um sich zu verbessern.
Die nächste Gütesiegel-Ausschreibung wird am 15. Februar 2026 erfolgen. Dann haben Arbeitgeber*innen wieder die Gelegenheit, sich um die Auszeichnung für ihr interkulturelles Engagement zu bewerben. Mehr Informationen zum Gütesiegel und zum Bewerbungsprozess finden sich unter www.marburg.de/guetesiegel.
* pm: Stadt Marburg