Feuerwehr leben: Andreas Brauer in den Ruhestand verabschiedet

Andreas Brauer verabschiedet sich in den Ruhestand. Fast 50 Jahre war er im Einsatz für die Feuerwehr.
Seit beinahe 50 Jahren engagiert sich Andreas Brauer für das Wohl und die Sicherheit der Bevölkerung. Dabei hat sich Brauer nicht nur bei der Feuerwehr Marburg, sondern auch im Rettungsdienst für das Leben seiner Mitmenschen eingesetzt. Nun hat er sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.
„Andreas Brauer hat die Feuerwehr zu seinem Lebensinhalt gemacht, zu seinem Beruf“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei der Verabschiedung von Brauer im Historischen Saal des Rathauses. „Aus tiefer Überzeugung, Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein heraus hat sich Brauer für das Wohl und die Sicherheit der Bürger*innen eingesetzt. Das verdient höchsten Respekt. Ich danke dir für deinen Einsatz in all den Jahren.“
Für seinen Dienst hat Brauer zudem den Helmschild in Gold erhalten. „Dein Name ist untrennbar mit der Feuerwehr verbunden“, sagte Marc Prause. „Du warst nicht nur Teil der Feuerwehr, sondern hast sie mit deinem Engagement und deinen Ideen, wie für die Kampagne Marburg zeigt Respekt auch geprägt.“ Prause ist Sprecher der ehrenamtlichen Kräfte der Marburger Feuerwehr.
„Feuerwehr ist Teamarbeit“, erklärte Brauer. „Es gibt nichts, was man in der Feuerwehr nicht schafft. Es geht immer darum, Lösungen zu finden und Leben bestmöglich zu schützen.“
Fast sein gesamtes bisheriges Leben war Brauer mit der Feuerwehr verbunden. Nun verabschiedet sich der ehemalige Abteilungsleiter des Vorbeugenden Brandschutzes in den wohlverdienten Ruhestand. Während seiner Zeit in der freiwilligen sowie in der hauptamtlichen Feuerwehr hat Brauer in verschiedenen Tätigkeitsbereichen gearbeitet und eine Fülle an Erfahrungen gesammelt. Die größte Motivation dabei war es, Menschen zu helfen
Geprägt durch seinen Vater, der bereits bei der Feuerwehr war, trat Brauer 1977 im Alter von zwölf Jahren der Jugendfeuerwehr Marburg-Mitte bei. Mit 17 Jahren wechselte er in die Einsatzabteilung „Freiwillige Feuerwehr Marburg-Mitte – Zweiter Zug“ und übernahm dort bis 2000 Führungsaufgaben. Nach einem Jahr bei der Flughafenfeuerwehr Fraport begann er 1991 auch als Gerätewart im Brandschutzamt und trat somit in den offiziellen Dienst der Stadt Marburg ein.
Zudem wurde er 1996 Einsatzbearbeiter in der Zentralen Leitstelle Marburg-Biedenkopf und wurde 2000 zum stellvertretenden Stadtbrandinspektor gewählt. Die Strukturen der Feuerwehr veränderten sich; und es wurden hauptamtliche Strukturen eingerichtet. So wurde Brauer 2001 stellvertretender Leiter der Freiwilligen und hauptamtlichen Feuerwehr und übernahm somit die Gesamtverantwortung für die Stadt.
Von 2001 bis 2011 war er außerdem Abteilungsleiter für Aus- und Fortbildung sowie von 2004 bis 2010 verantwortlich für die Zentrale Leitstelle Marburg-Biedenkopf. Seit 2011 bis zum Ruhestand arbeitete er als Abteilungsleiter des Vorbeugenden Brandschutzes. Zudem ist Brauer viele Jahre nebenbei Rettungswagen gefahren.
Während der 34 Jahre seiner hauptamtlichen Tätigkeit bei der Feuerwehr und im Brandschutzamt absolvierte Brauer rund 90 Aus- und Fortbildungen. „Nach einiger Zeit gab es nichts, was ich nicht schon gemacht hatte“, berichtete Brauer. „Ich war neugierig auf neue Herausforderungen und Aufgaben. In der Funktion als Abteilungsleiter des Vorbeugenden Brandschutzes geht es darum, die Anforderungen der Feuerwehr ins Bauen zu bringen, die Sicht der Feuerwehr also in die Planung mit einzubeziehen. Dabei habe ich viel Neues gelernt, es hat Spaß gemacht und wir haben gute Lösungen gefunden.“
Als eines der großen Highlights seiner Karriere bei der Feuerwehr nennt Brauer die Gründung der Ortsteilfeuerwehr Bauerbach in 2012. Ebenfalls ein großes Anliegen war ihm die Aufarbeitung der Rolle der Feuerwehr im Nationalsozialismus. Sie spiegelte sich 2021 in der Ausstellung „Als die Feuerwehrautos tannengrün wurden“ wider.
„Ein besonders wichtiger Baustein, den ich in meiner Amtszeit mit umsetzen durfte, war die Inbetriebnahme des Ausbildungszentrums in Marburg Cappel vergangenes Jahr“, erläuterte Brauer. „Das Projekt hat von der Idee bis zur Umsetzung rund 20 Jahre gedauert, also fast meine gesamte Amtszeit begleitet. Das Zentrum bietet die Möglichkeit, die Feuerwehr auf zukünftige Herausforderungen gut vorzubereiten.“
Generell sei die Feuerwehr in Marburg sehr breit aufgestellt. „Die Feuerwehr Marburg wird von der Stadtpolitik unterstützt“, erklärte Brauer. „Sie ist gut organisiert und ausgestattet, man kümmert sich.“
Für Brauer gibt es viele Momente und Situationen, die sich eingebrannt haben in unterschiedlicher Art und Weise wie er erzählte: „Bei unseren Einsätzen geht es letztlich immer um eine Gefahr für das Leben von Mensch und Tier. Dabei kommen auch Einsatzkräfte an ihre Grenzen.“
Wichtig sei, eine Einstellung zum Beruf beziehungsweise zu der Aufgabe zu finden, die einem hilft, sich abzugrenzen. Auch ein guter Ausgleich in der Freizeit sowie Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen seien hilfreich. Über die Jahre seien zudem die Anforderungen an Feuerwehrleute gestiegen und es gebe zunehmend mehr Bürokratie. Dafür sei die Technik auch immer weiterentwickelt worden, sodass die Einsatzkräfte heute noch besser geschützt würden und über Vorgänge besser informiert seien als früher.
„Der Beruf ist sehr erfüllend; man bekommt viel zurück“, erklärte Brauer:. „Allerdings wird Respekt ein immer größeres Thema für Rettungskräfte. Mein Wunsch wäre, dass sich beide Seiten reflektieren und es wieder mehr Wertschätzung für das, was die Rettungskräfte leisten, gäbe. Vieles wird als selbstverständlich angesehen, zum Beispiel, dass es eine Feuerwehr gibt, die da ist, wenn es brennt. Doch wie sieht das mit dem Ehrenamt aus, wenn sich diese Ansicht so weiterträgt? Kein Respekt, keine Rettungskräfte auf lange Sicht!“
Für seinen Ruhestand plant Brauer, sich Zeit fürs Reisen, Motorrad- und Fahrradfahren sowie für andere Sportarten zu nehmen. Doch zunächst wird Brauer noch rund ein Jahr bei der Klinik-Feuerwehr arbeiten, bevor er gänzlich in Rente geht. „Ich kann gut damit abschließen“, sagte er. „Ich hatte meine Zeit bei der Feuerwehr und es war eine sehr schöne.“

* pm: Stadt Marburg

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