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Die Von-Behring-Röntgen-Stiftung fördert acht innovative Forschungsprojekte in Gießen und Marburg. Sie zahlt1,9 Millionen Euro für medizinische Spitzenforschung.
Wie entstehen schwere Herzrhythmusstörungen, warum verliert das Immunsystem bei Krebs seine Schutzfunktion, und wie führen Infektionen oder frühe Entzündungsprozesse zu dauerhaften Organschäden? Diese grundlegenden Fragen der modernen Medizin stehen im Mittelpunkt der aktuellen Förderprojekte der Von-Behring-Röntgen-Stiftung. In der diesjährigen Förderrunde unterstützt die Stiftung acht herausragende Forschungsvorhaben, die sich mit den molekularen Ursachen schwerer Erkrankungen sowie mit neuen diagnostischen und therapeutischen Ansätzen befassen.
Bereits zum 19. Mal fördert die Von Behring-Röntgen-Stiftung innovative medizinische Projekte an der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen. Insgesamt stellt sie dafür rund 1,9 Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderurkunden wurden am Donnerstag (29. Januar) bei einer Feierstunde am Stiftungssitz im Marburger Landgrafenschloss überreicht.
„Medizinische Forschung geht uns alle an“, sagte Stiftungspräsident Dr. Lars Witteck bei der Übergabe. „Was heute in der Grundlagenforschung untersucht wird, entscheidet darüber, wie Krankheiten morgen diagnostiziert und behandelt werden. Mit unserer Förderung geben wir ausgewählten Projekten in Marburg und Gießen den nötigen Rückenwind, damit dieser Fortschritt uns allen zugutekommt.“
Gefördert werden vier Einzelprojekte von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sowie vier standortübergreifende Gemeinschaftsprojekte. Die Auswahl erfolgte durch einen unabhängigen wissenschaftlichen Beirat aus mehr als 30 eingereichten Anträgen. Die Projekte sind auf eine Laufzeit von bis zu drei Jahren angelegt.
Makrophagen als Treiber des Lungenkrebses untersucht ein Forschungsprojekt aus Marburg und Gießen. „Tumorbiologie, Immunsystem und personalisierte Therapie“ sind Thema der Krebsforschenden. Im Tumorgewebe von Lungenkrebs spielen Immunzellen eine zentrale Rolle. Besonders Makrophagen – eine wichtige Gruppe von Immunzellen – tragen häufig dazu bei, dass Tumore wachsen und sich ausbreiten. In ihrem gemeinsamen Forschungsprojekt untersuchen Prof. Dr. Rajkumar Savai aus Gießen und Prof. Dr. Jörg-Walter Bartsch aus Marburg, wie das Enzym „ADAM8“ diese Prozesse steuert. Ziel ist dabei, ADAM8 sowohl als diagnostischen Marker als auch als möglichen therapeutischen Angriffspunkt zu evaluieren. Das Projekt wird mit 299.097 Euro gefördert.
Die Funktionelle Analyse von „TP53-Mutationen“ untersucht ein Forschungsprojekt in Marburg. Das Tumorsuppressorgen „TP53 „gilt als „Wächter des Genoms“ und ist bei etwa der Hälfte aller Krebserkrankungen verändert. Allerdings unterscheiden sich diese Mutationen stark in ihrer biologischen Wirkung. Dr. Julianne Funk aus Marburg analysiert systematisch tausende TP53-Varianten und untersucht deren Einfluss auf Tumorwachstum und Therapieansprechen. Ihr Ziel ist, genetische Veränderungen künftig besser zu interpretieren und personalisierte Behandlungsstrategien zu ermöglichen. Das Projekt wird über zwei Jahre mit 199.615 Euro gefördert.
Genetische Ursachen des plötzlichen Herztods untersuchen Forschende in Marburg und Gießen. Der plötzliche Herztod zählt zu den häufigsten ungeklärten Todesursachen, insbesondere bei jungen Menschen ohne vorherige Symptome. In rund 30 Prozent der Fälle bleibt die Ursache selbst nach dem Tod unklar. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Niels Decher von der Philipps-Universität Marburg und seine Kooperationspartner Prof. Dr. Samuel Sossalla aus Gießen und Prof. Dr. Katrin Streckfuß-Bömeke aus Würzburg untersucht seltene genetische Veränderungen in Ionenkanälen, die für die elektrische Steuerung des Herzens entscheidend sind. Ihr Ziel ist, genetische Risikofaktoren zu identifizieren und damit langfristig eine verbesserte Vorsorge sowie diagnostische und therapeutische Ansatzpunkte zu ermöglichen. Die Förderung beträgt 299.297 Euro.
Mechanismen der Nipah-Virus-Infektion im Gehirn erforscht ein Projekt in Marburg. Das Nipah-Virus gehört zu den gefährlichsten bekannten Viren und verursacht schwere Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Alexandra Kupke aus Marburg untersucht, wie das Virus in das Gehirn eindringt, sich dort vermehrt und die Immunantwort des Körpers beeinflusst. Mit Hilfe moderner Zell- und Gewebemodelle werden die Mechanismen der Virusausbreitung und der Gewebeschädigung analysiert. Ihr Ziel ist es, neue Ansatzpunkte für antivirale Therapien zu identifizieren. Das Projekt wird mit 198.120 Euro gefördert.
Chronische Hepatitis-B-Infektionen und metabolisch bedingte Fettlebererkrankungen sind jeweils eigenständige Risikofaktoren für Leberkrebs. Treten beide Erkrankungen gemeinsam auf, verstärken sie sich gegenseitig. In einem gemeinsamen Projekt untersuchen Prof. Dr. Elke Roeb von der Justus-Liebig-Universität Gießen und Prof. Dr. Alexander Visekruna von der Philipps-Universität Marburg, wie Entzündungsprozesse und Stoffwechselveränderungen in der Leber zusammenwirken und zur Krebsentstehung beitragen. Ziel ist die Identifikation molekularer Signalwege für zukünftige Therapieansätze. Die Fördersumme beläuft sich auf 290.355 Euro.
Frühgeborene Kinder sind häufig auf intensivmedizinische Unterstützung angewiesen, etwa durch Sauerstoffgabe oder künstliche Beatmung. Diese lebensrettenden Maßnahmen können jedoch die empfindliche Lungenentwicklung beeinträchtigen. Dr. Maria Camila Melo-Narvaez aus Marburg und Dr. Dharmesh Hirani aus Gießen untersuchen, wie frühe Zellveränderungen die Lungenstruktur dauerhaft beeinflussen. Im Fokus stehen seneszente Zellen, also vorzeitig gealterte Zellen, die entzündliche Prozesse verstärken und die normale Lungenentwicklung stören können. Ziel ist dabei, relevante Risikofaktoren besser zu verstehen und daraus Ansatzpunkte für präventive Behandlungsstrategien abzuleiten. Die Stiftung fördert das Projekt mit 227.308 Euro. Die – im Marburger Landgrafenschloss ansässige –
Von-Behring-Röntgen-Stiftung wurde am 8. September 2006 vom Land Hessen als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts errichtet. Gegründet wurde sie im Zuge der Fusion der Universitätskliniken Gießen und Marburg im Jahr 2005 und der anschließenden Privatisierung 2006 mit dem Ziel, an beiden Standorten neue Perspektiven für die Hochschulmedizin zu sichern und zu entwickeln. Dem Stiftungsvorstand gehören als Präsident der ehemalige Regierungspräsident Dr. Lars Witteck und als Vizepräsidenten die Gießener Radiologin Prof. Dr. Gabriele Krombach und der Marburger Biochemiker und Zellforscher Prof. Dr. Roland Lill an.
Ein – mit 16 namhaften Forschenden besetzter – wissenschaftlicher Beirat hat die Aufgabe, die der bei der Medizinstiftung eingereichten Förderanträge zu bewerten sowie Projekte und Themenschwerpunkte zu empfehlen. Die Von-Behring-Röntgen-Stiftung schreibt in der Regel jedes Jahr zum 30. Juni eine Förderrunde aus. Bisher konnte sie rund 28 Millionen Euro für fast 160 Projekte bewilligen.
* pm: Von-Behring-Röntgen-Stiftung, Marburg