Mit örtlichem Rat: Stadt startet Befragung zu mehr Demokratie

Die Stadt startet eine Bürgerbefragung zu Ortsbeiräten. In einigen Gebieten Marburgs gibt es – im Gegensatz zu den meisten anderen – nämlich keinen Ortsbeirat.
Rund 16.000 Marburgerinnen und Marburger bekommen in den nächsten Tagen Post von der Stadt und werden nach ihrer Meinung gefragt. Sie wohnen in Bereichen der Kernstadt, in denen es derzeit keinen Ortsbeirat gibt. Nun können sie sie mitbestimmen, ob sich das ändern soll.
Konkret geht es um die Gebiete Grassenberg, Hansenhaus, Lahnberge, Nordviertel, Ortenberg, Südbahnhof und „Altstadt IV“ rund um die Ketzerbach. Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung (StVV) wird in diesen Gebieten nun eine Bürgerbefragung durchgeführt. Beteiligen können sich alle Einwohnerinnen und Einwohner, die mindestens 18 Jahre alt sind und ihren Hauptwohnsitz am Stichtag 1. Juni 2025 in einem der betroffenen Gebiete hatten. Das sind insgesamt 15.873 Menschen.
Die Stadt Marburg lädt alle berechtigten Einwohner*innen per Brief ein, an der Befragung teilzunehmen. Abstimmen können sie dann entweder online oder per kostenfreier Post-Rücksendung. Die konkrete Fragestellung lautet: „Ich bin dafür, dass auch mein Wohngebiet in einem Ortsbeirat vertreten ist – ja oder nein?“.
Abgestimmt werden kann bis einschließlich Sonntag (6. Juli). Voraussichtlich ab Montag (14. Juli) wird das endgültige Abstimmungsergebnis auf der Internetseite der Stadt Marburg veröffentlicht. Nur, wenn eine Mehrheit aller Teilnehmeden mit „Ja“ stimmt, werden zur nächsten Kommunalwahl 2026 neue Ortsbezirke eingerichtet. Dazu braucht es einen weiteren Beschluss der Stadtverordnetenversammlung.
Der Grassenberg würde dann künftig dem Ortsbeirat Marbach zugeordnet. Der Bezirk Lahnberge würde im Ortsbeirat Richtsberg vertreten sein und der Bezirk „Altstadt IV“ (Ketzerbach) im Ortsbeirat Altstadt. Zwei Ortsbeiräte würden ganz neu entstehen. Das wären „Hansenhaus/Südbahnhof“ und „Ortenberg/Nordviertel“.
Dabei gilt die Devise „Ganz oder gar nicht“: Stimmt insgesamt eine Mehrheit mit „Ja“, werden alle sieben Gebiete künftig in einem Ortsbeirat vertreten sein. Ortsbeiräte sind sogenannte „Hilfsorgane des Magistrats“. Sie vertreten die Interessen der Menschen in ihren Stadtteilen und werden bei der Kommunalwahl gewählt.
Die nächste Wahl findet am 15. März 2026 statt. Die Ortsbeiräte müssen bei Entscheidungen, die ihren Stadtteil betreffen, angehört werden. Marburg hat derzeit 25 Stadtteile mit eigenen Ortsbeiräten, die je nach Einwohnerzahl aus drei bis neun Mitgliedern bestehen und ehrenamtlich arbeiten.
Sie befassen sich vor allem mit lokalen Themen wie der Gestaltung öffentlicher Plätze, der Verkehrsführung oder der Stadtteilentwicklung. Der Ortsbeirat kann Vorschläge machen und seine Meinung sagen. Er kann aber in der Regel nicht selbst entscheiden – das bleibt meistens Aufgabe des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung. Letztere kann dem Ortsbeirat aber bestimmte Angelegenheiten zur endgültigen Entscheidung übertragen.
Zur Einführung von Ortsbeiräten fand vor zehn Jahren schon einmal eine Befragung statt. Damals gab es für die Einrichtung neuer Ortsbeiräte keine Mehrheit. Die aktuelle Befragung wird von der „Stabsstelle Bürger*innenbeteiligung“ der Stadt Marburg durchgeführt. Die Teilnahme ist freiwillig.
Alle Antworten sind anonym. Dazu enthält jedes Schreiben einen Zugangsschlüssel, der zur Teilnahme berechtigt, aber nicht mit den Antworten verknüpft ist. Außerdem stellt dieser Code sicher, dass Jede und jeder nur einmal abstimmen kann.
Die Teilnahme an der Befragung ist bis einschließlich Sonntag (6. Juli) möglich. Weitere Informationen zur aktuellen Befragung und den Ortsbeiräten finden Interessierte unter www.marburgmachtmit.de/Ortsbeirat.

* pm: Stadt Marburg

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