Bürger befragt: Spies stellte im EPH Ergebnisse vor

Thomas Spies

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies stellt die Ergebnisse der Bürgerbefragung vor. (Foto: Jan Wandel)

„Die Ergebnisse der Bürgerumfrage sehen wir als deutlichen Hinweis an, worum sich die Stadtpolitik zu kümmern hat“. Die Resultate der Befragung präsentierte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies am Donnerstag (22. Februar) im Erwin-Piscator Haus (EPH).

Erhoben wurde die Umfrage von der studentischen Unternehmensberatung Phlink in Zusammenarbeit mit der Stadt Marburg. Mit 2.573 ausgefüllten Fragebögen war die Beteiligung unerwartet hoch. Das Ergebnis sei repräsentativ, erklärte Projektleiter Moritz von Oppenkowski.
Wert gelegt wurde darauf, dass Personen aus allen Bevölkerungsgruppen an der Umfrage teilnehmen. Verfügbar war der Fragebogen online sowie bei verschiedenen Institutionen der Stadt.
90% aller Befragten gaben an, dass sie gerne in Marburg leben. Spies bezeichnete das Ergebnis als „sehr angenehm“, während er durch den gut gefüllten Saal schritt.
Das Bildungsangebot, die Weltoffenheit der Stadt und das Kulturangebot wurden von den Teilnehmenden besonders positiv bewertet. Auch soziale Aufgaben wie Barrierefreiheit und medizinische Versorgung würden zufriedenstellend erfüllt.
„Sehr überrascht“ zeigte sich Spies über die geringe Zufriedenheit mit der Unterstützung für sozial Benachteiligte. Insbesondere Personen im Alter von 45-60 Jahren mit niedrigem Einkommen gaben bei diesem Thema eine negative Bewertung ab.
Die Sicherheit in Marburg wird von der Bervölkerung als schlecht angesehen. Dieses Ergebnis sei „bemerkenswert, da Kriminalstatistiken der Polizei ein anderes Bild zeichnen“, erklärte Spies.
Nach Ansicht der Befragten bietet die Stadt nicht genügend bezahlbaren Wohnraum. Bei der Zufriedenheit mit diesem Thema ergab sich das mit Abstand schlechteste Resultat der Umfrage.
Spies zeigte sich darüber verwundert, da neue Wohnungen gebaut wurden, die sogar früher fertig wurden als geplant. Eine Bürgerin meldete sich daraufhin zu Wort und hakte nach, wobei sie den Begriff „bezahlbar“ betonte. Obwohl Marburg auch billige Wohnungen biete, sah auch der Oberbürgermeister hier noch Verbesserungsmöglichkeiten.
Handlungsbedarf sehen die Bürgerinnen und Bürger auch im Bereich des Verkehrs. Die Verbindungen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wurden schlecht bewertet. Das Stadtoberhaupt entgegnete der Kritik mit Statistiken der Stadtwerke Marburg (SWMR), wonach Marburg im regionalen Vergleich gut abschneidet.
Bei den Themen zur Sicherheit und zur Unterstützung von Menschen aus anderen Kulturkreisen, waren die Ergebnisse vom Bildungsgrad der Befragten abhängig. Personen mit hohem Bildungsabschluss äußerten dazu weniger Besorgnis als Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss. Der Einwurf eines Anwesenden zu unterschiedlichen Wohnorten dieser Personengruppen dürfte diese Diskrepanz jedoch nicht ausreichend erklären.
Eines der schlechtesten Ergebnisse erreichte die Frage „Marburg ist ein guter Ort, um im Alter zu leben“. Schon beim Gesamtergebnis stimmte dem nur ein Viertel der Befragten zu, während dieser Anteil in den Außenstadtteil sogar noch auf ein Achtel sank. Immerhin hat ein Drittel der Personen über 65 Jahren dieser Fragestellung mit der bestmöglichen Bewertung zugestimmt.
Abschließend wurde über den Wunsch nach einer Wiederholung solcher Umfragen diskutiert. Zurück blieb die Anregung, derartige Befragungen alle drei Jahre zu wiederholen.

* Jan Wandel

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