Emfatih: Meisterhafter Kabarettabend mit Fatih Çevikkollu

„Emfatih“ hat Fatih Çevikkollu sein neuestes Programm genannt. Im Rahmen des 19. Marburger Kabarettherbsts gastierte er damit am Freitag (17. November) im Kulturladen KFZ.
Witzige und hintersinnige Sprachspiele sind nur eine Stärke des Kölner Kabarettisten. Am meisten begeisterte er indes durch seine offene und spontane Zwiesprache mit dem Publikum. Außer Hagen Rether ist wohl kein anderer Kabarettist so schlagfertig und kommunikativ wie Çevikkollu.
Seinen türkischen Hintergrund nutzte er vor Allem zu Beginn des Abends für eine eindringliche Auseinandersetzung mit offenem und verdecktem Rassismus. Ihn nerve, dass er häufig auf seinen türkischen Namen angesprochen werde, aber nur selten als Kölner wahrgenommen werde.
Kein Thema sei sein Migrationshintergrund während seines Studiums an der Hochschule Ernst Busch gewesen: „Da war ich der Wessi. Türken kannten die da in Ost-Berlin gar nicht.“
In Köln hingegen sei das anders. Çevikkollu schilderte einen Besuch bei der Ausländerbehörde, wo die Beamtin ihn laut und überdeutlich nach seinem Ausweis gefragt habe. Mit drei verschiedenen Alternativen einer Reaktion darauf von einer arroganten Abfertigung mit eloquent geschliffenen Formulierungen einschließlich des Angebots eines Wegweisers zur Suche nach dem richtigen Job „in Ihrer Sprache“ bis hin zur Erfüllung ihrer Erwartung mit einem gestammelten „Deutschland gut“ brachte er die Anwesenden zum Lachen.
Anschließend sinnierte er über die unterschiedlichen Aufenthaltstitel von der Duldung über die Gestattung bis hin zum Aufenthaltsrecht. Rechte seien in Deutschland das Stärkste, erklärte er zweideutig.
Als er dann die Demonstration der „Hooligans gegen Salafismus“ (HogeSa) in Köln schilderte, da blieb den meisten das Lachen freilich im Hals stecken. Seine elfjährige Tocher habe er ins Haus geschickt, weil er Angst vor diesem wütenden Mobb hatte. „Dieses Gefühl ist jetzt in den Bundestag eingezogen“, stellte Çevikkollu fest.
„Aber die anderen 87 Prozent sind die Mehrheit“, fuhr er fort. Diese Mehrheit müsse sich nun zu Wort melden.
Auf die politische Situation in der Türkei unter ihrem Präsidenten Rezep Tayb Erdogan ging er nur kurz ein. Bei einem Flug nach Antalia könne es für den Urlaub halt leicht 20 Jahre Verlängerung geben, stichelte er.
Über deutsche Lehnswörter aus dem Türkischen und türkische Wörter aus dem Deutschen sprach Çevikkollu auch. Während die Türken das „Schiebedach“ übernommen haben, hätten die Deutschen ihr „Gulasch“ nicht etwa aus dem Ungarischen, sondern aus dem Türkischen entlehnt. Gleiches gelte für die „Horde“ und den Ausruf „Hurra“, die auf Ausdrücke des türkischen Militärs zurückgingen.
Zwei Witze erzählte Çevikkollu, bei deen er das Publikum die Handelnden beschreiben ließ. Der Wächter vor dem Zelt stand vor zwei Verdurstenden in einer Oase. Die beiden Deutschen wollten ihn um Wasser bitten.
Als die Zuschauer den Wächter mit Pumphosen und Turban ausstatteten, da meinte Çevikkollu, das erinnere ihn an den „kleinen Muck“. Dann ließ er das Wort „Rassismus“ fallen, um gleich darauf den Witz zu Ende zu erzählen.
Einer der Deutschen tarnt sich als Muslim in der Hoffnung, dann nicht abgewiesen zu werden. Doch sein ehrlicher Begleiter bekommt Essen und Trinken, während der Wächter den anderen freundlich einlädt, mit ihm zu fasten.
Auch Çevikkollus Heimatstadt Köln bekam ihr Fett weg. Dabei verfiel er kurz auch in den Dialekt der Domstadt, deren Klüngel er anhand des Projekts der Treppe am Rheinufer karrikierte.
Am Ende machte er noch ein Video vom Publikum in Marburg. Zuvor hatte er die Anwesenden mit einem Chanson erfreut, dass er im eindringlichen Stil von Jacques Brel vortrug. Unbestreitbar gehört Çevikkollu zu den Besten seines Fachs und erhielt deshalb zu Recht begeisterten Applaus.

* Franz-Josef Hanke

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