Die „einmalige Aktion“ des „Instituts für politische Schlauheit“ war ein Aprilscherz. Vor die FDP-Geschäftsstelle am Barfüßertor wurde in der Nacht zum Samstag (1. April) kein Porsche geklebt.
Der Sportwagen des Typs 911 Turbo Cabrio ist das teuerste Modell der Stuttgarter Nobel-Marke. Damit ist er zugleich ein Symbol rückwärtsgewandter Klimaverschmutzung durch Autos mit einem Verbrennungsmotor. Insofern hätte die – von der marburg.news-Redaktion erfundene – Aktion durchaus die vielfach geäußerte Kritik an der allzu engen Verbindung der FDP mit Porsche veranschaulichen können.
Allerdings wurde das angebliche „Institut für politische Schlauheit“ einem anderen Kunstkollektiv nachempfunden, das in der Vergangenheit durch mehrere – meist umstrittene – Aktionen auf sich aufmerksam gemacht hat. Dessen Sprecher trägt auch einen ähnlichen Namen wie die erfundene Person, die die Motivation zu der ebenfalls ausgedachten Aktion auf den Namen der Straße vor der Marburger Parteigeschäftsstelle bezieht.
Tatsächlich residiert die Marburger FDP am Barfüßertor. Diese Straße verdankt ihren Namen den Franziskanern, deren Kloster von der Zeit der Heiligen Elisabeth bis zur Reformation im Jahr 1525 an dieser Stelle lag. Barfuß gingen die Bettelmönche von dort in die Stadt hinein, weshalb auch die Barfüßerstraße vom Klostergelände zum Marktplatz heute och diesen Namen trägt.
Wie genau der erfundene Philipp Ruchlos seinen Hinweis auf E-Fuels gemeint haben könnte, darüber dürfen die Marburgerinnen und marburger weiterhin rätseln. Fest steht jedoch, dass die „Letzte Generation“ keinen Exklusivvertrag mit Herstellern von Sekundenklebern geschlossen hat, obwohl sie massiv für deren rasche und resistente Wirkung wirbt. Die ebenfalls erfundene Clara Hinreich ist genauso einer real existierenden Person nachempfunden wie der Sprecher des Kunstkollektivs.
Seinen diesjährigen Aprilscheerz versteht marburg.news ebenso wie ähnliche Texte vorangegangener Jahre beispielsweise 2012 zum Gesellschaftsspiel „MarnoPohly“ oder am 1. April 2017 zur angeblich neuen Onlinezeitung „marburg.fake“ –
als satirisches Statement zu politischen Vorgängen und Entwicklungen. Während jedoch Kunstkollektive und Aktionsgruppen ihre Proteste tatsächlich umsetzen, belässt Die Online-Zeitung für Marburg es alljährlich bei einer bloßen Beschreibung möglicher Aktivitäten.Dennoch wäre eine nachhaltige Wirkung wie bei dem – mehrere Jahre später kopierten – Gesellschaftsspiel „Marnopoly“ wohl durchaus wünschenswert.
* Franz-Josef Hanke