Acht Schulklassen aus Mittelhessen haben Wetterballons in die Stratosphäre geschickt. Darunter waren auch zwei Schulklassen aus Marburg.
Beim Projekt „SkyMi – Mittelhessen hebt ab!“ entwickelten Schulklassen eigene Fragestellungen und sammelten Forschungsdaten in luftiger Höhe. Acht Wetterballons starteten dazu in ganz Mittelhessen mit Experimenten in Richtung Weltall. Wer Mitte September in den Himmel schaute, hat sie vielleicht gesehen: An acht Orten in Mittelhessen sind Wetterballons in Richtung Stratosphäre aufgestiegen.
Jeder hatte einen eigenen Forschungsauftrag im Gepäck. Sieben davon starteten am Donnerstag (17. September). Einer folgte am Freitag (18. September).
Beim Projekt „SkyMi – Mittelhessen hebt ab!“ erhielten Schulen aus der Region die Möglichkeit, mittels Wetterballon-Sets echte Forschungsdaten in zirka 35 Kilometern Höhe zu sammeln. An jedem Startpunkt gab es dazu reichlich Besuch und Zuschauende. Organisiert wurde das Projekt vom „Schüler:innen-Forschungszentrum Mittelhessen“ (SFM) gemeinsam mit dem Forschungscampus Mittelhessen, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Philipps-Universität Marburg und der Technischen Hochschule Mittelhessen. Im Februar gewannen sechs Schulprojekten im Wettbewerb. Zwei weitere erhielten die Möglichkeit, mit Unterstützung der Hessischen Staatskanzlei Ballonmissionen durchzuführen.
Monatelang hatten die Teams auf diesen Moment hingearbeitet. Sie haben Ideen konkretisiert, ihre Versuchsaufbauten entwickelt und sich auf den Start vorbereitet. Entsprechend groß war die Aufregung vor dem Abflug; ebenso groß der Jubel, als die Ballons am Himmel verschwanden. Jeder hatte eine Kapsel an Bord, in der die Experimente, Kameras, Tracker und Messgeräte mitflogen.
„Die Schüler haben jetzt die Gelegenheit, Experimente unter Bedingungen zu machen, die auf der Erde so nicht möglich sind“, sagte Dirk Winkel vom SFM. Dass es super angekommen ist, ergänzte sein Kollege Dr. Alexander Kremper, der den Wettbewerb federführend organisiert hat: „Man hat die Vorfreude, aber auch die Anspannung bei den Teams gemerkt.“ Die Schülerinnen und Schüler hoben hervor, dass man bei solchen Live-Experimenten insbesondere praktische Erfahrungen sammelt wie erste Kontakte mit der Messtechnik: „Das ist viel besser als nur Theorie im Unterricht.“
Die Bandbreite der Forschungsfragen ist groß: Die Westerwaldschule Driedorf erforscht die Spuren menschlichen Handelns auf die Landschaft. Die Gesamtschule Gießen-Ost will herausfinden, wie Höhe und UV-Strahlung die Effizienz von Solarzellen beeinflussen. Für die Johann-Textor-Schule Haiger ist die Mission zugleich der Auftakt für weitere Forschungsprojekte zu Konstruktion, Materialwahl und Datenübertragung. In Neu-Anspach hat die Adolf-Reichwein-Schule eine eigene Präzisionswaage zur Ermittlung der Gewichtskraft konstruiert. Die Georg-Büchner-Schule Stadtallendorf untersucht den Einfluss von Industrie und Landwirtschaft auf die Atmosphäre.
Interessante Proben reisten im Ballon des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums Gießen: Das Team möchte erforschen, ob die UV-Strahlung die Aktivität von Hefe verändert und ob Bitter Lemon in großer Höhe fluoresziert. Ein gemeinsames Team der Elisabethschule, des Gymnasium Philippinum und der Montessorischule Marburg untersucht biologische Proben und fragt, wie gut unterschiedliche Materialien vor Strahlung schützen. Die Goldbachschule Dillenburg-Frohnhausen fotografiert die Erdkrümmung und möchte ebenfalls wissen, wie Pflanzen und Mikroorganismen die Bedingungen überstehen.
Inzwischen sind die Forschungskapseln, die alle Teams live verfolgen konnten, wieder auf der Erde angekommen. Die der beiden Gießener Schulen landeten beim Truppenübungsplatz Wildflecken in der Rhön. Sie wurden von der Bundeswehr geborgen und übergeben.
Der Ballon aus Driedorf erreichte mit 41 Kilometern eine enorme Flughöhe. Die Kapsel aus Haiger landete bereits nach 95 Minuten, der Ballon aus Neu-Anspach schaffte es hingegen bis nach Bayern.
Nun warten die Teams gespannt darauf, welche Daten und Bilder ihre Experimente aus der Stratosphäre mitgebracht haben. Denn der Flug ist nur der erste Teil der Mission: Jetzt beginnt die wissenschaftliche Arbeit. Die Ergebnisse sollen im November bei einer gemeinsamen Veranstaltung vorgestellt werden. Erst dann ist die Mission wirklich abgeschlossen. Mehrere Teams wollen ihre Arbeiten zudem bei „Jugend forscht“ einreichen.
SkyMi zeigt, wie MINT-Bildung in Mittelhessen durch die praktische Herangehensweise motivieren kann: Schülerinnen und Schüler entwickeln eigene Ideen und übernehmen Verantwortung für ihre Forschung, während Hochschulen und weitere Partner ihr Wissen, Technik und Infrastruktur mit einbringen. Das Live-Tracking beispielsweise wurde durch eine Arbeitsgruppe der Justus-Liebig-Universität Gießen ermöglicht. Über muonpi.org lassen sich alle Flugrouten auch im Nachhinein nachvollziehen. Darüber hinaus war die Gruppe mit einem eigenen Experiment zur Messung der kosmischen Strahlung an Bord aller Ballons beteiligt.
Auch Hessens Kultusminister Armin Schwarz hob anlässlich der Starts die Bedeutung solcher praxisnahen Forschungsprojekte hervor: Eigenständiges Experimentieren, das Entwickeln von Forschungsfragen und das Arbeiten mit Technik ermöglichten Jugendlichen Erfahrungen, die weit über die Vermittlung von Unterrichtsinhalten hinausgingen.
* pm: Regionalmanagement Mittelhessen, Gießen