Einen Stadtspaziergang auf den Spuren jüdischen Lebens präsentiert der städtische Fachdienst Kultur. Mit dem neuen Faltblatt in der Hand können Einheimische und Gäste die 700-jährige Geschichte selbst erkunden.
„Das ist ein weiterer wichtiger Themenweg, der dazu einlädt, unsere Stadt neu zu entdecken und unter ungewöhnlichen Blickwinkeln zu betrachten“, erklärte Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach. „Gerade im Jubiläumsjahr 700 Jahre jüdisches Leben in Marburg war es uns wichtig, diesen Themenweg zu präsentieren“, erklärte Fachdienstleiter Dr. Richard Laufner.
Der Rundgang wurde von der Marburger Journalistin Gesa Coordes gemeinsam mit dem Fachdienst Kultur konzipiert. Er startet an der erst in den 90er Jahren entdeckten mittelalterlichen Synagoge am oberen Marktplatz, passiert die ehemalige jüdische Schule an der Lutherischen Pfarrkirche und folgt heute weitgehend unbekannten früheren Synagogenorten.
Als Beispiel für eines der sieben „Ghettohäuser“ Marburgs macht die Tour an der Untergasse 17 halt. Dort stand viele Jahre eine jüdische Metzgerei. Für einige Zeit wohnte hier auch der Vater der bekannten Dichterin Mascha Kaléko. Ab 1939 wurden Juden aus Marburg und Umgebung in dieses Haus zwangsweise eingewiesen.
Zu einer Pause lädt dann der „Garten des Gedenkens“ ein, wo einst die prächtige Synagoge im romanisch-byzantinischen Stil stand. Am 9. November 1938 wurde sie während der Reichspogromnacht in Brand gesteckt und zerstört.
Der Rasen zeichnet den ehemaligen Versammlungsraum der Synagoge nach. Im Sommer tauchen die an Jerusalem erinnernden roten Rosen den Garten in ein Blütenmeer. Mit zehn im Gras versenkten Zettelkästen nähern sich die Bürger der Stadt dem Ort, seinen Menschen und seiner Geschichte aus immer wieder neuen Blickwinkeln.
Den Abschluss des Stadtspaziergangs bildet die neue Synagoge an der Liebigstraße, die sich als offenes Gebetshaus für alle Völker versteht. Exkurse stellen jüdische Gelehrte an der Philipps-Universität sowie Amnon Orbach vor.
Er ist der älteste Vorsitzende einer jüdischen Gemeinde in Deutschland. Die Synagoge ist das Lebensprojekt des Israelis, der einst in die Universitätsstadt kam, weil er sich in eine Marburgerin verliebt hatte und heute Ehrenbürger der Stadt Marburg ist.
Das Flugblatt zum Stadtspaziergang „Jüdisches Marburg“ ist im Rathaus, im Stadtbüro und bei der Touristen-Information im Erwin-Piscator-Haus (EPH) erhältlich. Im Internet können Interessierte es herunterladen unter www.marburg.de/juden.
* pm: Stadt Marburg