Einfache Wege: Stadt informiert Japaner über Inklusion

Japanische Schüler befassen sich mit Inklusion in Marburg. Von einem digitalen Austausch zwischen Marburg und Tokyo berichtete die Stadt.
Wie gelingt Inklusion in Deutschland? Was macht die Stadt Marburg, um Barrieren abzubauen? Und welche Tipps kann Marburg geben?
Einen spannenden Austausch dazu hatten Vertreter der Stadt Marburg mit Oberschülern aus Japan. Das Sozialgefüge von Deutschland und Japan zu vergleichen, ist eine aktuelle Hausaufgabe japanischer Oberschülerinnen und Oberschüler. Die jungen Menschen stammen aus 24 verschiedenen japanischen Städten, die Gastgeberstädte für deutsche Paralympicssportler*innen sind.
Die Stadt Marburg hat ihnen bei den Hausaufgaben geholfen und mehrere Interviewpartner*innen organisiert. Bei einem digitalen Austausch per Videokonferenz haben sie viele Fragen beantwortet.
„Das gleichberechtigte Miteinander in Marburg und der Abbau von Barrieren jeglicher Art gehören zu unserem Selbstverständnis und unserem Sozialpolitischen Leitbild, das sich die Stadt gegeben hat“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Es freut mich sehr, dass unser guter Ruf im Bereich der Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen bis nach Tokyo reicht.“
Zur Barrierefreiheit und Inklusion hatten die Schülerinnen und Schüler dann auch viele Fragen beispielsweise zu konkreten Maßnahmen. So berichteten die jungen Japaner, dass das Bewusstsein der Menschen in Japan für eine barrierefreie Stadtentwicklung gering scheine, weil auf dem Blindenleitsystem beispielsweise immer wieder Fahrräder abgestellt würden. „Wie schafft es Marburg, dass verschiedene Akteure mitmachen, um Barrierefreiheit zu erreichen?“, fragten die Schüler*innen.
Die Antwort lautete, dass in Marburg schon seit vielen Jahren Menschen mit Behinderungen in den politischen Gremien vertreten sind. Sie sensibilisieren für das Thema und aktivieren zum Handeln.
Für Sensibilisierung und onkrete Umsetzungen sorge außerdem auch der Behindertenbeirat. So zahlt Marburg etwa Gebärdendolmetscher*innen für Gehörlose, wenn sie im Kontakt mit der Stadtverwaltung stehen. Und der Behindertenbeirat hat selbst in Lokalitäten mit ein oder zwei Stufen vor dem Eingang für kleine mobile Rampen geworben.
„Wir haben Interviewpartner*innen zur gelingenden Inklusion in Deutschland gesucht“, erklärte Sachio Howoldt von der Deutschen Botschaft in Tokyo. „Dabei wurde uns die erfolgreiche Arbeit in Marburg ans Herz gelegt.“
Nach dem Gespräch bedamkte er sich: „Es war eine große Bereicherung für uns alle, dass wir direkt von Ihnen Informationen und Erkenntnisse gewinnen konnten.“ Howoldt begleitet das Projekt, gemeinsam mit Deutsch-Studierenden der Keio-Universität in Tokyo.
Die Schüler*innen präsentieren ihre Ergebnisse zu gelingender Teilhabe aus den Gesprächen mit Marburg in den nächsten Tagen bei einem „Host Town Summit“ – unter anderem vor der deutschen Botschafterin und der Staatsministerin für Olympics und Paralympics. Initiiert wurde das Projekt vom japanischen Kabinettssekretariat und dem Zeitungsverlag Yomiuri.
Prof. Shinichi Sambe ist Germanistikprofessor an der Keio-Universität und Berater für das Projekt der Oberschüler*innen. Gemeinsam mit der Sozialplanerin Monique Meier von der Universitätsstadt Marburg hat er das digitale Treffen organisiert. Der Austausch wurde von einer Dolmetscherin unterstützt. Von Seiten der Stadt waren auch Kerstin Hühnlein von der Behindertenhilfe und der Geschäftsstelle des Behindertenbeirats, Peter Schmidt vom Fachbereich Soziales und Wohnen sowie Björn Backes vom Fachdienst Sport dabei.

* pm: Stadt Marburg

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