geld gekürzt: Stadt bestraft algerische Familie für gescheiterte Abschiebung

Von 165 Euro im Monat sollen Fatima A. und Tarek R. leben. Das hat die Stadt Marburg dem Ehepaar aus Algerien mitgeteilt.
Eigentlich sollte die – in Cappel untergekommene – vierköpfige Familie abgeschoben werden. Doch der Pilot hatte sich geweigert, die hochschwangere Frau mitzunehmen. Dabei stützte er sich auf ein ärztliches Attest, das ihr Flugunfähigkeit bescheinigte.
Nun soll das Ehepaar für die misslungene Abschiebung büßen. Vom Tag der gescheiterten Abschiebung an kürzt der städtische Fachdienst Migration und Flüchtlinge die Leistungen für das Ehepaar um 40 Prozent. Lediglich die 2 und 4 Jahre alten Töchter des Ehepaars sollen weiterhin den vollen Satz für Kinder erhalten.
Bei ihrer Entscheidung beruft sich die Stadt darauf, dass sie angeblich keinen Entscheidungsspielraum habe. Das Regierungspräsidium Gießen (RP) sei zuständig. Doch diese Behörde schiebt die Verantwortung für die Mittelkürzung in gleicher Manier wiederum nach Marburg ab.
Das ist ein schäbiges Stück Schmierentheater auf Kosten der Humanität. Waren am 7. September 2018 mehr als 7.500 Menschen in Marburg auf die Straße gegangen, um sich dergleichen von ihrer Stadtverwaltung bieten zu lassen.
Wenn Oberbürgermeister Dr. thomas Spies seine damalige Rede auf dem Marktplatz ernst meint, dann muss er alle Möglichkeiten nutzen, um die Familie dauerhaft in Marburg unterzubringen und angemessen zu ernähren. Versucht er das nicht, dann können Marburgs Bürgerinnen und Bürger seine beteuerungen künftig nicht mehr ernst nehmen. Humanität erweist sich schließlich nicht bei pathetischen Sonntagsreden, sondern als gelebte Haltung im Alltag.

* Franz-Josef Hanke

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