Novembenacht: Besinnungsstunde im Garten des Gedenkens

Eine Besinnungsstunde im „Garten des Gedenkens“ erinnert an die Opfer der Pogromnacht im November 1938. Diese Nacht war der Auftakt zur systematischen Ermordun von 6 Millionen Juden.
Der Magistrat der Stadt Marburg, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Jüdische Gemeinde Marburg laden für Montag (9. November) zu einer gemeinsamen Besinnungsstunde zum Gedenken der Opfer der Novemberpogrome von 1938 ein. Zudem gibt es rund um den Gedenktag ein kulturelles Erinnerungsprogramm in Marburg. Die Besinnungsstunde im „Garten des Gedenkens“ beginnt um 19 Uhr. Auch schon vorher können den ganzen Tag kleine Steine und Kerzen im „Garten des Gedenkens“ niedergelegt oder Kerzen aufgestellt werden. Nach jüdischem Brauch werden Steine statt Blumen niedergelegt und Kerzen als Erinnerung aufgestellt.
Zu den Rednerinnen und Rednern der Gedenkveranstaltung gehören Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies sowie eine Vertreterin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Zum Abschluss der Redebeiträge spricht ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde die Gebete „Kaddisch“ und „El male rachamim“.
Das alljährliche gemeinsame Gedenken ist ein fester Bestandteil der Marburger Erinnerungskultur. Es erinnert an die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, bewahrt die Erinnerung an die Opfer und setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und das Vergessen. Um den 9. November 1938 wurden im gesamten Deutschen Reich Synagogen, jüdische Einrichtungen sowie Geschäfte und Wohnungen jüdischer Menschen angegriffen, geplündert und zerstört. Menschen wurden misshandelt und ermordet, jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt.
Die Novemberpogrome waren eine weitere Eskalationsstufe der nationalsozialistischen Judenverfolgung und ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur systematischen Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden. Die Besinnungsstunde erinnert an diese Verbrechen und an die Menschen, die ihnen zum Opfer fielen. Zugleich mahnt sie dazu, Verantwortung für eine Gesellschaft zu übernehmen, in der jüdisches Leben sicher und selbstverständlich seinen Platz hat.
Die Zettelkästen werden in diesem Jahr von freien Kulturakteuren, Kulturinstitutionen und Künstler*innen gestaltet. Sie setzen sich bereits in den Wochen vor dem 9. November künstlerisch mit den Novemberpogromen und ihrer Bedeutung auseinander. Die Vielfalt der Beiträge eröffnet unterschiedliche Zugänge zu Erinnerung, Verfolgung und der Geschichte jüdischen Lebens. Sie lädt dazu ein, sich auf persönliche und ungewohnte Weise mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Die entstandenen Arbeiten werden im Rahmen der Besinnungsstunde in den Zettelkästen präsentiert.
Zudem lädt „ACTeasy“ für Freitag (6. November) ab 11 Uhr zu einem Walking Act ein. Es geht um die Sichtbarmachung der Wege zu diesem Gedenkort, um an die Vergangenheit zu erinnern, Verantwortung zu übernehmen und jetzt konsequent zu handeln. Die Routen beginnen jeweils am Marktplatz, am Kaffeekästchen am Grün sowie in der Engen Gasse.
Im Café Trauma wird der Dokumentarfilm „Die Feuerprobe – Novemberprogram 1938“ gezeigt. Der Eintritt ist frei, gezeigt werden die Filme am Donnerstag (5. November) Und am Dienstag (10. November) jeweils um 19 Uhr.
Xin Z., Maryam A. und „JPG“ haben sich in Form von politischer Kunst mit der NS-Zeit auseinandergesetzt. Die Arbeiten sind von Montag (9. November) bis Samstag (28. November) im Schaufenster der Galerie JPG in weidenhausen zu sehen. Der Arbeitskreis Landsynagoge Roth ist am Samstag (7. November) von 11 bis 14 Uhr mit einem Infostand auf dem Marburger Heumarkt anzutreffen. Dort erzählen die Mitglieder von der Biographie des Holocaust-Überlebenden Herbert Roth und informieren über die Tätigkeiten des Arbeitskreises.
Das Theater neben dem Turm (TNT) versucht den Spuren einzelner Menschen nachzugehen, die aus Marburg und dem Landkreis in Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurden. Diese Spuren will das TNT in „getippte Stolpersteine“ verwandeln. Aktionen gibt es am Samstag, 7. November, von 12 bis 15 Uhr am Bahnhofsvorplatz, am Sonntag, 8. November, von 9.30 bis 12 Uhr auf dem Vorplatz der Elisabethkirche und am Montag, 9. November, von 10 bis 13 Uhr in der Universitätsstraße gegenüber dem „Garten des Gedenkens“.
Anlässlich der Besinnungsstunde im „Garten des Gedenkens“ am Montag (9. November) wird der entsprechende Abschnitt der Universitätsstraße ab 18.45 Uhr bis zum Ende der Veranstaltung für den gesamten Fahrverkehr vollgesperrt. Der Verkehr aus Richtung Wilhelmsplatz wird über die Gutenbergstraße, Schulstraße und Am Grün umgeleitet. Aus Richtung Biegenstraße und Pilgrimstein erfolgt die Umleitung über die Weidenhäuser Brücke. Dem ortskundigem Verkehrwird empfohlen, die Sperrstelle großräumig zu umfahren.
Der Linienverkehr des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist ebenfalls von der Sperrung betroffen: Die Stadtbusse werden in Fahrtrichtung Norden – von der Innenstadt zum Hauptbahnhof – ab Wilhelmsplatz über die Schwanallee, Frankfurter Straße und „Am Grün“ zur Haltestelle „Rudolphsplatz“ beziehungsweise Erlenring umgeleitet. In Fahrtrichtung Süden – vom Hauptbahnhof zur Innenstadt –
erfolgt die Umleitung über Erlenring, B3, Gisselberger Straße und Schwanallee zur Haltestelle „Wilhelmsplatz“. Mit geringfügigen Verspätungen ist zu rechnen.

* pm: Stadt Marburg

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