50 Jahre TelefonSeelsorge Marburg werden am Samstag (10. Oktober) in der Elisabethkirche gefeiert. Der kirchliche Verein bietet Seelsorge per Telefon und Chat für Menschen in schwierigen Situationen.
Seit 50 Jahren gibt es in Marburg eine Telefonseelsorge. Das ist ein Angebot für Menschen, die einsam sind, Kummer haben und ein Gegenüber zu Reden brauchen. Die „TelefonSeelsorge Deutschland“ – ein eingetragenes Markenzeichen – feiert sogar schon ihr 70-jähriges Bestehen.
Rund 6.500 Anrufe nehmen die Mitarbeitenden allein in Marburg jedes Jahr entgegen. „Bedarf gäbe es sehr viel mehr“, sagte Doris Möser-Schmidt. Die Diplom-Psychologin und ehemalige Psychotherapeutin ist Vorsitzende des Vereins „TelefonSeelsorge Marburg“.
„Wir sind für Menschen da, die sich in schwierigen, einsamen oder belastenden Lebenssituationen befinden und ein offenes Ohr suchen.“ So lautet die Selbstbeschreibung der Marburger TelefonSeelsorge. Was „schwierige, einsame oder belastende Lebenssituationen“ alles sein können, das erleben die Mitarbeitenden jeden Tag aufs Neue. „Das ist alles von alltäglichen Sorgen, die andere vielleicht mit einem Freund oder einer Nachbarin besprechen bis hin zu Suizidgedanken“, erklärte Möser-Schmidt.
45 Menschen arbeiten derzeit im Team der TelefonSeelsorge. Alle haben eine umfangreiche Schulung absolviert. Sie umfasst 120 Stunden Theorie und 30 Stunden Praxis.
Auch Menschen, die zum Beispiel aus einem therapeutischen Beruf kommen, müssen diese Schulung mitmachen. „Wir bieten keine Therapie, kein Coaching; das ist ein seelsorgerliches Angebot“, stellte Möser-Schmidt klar.
Es ist ein Angebot, das lange Jahre ein „Nischenprodukt“ gewesen sei. Und dann kam Corona. „Seitdem ist die Nachfrage explodiert.“
Mit einer größeren Anzahl an Mitarbeitenden könnte man in Marburg rund ein Drittel mehr Anrufe bewältigen, schätzt die ehemalige Therapeutin. Der Bedarf übersteige die Möglichkeiten des Angebots bei weitem. Auch wenn man mit vier anderen Stellen zusammengeschaltet sei, müssen Menschen manchmal mehrmals anrufen.
Rund um die Uhr ist jemand ansprechbar, egal ob es spät in der Nacht ist, ein Feiertag, das Wochenende. „Wir leisten hier inzwischen eine psychosoziale Grundversorgung“, sagte Möser- Schmidt.
1,2 Millionen Anrufe zählt die TelefonSeelsorge in Deutschland pro Jahr. Und immer mehr Menschen haben Sorgen. „Es ist unglaublich, welchen Vertrauensvorschuss wir haben, wenn Menschen uns anrufen“, berichtete die Diplom-Psychologin.
Oft gehe es darum, dem Anrufenden einfach in Ruhe zuzuhören und vielleicht schon im Gespräch eine Perspektive zu finden. Oder auch an andere Beratungsstellen und Hilfsangebote zu verweisen. Seit 2023 bieten die Marburger auch Seelsorgegespräche per Chat an. Die Ehrenamtlichen, die diese Aufgabe übernehmen, werden indes mit Supervision begleitet und seien auch untereinander eine „eingeschworene Gemeinschaft“, erläuterte Möser-Schmidt.
Finanziert wird die TelefonSeelsorge Marburg zum großen Teil von der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck und vom Bistum Fulda. Aber sie ist auch auf Spenden angewiesen. Dekan Dr. Burkhard von Dörnberg vom evangelischen Kirchenkreis Marburg sagt: „Die Ehrenamtlichen machen mit offenen Ohren Gottes Nähe hörbar. Seit 50 Jahren gilt bei der Marburger Telefonseelsorge wortwörtlich: „Ruf mich an in der Not“, wie es der Psalm 50 formuliert.“
Das 50-jährige Jubiläum wird am Samstag (10. Oktober) in der Elisabethkirche gefeiert. Um 18 Uhr findet zunächst ein Festgottesdienst statt, danach ein Konzert mit Pfarrer und Liedermacher Thorsten Waap aus Fulda. Im Anschluss gibt es einen Empfang.
Wer Interesse hat, das Team der TelefonSeelsorge Marburg zu verstärken, kann sich an Doris Möser-Schmidt per Mail an marburg.telefonseelsorge@ekkw.de wenden. Eine neue Schulung, die sich über ein Jahr erstreckt, beginnt im Herbst 2027. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage unter www.telefonseelsorge-marburg.de.
* pm: Evangelischer Kirchenkreis Marburg