„FLASH“ macht Ideen an der Philipps-Universität sichtbar. 93 Einreichungen aus 14 Fachbereichen sollen Arbeit und Alltag erleichtern.
„FLASH“ ist das neue Ideenformat der Philipps-Universität Marburg: Es spürt gute Einfälle, kreative Gedanken und alltägliche Ärgernisse auf, macht sie sichtbar und bringt die besten auf den Weg. Mit 93 Einreichungen aus 14 der 16 Fachbereiche ist die erste Runde deutlich breiter gestartet als erwartet, stellte Holger Sommerlad fest. Er ist Teamcoach und Scout bei der Gründungs-
und Talentschmiede MAFEX der Uni. Seit Anfang September stellt MAFEX täglich einen von zehn ausgewählten Beiträgen auf Instagram (@mafexmarburg) vor. Am Montag (14. September) wird die Gewinneridee bekannt gegeben.
„FLASH“ setzt bewusst früh an. Für eine Teilnahme braucht es weder Businessplan noch Team oder ausgearbeitetes Konzept. Ein kurzes Online-Formular und wenige Sätze genügen.
Gesucht werden Beobachtungen aus Studium, Forschung und Alltag. Was funktioniert nicht gut? Was könnte einfacher gelöst werden? „Mitmachen können Angehörige der Philipps-Universität aus allen Fachbereichen und der Verwaltung“, erläuterte Sommerlad. Pro Runde wird eine Idee mit 500 Euro ausgezeichnet.
Damit adressiert „FLASH“ eine Phase, die noch vor der klassischen Gründungsberatung liegt. Bevor über Geschäftsmodelle, Finanzierung oder Teamaufbau gesprochen werden kann, muss ein erster Gedanke überhaupt erst ausgesprochen werden. Solche Gedanken entstehen überall an einer Universität, im Labor, im Seminar oder beim Mittagessen.
Doch viele kommen nie über diesen Moment hinaus, weil sich zu früh der innere Kritiker meldet: Ist das überhaupt eine gute Idee? Ist sie schon weit genug? Hat das nicht längst jemand erfunden?
„FLASH senkt die Schwelle, einen solchen Gedanken trotzdem zu teilen“, erklärte Sommerlad. Denn sobald eine Idee sichtbar wird, kann sie Resonanz erzeugen und den ersten Impuls geben, sie weiterzuverfolgen.
Wie breit die Resonanz ausfällt, zeigt der Blick auf die Einreichenden der ersten Runde. Beteiligt haben sich Studierende, Promovierende, wissenschaftliche Mitarbeitende und Beschäftigte aus der Verwaltung. Die Spannweite der Einreichungen zeigt sich an drei Beispielen.
Eine Idee will freie Lernplätze in der Uni-App anzeigen – und nutzt dafür nicht neue Sensoren, sondern die WLAN-Daten, die ohnehin anfallen. Eine andere will Menschen, die jemanden zum Reden suchen, anonym mit Freiwilligen zusammenbringen, die zuhören. Und aus der Transfusionsmedizin kam der Vorschlag, einen bislang manuell durchgeführten Schritt bei der Befundung teilweise zu automatisieren.
Aus den 93 Einreichungen wählte eine fünfköpfige Jury aus dem MAFEX-Team zehn Ideen für die öffentliche Vorstellung aus. Entscheidend waren ein erkennbares Problem, das Potenzial zur Weiterentwicklung und die Frage, ob eine Idee andere zum Mitdenken anregt, nicht der Ausarbeitungsgrad.
„FLASH“ ergänzt den etablierten Marburger Ideenwettbewerb, der alle zwei Jahre stattfindet – das nächste Mal im Herbst 2027 – und sich an weiterentwickelte Gründungskonzepte richtet. „FLASH“ setzt eine Stufe früher an und findet vierteljährlich statt. „Wer aus einem Gedanken mehr machen möchte, kann anschließend die Gründungsberatung und Vernetzungsformate des MAFEX nutzen“, sagte Sommerlad.
Das Angebot zum Weiterdenken richtet sich an alle Einreichenden, nicht nur an die zehn ausgewählten. Zugleich versteht MAFEX die erste Runde als Hinweis darauf, welche Themen Menschen an der Universität beschäftigen. Wo sich ähnliche Fragestellungen häufen, prüft MAFEX, welche Formate Interessierte ins Gespräch bringen könnten.
Jedoch muss nicht jede gute Idee zu einer Gründung führen, und nicht jede Gründung muss allein wirtschaftlichen Zielen folgen. MAFEX unterstützt auch Ideen mit gesellschaftlicher Wirkung. Der nächste Schritt kann ein Beratungsangebot sein, ein gemeinsames Projekt oder einfach ein Tisch, an dem die richtigen Menschen zusammenkommen.
Die nächste „FLASH“-Runde läuft bereits. Neue Einreichungen sind bis Dienstag (17. November) möglich. Das Online-Formular steht unter uni-marburg.de/lv0WZY bereit.
* pm: Philipps-Universität Marburg