Der Kreis lässt Bäume wachsen. Für eine finanzielle Förderung innerörtlicher Baumpflanzungen können Interessierte Anträge bei der Naturschutzbehörde des Kreises einreichen.
Bäume prägen nicht nur Wälder und freie Landschaften. Sie übernehmen auch innerörtlich – also in Städten und Dörfern – wichtige Funktionen für Mensch und Natur. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Marburg-Biedenkopf fördert daher auch die innerörtliche Pflanzung von Bäumen. Nicht nur für die Artenvielfalt und Kultur spielen Bäume eine wichtige Rolle, sondern beispielsweise auch als Schattenspender im Sommer. Förderanträge für Pflanzungen sowie der dazugehörige Leitfaden können per E-Mail an Naturschutz@Marburg-Biedenkopf.de angefragt werden.
„Die vergangene Hitzewelle in Deutschland hat noch mal gezeigt, wie wichtig Schattenplätze sind“, betonte Landrat Jens Womelsdorf. „In Zeiten zunehmender Sommerhitze leisten Bäume einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung des innerörtlichen Klimas. Die Förderung von Baumpflanzungen ist daher auch ein Beitrag zum Engagement des Kreises für Natur- und Klimaschutz sowie Klima-Anpassung.“
Nicht nur im Außenbereich kann die Untere Naturschutzbehörde Pflanzprojekte mit heimischen Laubbäumen finanziell unterstützen. Auch zur Schaffung innerstädtischer Grünstrukturen können beispielsweise Dorfverschönerungsvereine oder auch kommunale Akteurinnen und Akteure wie beispielsweise Städte und Gemeinden eine Förderung für Baumpflanzungen erhalten. Voraussetzungen sind, dass entsprechende Konzepte vorliegen, der Erhalt der Bäume gesichert werden kann und keine weiteren gesetzlichen Verpflichtungen zur Anpflanzung bestehen.
Die Fördermittel stammen aus dem sogenannten „naturschutzrechtlichen Ersatzgeld“. Dieses Geld wird beispielsweise fällig, wenn bei Bauvorhaben im Außenbereich Eingriffe in Natur und Landschaft nicht durch Naturschutz-Maßnahmen oder ein Ökokonto ausgeglichen werden können. Das Ersatzgeld wird von der Naturschutzbehörde des Kreises verwaltet und ausgezahlt.
„Bäume spenden Schatten, filtern Schadstoffe, binden Kohlendioxid und sorgen durch Verdunstung für Abkühlung“, erklärte Katharina Franziska Hof von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. „Besonders an heißen Tagen sind Bäume für viele Menschen daher eine willkommene Zuflucht.“
Dabei gelte es aber auch zu bedenken: Alte Bäume seien wegen ihrer Größe und Blattmasse besonders leistungsfähig und können durch junge Nachpflanzungen nur langfristig ersetzt werden. „Deshalb ist es wichtig, alte Bäume zu erhalten und mit der Pflanzung neuer Bäume einen Beitrag für die Zukunft zu leisten“, machte Landrat Womelsdorf deutlich.
„Heimische Laubbäume sind auch ein zentraler Bestandteil innerörtlicher Ökosysteme. Sie bieten zahlreichen Tieren Schutz und Nahrung – vom Nestplatz für Vögel und Kleinsäuger wie Eichhörnchen und Fledermäuse bis hin zu versteckten Lebensräumen für Insekten. Wildbienen, Prachtkäfer oder auch bestimmte Wespenarten sind auf Baumstrukturen angewiesen – teils auf Blüten, Blätter oder die Rinde. Auch unter der Rinde finden viele Käferarten ein Zuhause, ohne dabei grundsätzlich dem Baum zu schaden. So tragen Bäume selbst im dicht bebauten Raum zur Artenvielfalt bei und bilden wertvolle Lebensraum-Inseln“, sagt Hof.
Auch als Kulturgut erfüllen Bäume eine wichtige Funktion, erläutert die Biologin. „Bäume im Ortsbereich sind mehr als nur gestalterische Elemente. Sie sind lebendige Zeugnisse historischer und gesellschaftlicher Entwicklungen.
So wurden früher beispielsweise Linden auf zentralen Plätzen gepflanzt, um Orte der Begegnung, des Austauschs oder der Rechtsprechung zu markieren. Während Tanzlinden Dreh- und Angelpunkte von Feierlichkeiten waren, stellte die sogenannte Gerichtslinde über Jahrhunderte hinweg ein Sinnbild für Gerechtigkeit und Gnade dar. „Noch heute sind solche markanten Bäume in Orten wie Wetter-Amönau oder Kirchhain-Himmelsberg erhalten“, erläuterte Hof.
Da der Herbst die beste Pflanzzeit ist, sei jetzt ein guter Zeitpunkt, Konzepte zur Anpflanzung in Ortslagen aufzustellen, erklärte Hof. Dazu sollten Interessierte mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Kontakt aufnehmen, um das Konzept vorher abzustimmen. Das geht per E-Mail an Naturschutz@Marburg-Biedenkopf.de. Darüber lässt sich auch das notwendige Förderformular anfragen.
Eine vorherige Rücksprache sei wichtig, um ein Konzept, die Eignung des Standorts, der Anpflanzung(en) und die Förderfähigkeit abzustimmen. Gerne berate die Naturschutzbehörde auch im Vorfeld dabei, ein solches Konzept zu erarbeiten. „Wichtig ist, dass die Beantragung der Mittel im Vorfeld erfolgt, da keine nachträgliche Förderung möglich ist“, betonte Hof. Die konkrete Höhe des Förderbetrags sei wiederum vom Umfang der jeweiligen Maßnahme abhängig.
* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf