Der Leiter der Stadtbücherei geht in den Ruhestand. Die Ära Jürgen Hölzer endet aber noch nicht ganz.
Die Stadtbücherei trägt seine Handschrift: Jürgen Hölzer hat die Entwicklung der kulturellen und sozialen Institution der Stadt Marburg 36 Jahre lang begleitet und maßgeblich geprägt. Nun hat sich der Bibliotheksleiter in den Ruhestand verabschiedet. Dem Team bleibt er aber noch bis Jahresende mit reduzierter Stundenzahl und ohne Leitungsfunktion erhalten.
„Der Abschied erfüllt mich mit Dankbarkeit“, sagte Hölzer. Der Zeitpunkt fühle sich für ihn beruflich und privat richtig an, seine Aufgaben als Leiter der Stadtbücherei abzugeben. Zu seiner Abschiedsfeier waren neben seinem Team zahlreiche Kolleg*innen aus dem Bibliothekswesen und städtischen Fachdiensten gekommen.
Gemeinsam blickten sie auf die vergangenen 36 Jahre zurück. Seit 1990 war Hölzer Leiter der Stadtbücherei Marburg. Als er sein Amt antrat, gehörte dazu auch die Leitung der „Deutsch-amerikanischen Bibliothek“, die gerade mit der Stadtbücherei in das modernisierte „Amerika-Haus“ eingezogen war. Das Gebäude am jetzigen Standort in der Ketzerbach nahe der Elisabethkirche trug damals noch die Bezeichnung „J.F. Kennedy-Haus“. Seitdem haben die Institution und die Menschen, die in der Stadtbücherei arbeiten, viele Veränderungen durchlaufen.
„Die Bibliothek trägt Ihre Handschrift; Sie haben sie zu dem gemacht, was sie heute ist: ein zeitgemäßer, attraktiver Ort“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Er überbrachte den Dank des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung an den langjährigen Bibliotheksleiter. „Mit konsequenter und nachdrücklicher Art haben Sie dafür gesorgt, dass die Stadtbücherei gut organisiert, sortiert und für alle Menschen zugänglich ist – und so allen das „Abenteuer Lesen“ nahebringt.“
Hölzers Kollegin und Stellvertreterin Cornelia Wiegand bestätigte das: „Sie haben viel bewegt – fachlich, menschlich und mit großem Engagement. Und Sie haben den Fachdienst mit Kompetenz, Ruhe und Weitblick geleitet und unterstützt.“
1984 hatte Hölzer sein Studium im Bibliothekswesen in Stuttgart abgeschlossen und war danach zunächst in einer Bibliothek in Kassel tätig. 1990 trat er dann die Stelle als Bibliotheksleitung in Marburg an. „36 Jahre: Das ist keine Amtszeit, sondern ein literarisches Epos“, fasste Stadträtin Kirsten Dinnebier die Dauer von Hölzers Tätigkeiten als Leiter der Marburger Stadtbücherei zusammen. Neben ihr hoben auch die anderen Redner*innen sein Engagement und Herzblut sowie seine Verlässlichkeit und Ruhe in all den Jahren hervor. Die Abschiedsfeier begleitete Hölzer selbst musikalisch auf der E-Gitarre –
und spielte neben Rory Gallaghers „Easy come, easy go“ und Herbert Grönemeyers „Zum Meer“ jazzig-bluesige und norwegische Klänge sowie melodiösen Hard Rock. Und obwohl Hölzer im Rocksong der Michael Schenker Group „There’s no return“ – deutsche Übersetzung „Es gibt kein Zurück“ –
singen ließ, ist er noch nicht ganz weg. Das Team hat noch etwas Zeit, sich an die veränderte Situation zu gewöhnen: So unterstützt Hölzer seine Kolleg* innen weiterhin bis Ende 2026 an drei Tagen pro Woche für einige Stunden bei den Aufgaben. „Ein echter Bibliotheksmensch geht nicht einfach – es ist eine Verabschiedung auf Raten“, fasste Dinnebier zusammen.
Auch Hölzer selbst hat somit die Möglichkeit, sich langsam auf den Ruhestand vorzubereiten. Selbst danach wird die Stadtbücherei noch weiterhin bei ihm sein – unter anderem als Miniatur-Anfertigung, die ihm seine Kolleg*innen als Abschiedsgeschenk übergaben. Doch trotz der vielen guten Erinnerungen freut sich Hölzer auch auf das, was kommt, und lächelte bei den Worten von Michaela Hjara vom Personalrat: „Es wartet ein neues, ungelesenes Buch auf Sie.“
* pm: Stadt Marburg