Im Juli treffen Spiel, Wissen und Kultur im Landgrafenschloss aufeinander. Mit dem „Rösselsprung“ kann man sich dort bei den „Schlossbegegnungen“ durch die Welt des Spiels begeben.
Schach verbindet Menschen weltweit – unabhängig von Sprache, Herkunft oder körperlichen Einschränkungen. Aus Asien gelangte es nach Europa und fasziniert bis heute Spielerinnen und Spieler aller Generationen. Im Mittelalter spiegelten die Figuren gesellschaftliche Strukturen wider. Die Dame erhielt im 15. Jahrhundert ihre heutige Stärke als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen.
An Höfen und in Klöstern trainierte man strategisches Denken, Planung und Klugheit. Schach hatte auch politische Bedeutung: In der Sowjetunion diente das Brett als Bühne ideologischer Auseinandersetzungen; Weltmeistertitel wurden als Symbol nationaler Überlegenheit interpretiert.
Die Philipps-Universität Marburg lädt ein, Schach und Rätsel in all diesen Facetten zu entdecken. Der „Rösselsprung“ – der besondere Zug des Springers auf dem Schachbrett – steht dabei sinnbildlich für die Idee der Veranstaltungen: Neue Wege denken, Zusammenhänge entdecken und aus ungewohnten Perspektiven auf Wissen und Kultur blicken. Der Eintritt für alle Veranstaltungen im Juli ist frei.
Den Auftakt macht der Vortrag „Sowjetisches Schachfieber – Schach zwischen Massensport und Propaganda im Arbeiter- und Bauernstaat“ am Samstag (4. Juli) um 19 Uhr. Referent Thomas Henrich vom Schachklub Marburg zeichnet nach, wie das Schachspiel in der Sowjetunion zu einem gesellschaftlichen Massenphänomen wurde. Anhand von Filmausschnitten wird deutlich, welche Rolle Schach für Bildung, Freizeitgestaltung und politische Selbstdarstellung spielte und weshalb sowjetische Spieler über Jahrzehnte die internationale Schachwelt dominierten.
Wer über Schach nicht nur etwas hören, sondern selbst spielen möchte, kann sich beim Schach-Simultanspiel am Sonntag (5. Juli) ab 11 Uhr mit Thomas Henrich messen. Dabei tritt er gleichzeitig an 16 Brettern gegen seine Gegner*innen an. Das ist eine seltene Gelegenheit, die Faszination des Spiels unmittelbar zu erleben. Wer mitspielen möchte: Anmeldung über schlossbegegnungen@uni-marburg.de; wer zuschauen möchte, benötigt keine Anmeldung.
Einen anderen Zugang eröffnet der Vortrag „Emanuel Lasker – Schach, Philosophie, Wissenschaft“. Der Historiker Prof. Dr. Ulrich Sieg widmet sich am Montag (7. Juli) um 19 Uhr dem einzigen deutschen Schachweltmeister, der nicht nur als herausragender Spieler, sondern auch als Mathematiker, Philosoph und Publizist wirkte. Dieser Vortrag aus der Formatreihe „Schlossfolgerungen“ wird durch ein neues Format eingeleitet: Es nennt sich „Schlossgarn – Erzählgespräche“.
30 Minuten vor Beginn der „Schlossfolgerungen“ wird ein phantasievoller Kontrapunkt mit (beinahe) improvisierten Geschichten gesetzt. Das geschieht gemeinsam durch den professionellen Erzähler und Autor Florian Schwebel und das Publikum. Auf dem Schachbrett kann man nicht nur an Schachaufgaben rätseln, auch manche mathematischen Probleme lassen sich da erforschen. Im Workshop „Mathematik und Schach“ von Prof. Dr. Sönke Rollenske hat am Sonntag (12. Juli) um 11 Uhr jeder die Gelegenheit, allein oder in kleinen Gruppen, anhand mehrerer Stationen auf dem Schachbrett (und im Kopf) zu knobeln, ganz nach eigenem Geschmack mit mehr oder weniger Schachbezug oder mit mehr oder weniger Mathematik. Ein Laufzettel führt anhand mehrerer Stationen durch alle Schwierigkeitsstufen.
Eine weitere „Schlossbegegnung“ gibt es am Dienstag (14. Juli) unter dem Titel „Aufgeschlossen – Wissenswertes aus der Werkstatt“. Das Thema ist „Beleidigen und Ausweichen mit dem römischen Dichter Martial – aber bitte nach Spielregeln“. Dabei handelt es sich um einen Vortrag von Paula Viehl
Am Sonntag (26. Juli) gibt es wieder „Schlosszauber“. Diesmal heißt es „Mach deinen eigenen Schild – Was bedeuten die Symbole? (Basteln für Kinder ab 6 Jahre“ Die Anmeldung erfolgt per Mail an schlossbegegnungen@uni-marburg.de.
Die „Schlossbegegnungen“ laden dazu ein, Perspektivwechsel zu erfahren: Wie ist es, wenn die linke Hand den Ton angibt? Wie ist es, wenn man als Laie in die Rolle von Wissenschaftler*innen schlüpft? Wer sich auf andere Sichtweisen einlässt, erkennt neue Verbindungen, entdeckt Lösungen und versteht die Welt umfassender.
Mit der Reihe „Schlossbegegnungen“ öffnet Philipps-Universität das Landgrafenschloss gezielt als Ort des Austauschs und lädt Stadtgesellschaft und Gäste dazu ein, Wissenschaft und Kultur in neuen Formaten zu erleben –
anschaulich, dialogisch und überraschend vielseitig. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Universität organisiert das Programm und spannt damit den Bogen zwischen Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlichem Dialog. Das Marburger Wahrzeichen wird damit zu einem attraktiven, zeitgemäßen und zukunftsoffenen Museums-, Erlebnis-, Veranstaltungs-, und Bildungsort.
Jeder Monat steht unter einem anderen thematischen Schwerpunkt. Die Veranstaltungen laden dazu ein, sich für Neues zu öffnen, mit anderen in Kontakt zu treten, voneinander zu lernen und vieles gemeinsam zu erleben. Für Anmeldung und Kontakt steht die E-Mail-Adresse schlossbegegnungen@uni-marburg.de zur Verfügung. Eine Programmvorschau ist abrufbar unter www.uni-marburg.de/schlossbegegnungen.
* pm: Philipps-Universität Marburg