Anstehende Behandlungen: Blutwert weist auf Handlungsbedarf hin

Marburger Forschende haben ein Frühwarnsignal im Blut entdeckt. Ein einfacher Blutwert weist auf erhöhten Behandlungsbedarf bei Lungenentzündung hin.
Eine Lungenentzündung zählt trotz guter Behandlungsmöglichkeiten weiterhin zu den häufigsten infektionsbedingten Todesursachen. Marburger Forschende haben nun einen Weg gefunden, früher vorherzusagen, welche Patientinnen und Patienten ein höheres Risiko für eine Behandlung auf der Intensivstation haben oder länger im Krankenhaus bleiben werden. Das Forschungsteam um Dr. Barbara Weckler und Prof. Dr. Bernd Schmeck vom Institut für Lungenforschung der Philipps-Universität hat einen bereits routinemäßig bestimmten Blutwert identifiziert, der dabei helfen könnte. Ihr Studienergebnisse veröffentlichen die Forschenden in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „CHEST“ als einer der international führenden Fachzeitschriften für Lungenerkrankungen.
Im Fokus der Untersuchung stehen die sogenannten „Eosinophilen“. Das ist eine spezialisierte „Eingreiftruppe“ der Immunabwehr, die im Blut zirkuliert. Die Marburger Studie zeigt: Die Zahl dieser Zellen ist ein entscheidender Wegweiser für den Krankheitsverlauf.
Die Mediziner*innen vom Institut für Lungenforschung der Philipps-Universität Marburg untersuchten gemeinsam mit weiteren Teams der Universitätsmedizin Marburg sowie des Deutschen Zentrums für Lungenforschung die Bedeutung der Eosinophilenzahl im Blut von Patient*innen mit einer außerhalb des Krankenhauses erworbenen Lungenentzündung. Für die Studie werteten die Forschenden die Daten von 2.880 erwachsenen Patient*innen im Altern von 56 bis 78 Jahren aus, die im Rahmen des „CAPNETZ“-Netzwerks in deutschen Universitätskliniken behandelt wurden. Für die Analyse des Zusammenhangs zwischen Eosinophilenzahl und Behandlungsbedarf standen vollständige Datensätze von 1.673 Patient*innen zur Verfügung. Mit Hilfe statistischer Modelle untersuchten die Forschenden den Zusammenhang zwischen der Eosinophilenzahl bei Krankenhausaufnahme und dem Bedarf an intensivmedizinischer Behandlung, künstlicher Beatmung sowie der Dauer des Krankenhausaufenthalts.
Die Auswertung ergab: Patientinnen und Patienten mit höchstens zehn Eosinophilen pro Mikroliter Blut mussten deutlich häufiger auf einer Intensivstation behandelt werden als Patient*innen mit höheren Werten. Der Unterschied lag bei 14,2 gegenüber 8,5 Prozent. Zudem benötigten sie öfter eine künstliche Beatmung und blieben im Durchschnitt länger im Krankenhaus. Ihre Verweildauer lag bei 10,2 gegenüber 9,0 Tagen.
Der große Vorteil dieser Entdeckung ist: Es ist keine zusätzliche Untersuchung nötig. „Da dieser Wert bei jedem Patienten, der mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kommt, im Rahmen des Standard-Blutbildes sowieso gemessen wird, liegt die Information bereits vor“, erklärte Weckler. Für die Betroffenen bedeutet das: Keine zusätzliche Nadel und kein Warten auf Speziallabore!
„Die Eosinophilenzahl im Blut kann ohne zusätzlichen Aufwand helfen, bereits bei der Aufnahme abzuschätzen, welche Patient*innen voraussichtlich einen höheren Behandlungsbedarf im Krankenhaus haben“, sagte Weckler. „Nun könnten Überwachung und Therapie von Patient*innen sowie der Einsatz von Krankenhausressourcen frühzeitig gezielter geplant werden.“
Nach Ansicht der Forschenden könnte die Eosinophilenzahl bestehende klinische Bewertungssysteme sinnvoll ergänzen. Weitere Studien sollen nun prüfen, wie sich der Marker in klinische Entscheidungsprozesse integrieren lässt und welche biologischen Mechanismen dem Zusammenhang zugrunde liegen.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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