Demokratie stärken: 4. Aktionsplan der Stadt zur EU-Charta

Mit ihrem 4. Aktionsplan zur EU-Charta stärkt die Stadt Marburg die Gleichberechtigung. Er tritt für Demokratie und gegen Diskriminierung ein.
Mit konkreten Projekten aus dem Alltag stärkt die Universitätsstadt Marburg Gleichberechtigung: Eine neue Stärkungsgruppe für Frauen mit kleinen Renten, barrierefreie Schutzunterkünfte bei Gewalt oder bessere Beratung für queere Jugendliche -das sind nur einige der 31 Beispiele aus dem 4. Marburger Aktionsplan zur EU-Charta, der bis Ende 2028 umgesetzt werden soll. Das Ziel dieses Aktionsplans ist, bestehende Ungleichheiten sichtbar zu machen und gezielt abzubauen.
„Gleichberechtigung entscheidet sich im Alltag: daran, ob Menschen mitreden können, ob sie gesehen werden, ob Barrieren abgebaut werden und ob Unterstützung auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird“, erklärte Bürgermeisterin Nadine Bernshausen. Durch den Aktionsplan werde sichtbar, wo es noch Ungleichheiten gibt. Frauen mit kleinen Renten sind Bernshausen zufolge häufig von Altersarmut betroffen. Mit der neuen Gruppe „Ermutigung 55+“ und einem Unterstützungsfonds würden sie konkret gestärkt und finanziell entlastet.
Die Stadt Marburg hat das Konzept gemeinsam mit freien Trägern und weiteren Akteur*innen aus der Stadtgesellschaft erarbeitet und wird es nun gemeinsam schrittweise umsetzen. „Wir knüpfen an die Erfolge der ersten drei Aktionspläne an“, betonte Dr. Christine Amend-Wegmann, die das städtische Referat für Gleichberechtigung, Vielfalt und Antidiskriminierung leitet. „Gemeinsam mit einem breiten Netzwerk werden wir uns weiterhin für Respekt, Vielfalt und die Menschenrechte aller Menschen in unserer Stadt einsetzen.“
Insgesamt umfasst der 4. Aktionsplan 31 Maßnahmen aus 8 Schwerpunktbereichen. Dazu zählen unter anderem Projekte für besondere Personengruppen: Queere Jugendliche erleben in der Jugendhilfe oft Unsicherheiten oder fehlende Unterstützung. Ein neues Schulungskonzept sorgt dafür, dass Fachkräfte sie kompetent begleiten können.
Menschen mit Lernschwierigkeiten haben oft eingeschränkten Zugang zu Informationen über Sexualität und Verhütung. Angebote in einfacher Sprache schaffen hier Abhilfe. Fehlende barrierefreie Schutzräume erschweren es Betroffenen, Hilfe bei Gewalt zu finden. Eine neue Schutzunterkunft in Marburg soll genau diese Lücke schließen.
Klimaschutz erreicht nicht alle gleichermaßen. Durch gezielte Ansprache und Ausbildung – etwa bei der ehrenamtlichen – Solarberatung, sollen mehr Frauen, queere Menschen und Personen mit Migrationsgeschichte eingebunden werden.
„Diese Beispiele verdeutlichen: Gleichberechtigung ist keine abstrakte Idee, sondern betrifft ganz konkrete Lebenssituationen, sagte die Bürgermeisterin. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf politischer Beteiligung. Frauen –
insbesondere mit Flucht- oder Migrationsgeschichte – sollen gezielt gestärkt und vernetzt werden. Informationsangebote machen Kommunalpolitik verständlicher und zugänglicher.
Auch der Umgang mit Antifeminismus ist Thema des Aktionsplans. Kampagnen und Bildungsangebote sollen darüber aufklären und Menschen dazu ermutigen, sich für Gleichberechtigung und gegen rechtsextreme Ideologien einzusetzen.
Dem gestiegenen gesellschaftlichen Bewusstsein für geschlechtliche Vielfalt und den sichtbareren Lebensrealitäten queerer Menschen trägt der Aktionsplan im Schwerpunkt „Queer Leben in Marburg“ Rechnung. Die darin enthaltenen Maßnahmen haben Akteur*innen aus der queeren Community entwickelt und setzen diese um. Ein wichtiges Anliegen ist es zum Beispiel, die Toilettensituation für trans*, inter und nicht-binäre Personen in Marburg zu verbessern. Weitere Schwerpunkte des Aktionsplans sind: Prävention von Altersarmut, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung, Klimaschutz unter Geschlechterperspektive sowie Wohnen und Stadtentwicklung.
„Ungleichheit und Diskriminierung zeigen sich in verschiedenen Lebensbereichen“, betonte die Referentin Laura Griese. „Häufig spielen neben dem Geschlecht oder der Geschlechtsidentität auch andere Merkmale eine Rolle wie Alter, Herkunft, Behinderung, sexuelle Orientierung oder Religion. Die Themen im vierten Aktionsplan machen deutlich, in wie vielen Lebensbereichen Menschen immer noch Ungleichheit und Diskriminierung erfahren und dass wir diese Themen am besten gemeinsam angehen.“ Weitere Informationen zum Vierten Aktionsplan EU-Charta finden sich unter www.marburg.de/eu-charta.

* pm: Stadt Marburg

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