Ulrike Schönhagen, Dr. Andreas Thiedmann unddie Projektgruppe „Heimat auf der Haut“ erhalten den Otto-Ubbelohde-Preis. Überreicht wird die Auszeichnung im September 2026.
Die Kunstvermittlerin Ulrike Schönhagen aus Marburg, der Archäologe Dr. Andreas Thiedmann aus Fronhausen und die Projektgruppe „Heimat auf der Haut“ aus Emsdorf erhalten in diesem Jahr den Otto-Ubbelohde-Preis des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Das hat der Kreisausschuss auf Vorschlag der Jury in seiner Sitzung am Dienstag (23. Juni) 2026 bestätigt. Der höchste und begehrte Kulturpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert.
„Ich gratuliere allen diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträgern zur Auszeichnung mit dem höchsten Kulturpreis des Landkreises“, sagte Landrat Jens Womelsdorf nach der Sitzung des Kreisausschusses. „Sie haben sich gegen sehr starke Konkurrenz bei insgesamt 54 Bewerbungen durchgesetzt.“ Die Preise werden im Rahmen einer Feierstunde im September offiziell verliehen.
Auch nach 40 Jahren sei die Qualität der eingereichten Vorschläge und Bewerbungen ausgesprochen hoch. Die Jury habe sich intensiv mit allen Bewerbungen befasst und diese beiden Personen und die Projektgruppe ausgewählt. „Auch im Namen der Jury, in der ich auch Mitglied bin, darf ich mich bei allen Bewerberinnen und Bewerber für die großartigen Vorschläge bedanken“, erklärte Womelsdorf. Er wolle alle Bewerberinnen und Bewerber dazu ermuntern, ihre Bewerbungen auch im nächsten Jahr wieder einzureichen.
Seit Beginn ihrer Arbeit als Kunstlehrerin an der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) ist es Ulrike Schönhagen ein Anliegen, das Kunstmuseum Marburg aktiv für die Besuchergruppe der blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen zu öffnen. Diesen Menschen auf ganz unterschiedliche und bislang einzigartige Weise einen Zugang zur Kunst zu ermöglichen, ist der Jury besonders positiv aufgefallen. Sie hat Kunst nicht nur zugänglich gemacht, sondern auch erfahrbar. In ihrem großen ehrenamtlichen Engagement am Kunstmuseum Marburg hat die Lehrerin an der Carl-Strehl-Schule im Rahmen von „Kunst für alle“ gemeinsam mit Samira Idrisu und Michael Weitzel Vermittlungsformate entwickelt, die beispielgebend sind.
Dabei ist besonders die Entwicklung von Tastmodellen zu betonen, die Kunstwerke nicht illustrieren, sondern in eigenständige, taktile Erfahrungsräume übersetzen. Kunst wird nicht erklärt, sondern über andere Sinne erschlossen und damit für diese Gruppe von Besuchenden neu erfahrbar. Ergänzt wird ihre Arbeit durch viele inklusive Führungen und Formate wie „Spaziergänge zur Kunst“, bei denen sich Vermittlung mit Bewegung, Wahrnehmung und sozialer Begegnung verbindet. In Anerkennung ihrer beispielgebenden Kunstvermittlung für Blinde und Menschen mit Sehbehinderungen wird Ulrike Schönhagen aus Marburg mit dem Otto-Ubbelohde-Preis 2026 des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgezeichnet.
Dr. Andreas Thiedmann engagiert sich seit inzwischen 27 Jahren ehrenamtlich für die Realisierung des „Archäologischen Freilichtmuseums Marburger Land –
Zeiteninsel“, das ab 18. Juli 2026 nunmehr für die breite Öffentlichkeit zugänglich wird. Es ist seinem unermüdlichen Einsatz zu verdanken, dass die Zeiteninsel realisiert wird. Thiedmann hat es zusammen mit den kommunalen Partnern für den Betrieb des Museums, nämlich der Gemeinde Weimar, der Universitätsstadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf, geschafft, das Land Hessen davon zu überzeugen, den mit großem Abstand größten Teil der Kosten für den Aufbau der Zeiteninsel zu übernehmen.
Er hat nicht nur schon früh das Potenzial der vielen archäologischen Funde bei Argenstein erkannt, sondern er hat in gewisser Weise als Lebenswerk die Umsetzung des Museums trotz vieler Hürden und Widerstände vorangetrieben. Er ist der Kopf und das Herz der Zeiteninsel. Dass das Freilichtmuseum ein Aushängeschild für die Gemeinde Weimar, die Universitätsstadt Marburg, den Landkreis, Hessen und darüber hinaus werden dürfte, ist zu sehr großen Teilen sein Verdienst. In Anerkennung seines großen ehrenamtlichen Engagements für die Realisierung des „Archäologischen Freilichtmuseums Marburger Land – Zeiteninsel“ wird Dr. Andreas Thiedmann aus Fronhausen mit dem Otto-Ubbelohde-Preis 2026 des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgezeichnet.
Auch wenn die 725-Jahrfeier des Kirchhainer Stadtteils Emsdorf schon etwas zurückliegt, haben sich die Jury und der Kreisausschuss für die Projektgruppe „Heimat auf der Haut“ als Preisträgerin des diesjährigen Otto-Ubbelohde-Preises entschieden. Der Grund liegt vor allem in einer gelungenen Darstellung der katholischen Tracht aus Emsdorf. Sowohl die Models als auch die Fotografinnen und Fotografen sowie die Projektinitiatorin kommen alle aus Emsdorf. In liebevoller Arbeit sind mehr als 500 Einzelbilder und Einzelszenen mit unterschiedlichen Trachten und Haarmoden in und um Emsdorf entstanden. Dazu wurde ein 52-seitiger, immerwährender Trachtenkalender herausgebracht.
Die Projektgruppe um elf weibliche Models hatte es sich zum Ziel gesetzt, für das Dorfjubiläum einen Beitrag zu leisten, der bei vielen Menschen in Erinnerung bleibt, Spaß macht, junge Leute für Tradition begeistert, Kreativität mit Brauchtum verbindet und Tradition und Moderne zusammenbringt. Die Gruppe hat mit dieser Fotokampagne aufgezeigt, wie schön die Marburger Katholische Tracht wirken kann. Das gelungene Dorfprojekt mit einfühlsamen Namen zeigt, dass Tracht auch heute noch selbstbewusst getragen und in Szene gesetzt werden kann. In Anerkennung des sehr gelungenen Projekts mit Trachtenfotos wird die Projektgruppe „Heimat auf der Haut“ aus Kirchhain-Emsdorf mit dem Otto-Ubbelohde-Preis 2026 des Landkreises Marburg-Biedenkopf ausgezeichnet.
* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf