Nächste Trauung: Einfach heiraten mit Eventcharakter

Neun Paare haben am Samstag (6. Juni) in Marburg „einfach geheiratet“. Außerdem fanden elf Segnungen statt.
Der 26. Juni 2026 ist von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum diesjährigen Tag der Aktion „Einfach heiraten“ erkoren worden und auch der Kirchenkreis Marburg wird an diesem Tag im Seepark Niederweimar wieder mit dabei sein. Am vergangenen Wochenende hat Marburg aber schon einmal vorgelegt und rund um die Elisabethkirche Paare getraut und Menschen gesegnet. Geplant und mit Voranmeldung oder auch ganz spontan.
„Eure Liebe ist die größte. Und ihr seid die besten Elter.“ Eine schönere Rede kann man als Brautpaar wohl nur schwer bekommen. Die neun Jahre alte Lilly hat sie bei der Trauung ihrer Eltern in der Elisabethkirche gehalten. Jenny und Oliver Blaß waren extra aus der Nähe von Saarbrücken nach Marburg gekommen, weil ihnen der Ort und die Aktion „Einfach heiraten“ so gut gefielen. nur sie und Lilly, nur für sich als kleine Familie, als ganz intime Zeremonie nach der standesamtlichen Hochzeit 2017.
Vikarin Hannah Janssen hatte sich ebenfalls perfekt vorbereitet auf die Trauung der beiden. Wenn schon eine Wurstplatte eine entscheidende Rolle beim Kennenlernen zweier Menschen spielt, dann passiert bei „Einfach heiraten“ in Marburg was? Völlig richtig: „Auftritt Wurstplatte!“ Ddaran lässt sich auch theologisch anknüpfen, denn die Liebe – so Janssen –
ist ein Geschenk Gottes, der aus einer Theke gibt, die niemals leer ist. „Vielen Dank, dass ich ein Teil eurer Geschichte sein durfte“, sagte die Vikarin im Anschluss an die Trauung. Und für die Familie werde Marburg immer einen besonderen Platz im Herzen haben, so Jenny Blaß.
Ganz anders angereist waren Eva und Andreas Brückel. Auch sie haben ihre standesamtliche Hochzeit bereits hinter sich. Sie kamen aber mit einer richtig großen Hochzeitsgesellschaft nach Marburg. Aufregung vor dem Ja-Wort? Komplette Fehlanzeige!
„Genau deshalb haben wir uns ja für dieses Format entschieden“, erklärte Eva Brückel. „Ich wollte keinen Stress mit Vorbereitungen haben und das ist einfach perfekt so, wie es ist.“
Prädikantin Margaretha Eidam traute die beiden. Auch hier war ein Bezug zur Kulinarik im Spiel: Das Salz in der Suppe und der Zucker im Kaffee – dieses Stichwort griff Eidam auf.
Im Anschluss an ihre Zeremonie verwandelten Eva und Andreas mit rund 50 Gästen die Wiese neben der Kirche in ein großes Picknick. Insgesamt waren es neun Paare, die sich an diesem Samstag trauen ließen. Getraut wurde sowohl in der Elisabethkirche wie auch im benachbarten Michelchen.
Kaffee und Kuchen war vorbereitet, für die Musik ebenso gesorgt wie für Trausprüche und alles anderes, was zu einer Hochzeit gehört. Und genau das ist das Konzept von „Einfach heiraten“: Das Stichwort „einfach“ bezieht sich darauf, dass Paare nichts organisieren müssen und nicht darauf, dass man leichtfertig heirate, so die Organisatoren. Oft ist es sogar ein lange gehegter Wunsch.
„Einfach heiraten“ bietet aber nicht nur die klassische Trauung an, sondern auch einen Segen. Eine Mutter wollte den gern für sich und ihren Sohn – und dabei gleich mal die Pfarrerin kennenlernen, die sie im nächsten Jahr trauen wird. Ebenfalls mit dabei war Kuscheltier Joey.
Auch für ein ungeborenes Kind gab es einen Segen, für eine Gruppe Freunde, die spontan Halt machte an der Kirche und für einen Junggesellinnenabschied. Insgesamt sieben Traupersonen waren im Einsatz. Darunter waren Vikarinnen und Vikare, Prädikantinnen und Prädikanten sowie Pfarrerinnen und Pfarrer.
Sie sei selbst erst mal skeptisch gewesen, was das Format angeht, berichtete Prädikantin Eidam. Aber die Atmosphäre vor Ort hat sie dann sofort überzeugt: „Hier ist so viel Segen zu spüren, das ist wunderbar.!“
Um genau den geht es im Kern, auch wenn „Einfach heiraten“ Event-Charakter hat und von Menschen zum Teil kritisch wahrgenommen wird. „Wir möchten Segnungen und Trauungen auch in neuen Formaten anbieten“, erklärte Pfarrerin Aline Seidel, die mit der Kasualagentur „Segenszeit“ genau das umzusetzen versucht. Möglichst niedrigschwellig, nah bei den Menschen und vielfältig soll es sein. Wie bei jeder klassischen Hochzeit gibt es aber ein Traugespräch vorab und der Inhalt und der tiefe Sinn seien ganz genauso gegeben, erläuterte Seidel.
Das ganze wird auch am „offiziellen“ Datum am Freitag (26. Juni) noch einmal möglich sein. Am Seepark Niederweimar ist „Einfach heiraten“ mit den Füßen im Sand oder im Wasser möglich. Von 12 bis 20 Uhr sind ebenfalls wieder mehrere Traupersonen im Einsatz.

* pm: Evangelischer Kirchenkreis Marburg

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