Unvergleichbar: Gastwissenschaftler aus Cambridge forscht in Marburg

Der Gastwissenschaftler Dr. Robert Rohland aus Cambridge forscht in Marburg. Sein Interesse gilt der Forschung zu römischen Mythen.
Der 36-jährige Humboldt-Stipendiat Dr. Robert Rohland von der University of Cambridge ist für einen 15-monatigen Forschungsaufenthalt an der Philipps-Universität Marburg zu Gast. Im Zentrum seines Projekts steht die Frage, welche Rolle Objekte in römischen Mythen spielen und wie sie die Vorstellung der Vergangenheit prägen. „Erst durch die Einbeziehung der materiellen Dimension von beispielsweise Objekten und Bauwerken – etwa den sagenumwobenen Sibyllinischen Büchern oder den Mauern Roms – lässt sich das römische Selbstverständnis in seiner ganzen Komplexität erfassen“, erklärte der Gastwissenschaftler.
Als Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung erhält Rohland für sein Gastspiel von Februar 2026 bis April 2027 in Marburg Forschungsmittel in Höhe von rund 64.000 Euro. Der Forschungsaufenthalt knüpft eng an die Arbeit seines Gastgebers, Prof. Dr. Dennis Pausch, an, der sich unter anderem mit römischer Geschichtsschreibung und Formen der Erinnerungskonstruktion beschäftigt. „Rohlands Ansatz, die Inszenierung von Vergangenheit über Dinge und ihre Beschreibung zu analysieren, passt hervorragend zu unseren Forschungsschwerpunkten“, sagte der Philologe Pausch.
Kennengelernt haben sich beide Wissenschaftler auf einer Konferenz im Mai 2025, aus der der Wunsch nach einer Zusammenarbeit entstand. Zugleich hob Rohland die besondere Forschungsumgebung in Marburg hervor: Die enge Vernetzung der sogenannten „kleinen Fächer“ wie Altphilologie, Geschichte und Archäologie im Marburger Centrum Antike Welt (MCAW) habe ihn überzeugt, für sein Projekt von einer der Top-Unis der Welt für den Gastaufenthalt nach Marburg zu wechseln.
Ergänzend ordnet der Forschungsvizepräsident Prof. Dr. Gert Bange den Aufenthalt ein: „Der Forschungsaufenthalt von Dr. Rohland zeigt eindrucksvoll die internationale Sichtbarkeit und Attraktivität der Altertumswissenschaften in Marburg. Gerade die enge Verzahnung unterschiedlicher Disziplinen ermöglicht innovative Ansätze, die weit über die klassischen Fächergrenzen hinausreichen.“
Zentrales Ergebnis des Forschungsaufenthalts wird eine Monographie sein, die erstmals eine umfassende Untersuchung der Rolle von Objekten in der römischen Mythologie bieten soll. „Das Buch verknüpft die Analyse antiker Texte mit Erkenntnissen aus Archäologie und Kulturgeschichte“, erläuterte Rohland. Damit steht es exemplarisch für geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung, die neue theoretische Impulse setzt und zugleich klassische Texte von Ovid bis Plutarch in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Von den Ergebnissen verspricht sich Rohland weitreichende Impulse für die altertumswissenschaftliche Forschung. Neben der Monographie sind weitere Publikationen sowie eine wissenschaftliche Tagung in Marburg geplant. „Darüber hinaus stärkt der Forschungsaufenthalt die internationale Vernetzung der Marburger Altertumswissenschaften und unterstreicht die Attraktivität unseres Standorts für exzellente Forschung“, sagte Gastgeber Pausch.
Für Rohland ist indes jetzt schon klar: „Der Forschungsaufenthalt in Marburg wird meine weitere Arbeit maßgeblich prägen.“ Rohland ist in Hannover aufgewachsen, hat die deutsche und britische Staatsbürgerschaft und hat nach Studium in Oxford und St Andrews/Schottland an der University of Cambridge geforscht.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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