Andauernde Abwehr: Neue Strategie gegen Eichenprozessionsspinner

Eine neue Bekämpfungsstrategie gegen den Eichenprozessionsspinner hat die Stadt gestartet. Befallene Privatbäume können ihre Besitzer jetzt der Stadt melden.
Weiße bis graue Gespinste an Stämmen oder Astgabeln von Eichen deuten auf einen Befall mit dem Eichenprozessionsspinner hin. In Marburg ist die Anzahl befallener Bäume in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Um den Befall der Raupen mit den gefährlichen Brennhaaren einzudämmen, hat die Stadt eine umfassende Bekämpfungsstrategie entwickelt.
Im Jahr 2025 waren etwa 350 bis 400 Bäume in Marburg vom Eichenprozessionsspinner (EPS) befallen. Die Raupen des Nachtfalters bilden feine Brennhaare aus, die bei Menschen und Tieren starken Juckreiz, Hautausschläge, Entzündungen und sogar Atemwegsbeschwerden verursachen können. Der EPS-Befall birgt nicht nur Gesundheitsrisiken, sondern führt teilweise auch zu eingeschränkter Nutzbarkeit öffentlicher Flächen, wie die Sperrung der Bismarckpromenade im Jahr 2025 zeigte.
Das Verkleben und Absaugen der Nester sowie der Einsatz von heißem Wasser reichen inzwischen nicht mehr aus, um den Befall langfristig in einem vertretbaren Maß zu halten. Für dieses so genannte „mechanische Bekämpfen“ entstanden im Jahr 2025 Kosten von rund 145.000 Euro – und diese Kosten dürften in den kommenden Jahren deutlich steigen.
Deshalb setzt die Stadt Marburg zusätzlich auf die gezielte Verwendung des biologischen Wirkstoffs „Bacillus thuringiensis“. Voraussichtlich wird er zwischen Ende März und Mitte April, zum Zeitpunkt des Eichenaustriebs, von Fachfirmen unter Beachtung aller behördlichen Auflagen ausgebracht. Das Biozid wirkt gezielt: Die Raupen nehmen es über die Nahrung auf, hören auf zu fressen und sterben nach wenigen Tagen – noch bevor sie die gefährlichen Brennhaare entwickeln. Die Wirksamkeit beschränkt sich auf blattfressende Schmetterlingsraupen. Dieses Vorgehen entspricht den natur- und artenschutzrechtlichen Bestimmungen. Die Stadt setzt das Biozid nur ein, wenn andere Mittel nicht ausreichen –
und nur bei passendem Wetter. Zulässig ist der Einsatz insbesondere in Siedlungen, Parks, im Umfeld von Schulen und an Verkehrsflächen. Das Mittel ist für Menschen und andere Säugetiere ungefährlich.
Dennoch werden die behandelten Flächen abgesperrt und mit Hinweisschildern versehen. Es gilt: Betreten verboten, bis der Spritzbelag abgetrocknet ist. Das benötigt in der Regel mehrere Stunden.
Wo Biozide nicht eingesetzt werden können oder es schnell gehen muss, weil Menschen gefährdet sind, lässt die Stadt die Nester weiterhin absaugen. Zusätzlich werden vorsorglich dünne Äste am äußeren Rand der Baumkrone zurückgeschnitten, um die dort abgelegten Eier schon im Frühjahr zu entfernen.
Langfristig will die Stadt dafür sorgen, dass natürliche Feinde der Raupen sich stärker ausbreiten. So kann sich das Gleichgewicht in der Natur stabilisieren; und der Befall wird seltener. Vor allem Meisen fressen die jungen Raupen, die noch keine Brennhaare besitzen, und verfüttern diese an ihre Jungtiere.
Fledermäuse jagen die erwachsenen Falter. Deshalb hat die Stadt bereits im Frühjahr 2026 insgesamt 280 Nistkästen für Fledermäuse und Meisen an 56 Standorten wie etwa an Spielplätzen, Kindergärten und Schulen oder angrenzenden städtischen Flächen angebracht. Um die Bäume zu schützen, haben Fachfirmen die Kästen mit speziellen grünen Holzklötzchen befestigt, damit die Bügel zum Aufhängen nicht in die Baumrinde einwachsen.
Privateigentümer*innen von Eichenbäumen, die bereits vom EPS befallen waren, haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, ihre Bäume ebenfalls mit Bacillus thuringiensis behandeln zu lassen. Betroffene werden gebeten, sich über das Kontaktformular des Fachdienstes Stadtgrün, Friedhöfe und Grünservice unter www.marburg.de/eps zu melden. Die Kosten für eine Behandlung tragen die Eigentümerinnen und eigentümer. Dort finden sich auch weitere Informationen zum Eichenprozessionsspinner und zum richtigen Verhalten bei einem Befall.

* pm: Stadt Marburg

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