Für Hilfe und Sicherheit sorgt der Marburger Katastrophenschutzzug. Im Ernstfall zählt die Koordination.
Wenn Naturgewalten, Großbrände oder humanitäre Krisen die Region treffen, ist der Katastrophenschutzzug der Feuerwehr Marburg eine zentrale Säule der Gefahrenabwehr. Neben der klassischen Brandbekämpfung übernimmt die Einheit Aufgaben, die weit über den Alltag hinausgehen – und setzt dabei auf Technik, Teamgeist und die Unterstützung der Bevölkerung. Aber was ist eigentlich eine „Katastrophe“?
Laut Paragraph 24 des Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetzes (HBKG) liegt eine Katastrophe vor, wenn Leben, Gesundheit oder die lebensnotwendige Versorgung der Bevölkerung gefährdet sind und eine koordinierte Einsatzleitung erforderlich wird. Genau hier setzt der Katastrophenschutz an – mit spezialisierten Einheiten, klarer Struktur und schneller Reaktionsfähigkeit. Die Feuerwehr Marburg stellt einen von insgesamt 22 Katastrophenschutzzügen im Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Gebildet wird er unter Aufsicht von Carmen Werner als Leiterin der Feuerwehr Marburg und des Fachdiensts Brandschutz. Er verfügt über Fahrzeuge an mehreren Standorten. Geführt wird die Einheit von Björn Heinrich und seinem Team. Die 57 Mitglieder stammen aus verschiedenen Marburger Stadtteilen und treffen sich mindestens viermal jährlich zu gemeinsamen Übungen – in Theorie und Praxis.
„Der Katastrophenschutz in Marburg ist ein leuchtendes Beispiel für kompetentes Bürgerengagement: ein Zusammenspiel aus professioneller Einsatzbereitschaft und verantwortungsbewusster Bürgerschaft“, betonte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „In Zeiten wachsender Herausforderungen ist diese Partnerschaft entscheidend für die Sicherheit unserer Stadt.“
Denn „die Einsatzbereitschaft erfolgt zusätzlich zum eigentlichen Ehrenamt Feuerwehr“, wie Heinrich erklärte. Mitmachen können aktive Feuerwehrleute. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf arbeiten alle Katastrophenschutzeinheiten und Hilfsorganisationen einschließlich der Freiwilligen Feuerwehren unter der Führung des Landrats als „Untere Katastrophenschutzbehörde“ zusammen. Aufgabe der Unteren Katastrophenschutzbehörde ist die Aufstellung von Einheiten und Einrichtungen des Katastrophenschutzes mit der erforderlichen Ausstattung sowie die Aufstellung und Fortschreibung von Alarm- und Einsatzplänen, Katastrophen- und Sonderschutzplänen.
Mit dem Einsatzleitwagen (ELW) wird im Ernstfall vor Ort eine Führungsstelle aufgebaut – sie ist das Rückgrat der Koordination. Der Katastrophenschutzzug verfügt über Spezialfahrzeuge: Neben klassischen Löschfahrzeugen kommen Wechsellader mit Abrollbehältern für Schläuche und Großbehälter zum Einsatz.
Das ist eine Besonderheit in Marburg; weitere Wechselladerfahrzeuge und verschiedene Abrollbehälter sind beispielsweise in Stadtallendorf oder Biedenkopf stationiert. Sonderausstattungen sind außerdem eine Einsatzküche mit ausgebildetem Koch, Hochleistungspumpen für Schmutzwasser und mobile Infrastruktur für Langzeiteinsätze.
Die Einheit wird regelmäßig bei Hochwasser, Sturmschäden und Großbränden alarmiert – teilweise nach Weisung der Unteren Katastrophenschutzbehörde auch über die Landkreisgrenzen hinaus. Besonders herausfordernd sind Einsätze in ländlichen Gebieten mit eingeschränkter Löschwasserversorgung.
In solchen Fällen kommt die Technik zur Förderung über lange Wegstrecken zum Einsatz, wie etwa beim Waldbrand in Cölbe-Schönstadt 2022. Auch in der humanitären Hilfe ist die Einheit aktiv, das war beispielsweise beim Aufbau des Impfzentrums während der Corona-Pandemie oder bei der Errichtung von Notunterkünften für Geflüchtete aus der Ukraine der Fall.
Klimawandel, geopolitische Spannungen und technologische Entwicklungen verändern die Anforderungen an den Katastrophenschutz. Die Marburger Einheit reagiert mit kontinuierlicher Weiterbildung, enger Zusammenarbeit mit Bundeswehr und Technischem Hilfswerk (THW) sowie der Anpassung ihrer Ausrüstung. Die Führung legt besonderen Wert auf die Weiterentwicklung der Strukturen – für eine einsatzbereite und zukunftsfähige Einheit.
„Wir brauchen engagierte Menschen, die die Technik zum Einsatz bringen.“, unterstrich Landrat Jens Womelsdorf. „Eine gute Ausstattung- kombiniert mit gut ausgebildeten und motivierten Helferinnen und Helfern – sind für uns wesentliche Voraussetzungen für die erfolgreiche Arbeit des Katastrophenschutzes“, erklärte der Landrat.
„Einen Katastrophenschutzzug bereitzustellen, ist für uns keine lästige Pflicht, sondern eine Selbstverständlichkeit innerhalb unserer Feuerwehr Marburg. Aufgrund er aktuellen Weltlage ist dies wichtiger denn je“, betont Carmen Werner, Leiterin der Feuerwehr Marburg.
Doch ein effektiver Katastrophenschutz braucht nicht nur Profis – sondern auch eine vorbereitete Bevölkerung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt Notvorräte (Lebensmittel und Trinkwasser für mindestens drei Tage, Notfallgepäck (Dokumente, Medikamente, Hygieneartikel griffbereit), alternative Energiequellen (Kerzen, Taschenlampen, batteriebetriebene Radios) und Warnsysteme – die Nina-App informiert über aktuelle Gefahrenlagen. Weitere Informationen zur Selbstversorgung gibt es online unter www.bbk.bund.de. Wer die Freiwillige Feuerwehr in Marburg oder den Katastrophenschutz selbst gerne unterstützen möchte, kann sich online an die Feuerwehr Marburg wenden.
* pm: Stadt Marburg