Der 9. November ist ein geschichtsträchtiger Tag für Deutschland. Er steht für einen Tiefpunkt undgleichzeitig auch für einen Höhepunkt der Demokratie.
Am 9. November 1938 zündeten Nazis überall in Deutschland Synagogen an und plünderten Geschäfte vvon Jüdinnen und Juden. Am 9. November 1989 fiel die Mauer und damit das unterdrückerische Unrechtsregime der DDR. Trotz ihrer absoluten Gegensätzlichkeit tragen beide Ereignisse eine gemeinsame Botschaft an die Nachwelt mit sich.
Demokratie ist ein schützenswertes und zerbrechliches Gut. Alle sind aufgerufen, es tagtäglich immer wieder auf´s Neue zu verteidigen. Ein Verlust der Demokratie ist nicht nur für erklärte Demokratinnen und Demokraten lebensgefährlich, sondern letztlich für jede und jeden, der aufgrund religiöser, ethnischer oder anderer Merkmale – aber auch gänzlich grundlos – ins Visier herrschender Cliquen geraten ist oder geraten kann.
Dem Schutz der Demokratie sind alle verpflichtet: Er ist Grundvoraussetzung für jede politische Beteiligung und jedes Amt, das Menschen im demokratischen Staat ausüben. Er ist aber auch eine moralische Pflicht für alle, die sich nicht schuldig machen möchten derjenigen Verbrechen, die Diktaturen sonst möglicherweise verüben könnten.
Politikerinnen und Politiker dürfen nicht spalten oder Menschen – aus welchen Gründen auch immer – herabwürdigen. Sie sollten ihr Handeln erklären und seine Hintergründe aufklären. Insbesondere der Schutz der Schwächsten in der Gesellschaft ist ihre vordringlichste Pflicht.
Gerechtigkeit und ein Höchstmaß an Gleichheit sollten ihre Ziele sein. Dazu zählt die gerechte Verteilung von Reichtum ebenso wie die Sicherung menschlicher Grundbedürfnisse wie Gesundheit, eine saubere Umwelt und menschenwürdige Wohnmöglichkeiten. Das Streben nach diesen Zielen stärkt die Demokratie, weil es allen Menschen ein Mindestmaß an Wohlstand verheißt.
Korruption hingegen schwächt das Gemeinwesen. Nicht sachgerechte Entscheidungen prägen dann den Staat, sondern persönliche Gier. Eine käufliche Politik verramscht das Wohlergehen der Bevölkerung an die Meistbietenden, ohne dass die Bevölkerung mehr davon hätte als Ärger und Dysfunktionalität.
Bürgerinnen und Bürger haben die Wahl. Auch wenn sie sie nicht ständig haben, so sollten sie ihr Recht auf Beteiligung doch unentwegt nutzen. Es liegt an den Wahlberechtigten, ob der 9. November 2026 ein Tag in Freiheit für alle oder ein Tag der Unfreiheit für viel zu viele Menschen sein wird.