Gruppen für Gleichberechtigung: Auszeichnung für Kollektiv und Omas gegen Rechts

Den „Marburger Gleichberechtigungspreis“ 2025 haben zwei Gruppen erhalten. Die Stadt würdigt damit ihr Engagement für Gleichberechtigung, Vielfalt und Demokratie.
Zum neunten Mal vergibt die Universitätsstadt Marburg den „Marburger Gleichberechtigungspreis“. In diesem Jahr erhalten ihn zwei Preisträger: Sowohl das „OUR!Stage-Kollektiv“ als auch das Netzwerk „Omas gegen Rechts“ haben den Preis erhalten. Er ist mit 2.500 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen.
„Gleichberechtigung hat viele Gesichter; und sie lebt vom Einsatz ganz verschiedener Initiativen, die sich für Gleichberechtigung, Toleranz, Zusammenhalt und Empowerment einsetzen“, sagte Stadträtin Kirsten Dinnebier als Vorsitzende der Gleichstellungskommission in ihrer Laudatio. Die Gleichstellungskommission der Universitätsstadt Marburg hat die Einrichtung des Gleichberechtigungspreises initiiert und ehrt seit 2009 mit dem Preis den Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit in Marburg.
„Der Marburger Gleichberechtigungspreis soll dazu beitragen, herausragende Aktivitäten für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Marburg sichtbar zu machen beziehungsweise Persönlichkeiten und Institutionen öffentlich zu würdigen, die sich hierzu besonders engagieren“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei seiner Begrüßung. Gemeinsam verliehen Spies und Stadträtin Dinnebier den Marburger Gleichberechtigungspreis an das „OUR!Stage-Kollektiv“ und das Netzwerk „Omas gegen Rechts“. „Ihr Engagement bereichert, stärkt und verändert unsere Gesellschaft“, sagte Dinnebier an beide Preisträger gerichtet.
„Our!Stage“ ist ein Kollektiv, das seit 2022 neue Räume schafft, in denen Menschen eine Bühne finden, auf der sie ihre Vielfalt ausdrücken können. Das Angebot richtet sich an FLINTA*-Personen -Frauen, Lesben, Inter, Nicht-binäre, Trans* und Agender-Personen. Ziel ist, FLINTA* zu stärken, Gemeinschaft zu schaffen und Kunst für alle möglich zu machen.
Gerade im Kulturbereich seien Frauen und nicht-binäre Personen stark unterpräsentiert. „In der Kulturszene bekommen sie oft nicht die Sichtbarkeit, die sie verdienen“, erläuterte Dinnebier. Das Awareness-Konzept gebe dabei Sicherheit, sich auf der Bühne zu zeigen. „Sie machen Mut, Sie geben Menschen eine Stimme und Sie verändern die Kulturlandschaft nachhaltig“, sagte die Stadträtin.
Tina Kuhn vom Kollektiv bedankte sich stellvertretend für die Auszeichnung. Sie berichtete von den diskriminierenden Erfahrungen, die sie in der Kulturszene erlabt habe und wie daraus der Wunsch nach einem „Save Space“ –
einem sicheren Ort – entstanden sei. Auch andere Mitglieder erzählten von Ausgrenzung und Diskriminierungen aufgrund ihres Geschlechts, ihres Aussehens oder ihrer Sexualität. „Wir versuchen einen Raum ohne Leistungsdruck zu bieten. Einen Ort, an dem man sich einfach ausprobieren kann. Wir wollen uns nicht mit anderen ,battlen‘, wir wollen keine Wettkrämpfe oder Druck. Wir wollen einfach nur Musik machen, die gleichen Chancen haben und auch gleich bezahlt werden“, erklärte Kuhn.
Dass Engagement kein Alter kennt, unterstreicht eine weitere Gruppe, die ebenfalls den Gleichberechtigungspreis 2025 erhalten hat: Die „Omas gegen Rechts Marburg“ setzen sich „mit Entschlossenheit, Ausdauer und einer bemerkenswerten Mischung aus politischer Klarheit und menschlicher Wärme“ für „unsere Demokratie und für die Gleichberechtigung aller Menschen ein“, sagte Dinnebier. Mit ihren Mahnwachen, Veranstaltungen und Arbeitsgruppen setzen die „Omas“ Zeichen gegen Hass und Hetze – für Zusammenhalt, Respekt und Demokratie. Dabei richtet sich ihr Engagement nicht nur gegen Rechtsextremismus, sondern auch für Geschlechtergerechtigkeit und geschlechtliche Vielfalt – für eine Gesellschaft, in der alle Menschen mit Respekt behandelt werden, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung.
Stadträtin Dinnebier verwies darauf, dass die „Omas gegen Rechts“ antifeministischen Anfeindungen und auch geschlechterbezogenen Hasskommentaren ausgesetzt seien. Alle seien aufgefordert, sich gegen Hetze und Antifeminismus zu solidarisieren und damit „Für eine Gesellschaft, in der die Würde jedes Menschen unantastbar bleibt. Für Gleichberechtigung. Für Vielfalt. Für Demokratie. Und für eine Zukunft, in der Solidarität lauter ist als Hass“.
Hannah von den „Omas gegen Rechts“ bedankte sich im Namen des Netzwerks für den Gleichberechtigungspreis und betonte, wie wichtig es sei, laut zu sein und sich für mehr Gleichberechtigung und Demokratie stark zu machen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Würde jedes einzelnen Menschen ist unantastbar. Aber leben wir auch danach? Alle Menschen sollten gleich sein und das nicht nur vor dem Gesetz, sondern in den Augen eines jeden einzelnen Menschen. Wir möchten unseren Enkelkindern eine buntere und damit bessere Welt hinterlassen. Dafür machen wir uns stark“, sei die Haltung der Omas gegen Rechts.

* pm: Stadt Marburg

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