Einatmen: Solange das Kohlendioxid reicht

Das Dieselfahrverbot ist in aller Munde. Feinstaub ist in aller Lunge.

Fahrverbote für Dieselautos sind zulässig. Das hat das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) am Dienstag (27. Februar) verkündet. Künftig können Kommunen klare Kante zeigen gegen Dreckschleudern und ihnen die Durchfahrt in bestimmten Straßen verbieten.
Nun ist das Geschrei groß. Egal ob Autoindustrie oder Dieselbesitzer: Alle regen sich auf. Die Tatsache, dass EU-weit jährlich 400.000 Menschen an den Folgen des Schadstoffausstoßes sterben, bleibt dabei auf der Strecke.
Der Ärger ist allerdings verständlich, denn es gibt Wichtigeres als Gesundheit. Was wird nur aus den Fabriken für Atemschutzmasken? In Peking und Tokio gelten die Masken schon lange als hippe Mode-accesoires, während Deutschland mal wieder hinterherhinkt.
Auch in anderen Bereichen könnte sich Deutschland ein Vorbild an asiatischen Ländern nehmen. Vor allem im Sommer sind die Menschen hierzulande gelangweilt vom blauen Himmel, der schon seit tausenden Jahren gleich aussieht. Langsam wäre es vielleicht mal an der Zeit für einen Tapetenwechsel: Grau ist das neue Blau!
Seit Jahren geben die Menschen alles, um das grässliche Blau über dem Kopf nicht länger ertragen zu müssen, doch die Politik erschwert ihnen den Weg zum Ziel. Vermutlich hatte die Sonnencreme-Lobby ihre Finger im Spiel, als es um die Frage „Sonne Ja oder nein?“ ging. Das Dieselfahrverbot bringt jetzt einen klaren Sieg für Nivea und co.
Wer braucht schon Sonne? Ohne Sonne gibt es keinen Sonnenbrand, keine Blumen und daher auch kein nervtödendes Getier wie Bienen oder Wespen. Für Leute, die sich gerne Blumen ansehen, wachsen unter Kunstlicht immernoch genug Tulpen, Rosen und Narzissen.
Die Autoindustrie meckert zwar in der Öffentlichkeit, freut sich aber wahrscheinlich insgeheim über das Urteil. Für den harten Einsatz in der Mission „Dark Sky“ werden die Autobauern angemessen belohnt, indem Dieselbesitzer vermutlich bald neue Autos kaufen werden. Selbstverständlich liefern diese Autos die selben Herstellern, die jahrelang schon mühevoll für den grauen Himmel gekämpft haben.
Besonders schlimm ist die Lage in Marburg. Immerhin waren die CO2-Werte auch hier gelegentlich zu hoch, doch hat die Stadtpolitik sofort übereilt zu einem harten Schlag gegen den grauen Himmel ausgeholt.
Nicht nur Dieselfahrzeugen, sondern auch allen anderen Fortbewegungsmitteln bis hin zu altehrwürdigen Sandalen, Stiefeln und High Heels wurde die Hauptschlagader gekappt. Die Weidenhäuser Brücke bleibt für lange Zeit ein unüberwindbares Hindernis und die Luft über der Lahn damit sauber.
Obendrein bietet die Stadt mittlerweile sogar kostenlose Fahrradfahrten und teilweise kostenlosen Personennahverkehr an. Ist das nicht eine absolute Katastrophe für alle Freunde des grauen Himmels?
Neben den Befürwortern von grauem und blauem Himmel gibt es seit langem noch eine weitere Bewegung, deren Erfolge bisher noch nicht am Firmament sichtbar sind. Ihre Absichten auch zur Gesichtsfarbe der Bevölkerung lassen sich schon an ihrem Namen erahnen: Die Grünen!

* Jan Wandel

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