Renate Oberlik engagiert sich für benachteiligte Familien. Dafür wurde ihr am Dienstag (25. Februar) das Bundesverdienstkreuz überreicht.
Renate Oberlik engagiert sich mit besonderer Tatkraft im sozialen Bereich. Wichtig sind ihr dabei Chancengleichheit in der Bildung und die Rechte von Kindern. Für ihren Einsatz im Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) und vielen anderen Bereichen hat Oberlik nun das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten.
Als ihre Kinder zur Schule gingen, bemerkte Oberlik, dass es große Unterschiede gibt in der Chancengleichheit in der Bildung“, , sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei einer Feierstunde am Dienstag (25. Februar) im Rathaus. „Renate Oberlik sah, dass manche Kinder stärkere Unterstützung benötigen. Nicht, weil diese Kinder weniger intelligent wären, sondern weil sie aus verschiedenen Gründen weniger Hilfe von ihren Eltern in Anspruch nehmen konnten als andere Klassenkamerad*innen.“
Dafür hat Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. „Die Rechte und Chancen von Kindern und deren Bedürfnisse stehen immer im Fokus von Renate Oberliks Engagement – seit vielen Jahrzehnten“, erläuterte Spies bei der Ehrung im Historischen Saal des Rathauses. „Das, was Renate Oberlik ausmacht, sind nicht einzelne Taten, sondern eine zutiefst humanistische Haltung, die das Recht eines Kindes auf Achtung und Respekt für unverhandelbar hält. Nur wenige Menschen haben sich so konsequent, so uneigennützig über Jahrzehnte dafür eingesetzt, dass es anderen Menschen besser geht.“
1983 gründete Oberlik mit Henning Köster zusammen den Verein Bildungspolitische Initiative Bipoli und war bis 1991 Mitglied im Vorstand. Danach war sie in unterschiedlichen Funktionen im Verein tätig. Bis heute ist sie noch Kassenprüferin.
Der Verein bietet eine Förderung für Kinder im Grundschulalter an. Die Lernhilfen gehen von der Hausaufgabenhilfe bis hin zur spezifischen Lernförderung. Auch Schülerinnen und Schüler aus zugewanderten oder geflüchteten Familien bekommen hier Unterstützung.
Seit 2014 gestaltet der Verein in Marburg aktiv das Ganztagsangebot der städtischen Schulen mit und arbeitet auch im Auftrag des Hessischen Kultusministeriums. Im Verein bot Frau Oberlik Lernhilfen für benachteiligte Kinder in Marburg und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf an, ebenso Schulsozialarbeit für Kinder mit Migrationshintergrund. Daraus gewachsen ist Oberliks Hauptengagement im Kinderschutzbund, Orts- und Kreisverband Marburg
Dort engagiert sie sich seit 1990. Im Jahr 1991 übernahm sie das Amt der Vorsitzenden. Oberlik baute den Kinderschutzbund seit 1991 von einer kleinen Beratungsstelle mit Spielangebot zu einer großen Familienberatungsstelle mit mehreren Festanstellungen auf. Seit 1998 gibt es neben den Angeboten für Kinder auch Elternkurse etwa zum Thema Gewaltfreie Erziehung. Das Angebot des Kinderschutzbundes wird dabei ständig erweitert und orientiert sich an den aktuellen Bedürfnissen der Kinder.
Auch Beisitzerin Ulrike Tadge vom Vorstand des Kinderschutzbundes, richtete Dankesworte an Oberlik: „Wenn eine diese Ehrung verdient hat, dann bist du es. Du hast dein ganzes Leben nach dem Einsatz für das Kindeswohl ausgerichtet, für den Schutz von Kindern. Dabei hast du dein Traumziel nie aus den Augen verloren: ,Kinderrechte ins Grundgesetz‘. Leider können wir das nicht entscheiden, aber wir hoffen es für die Zukunft.“
Oberlik selbst ist ausgebildete Elternkursleiterin und gibt neben ihrer Tätigkeit als Vorsitzende auch eigene Kurse. Mit ihr war es möglich, ein Kinder- und Jugendtelefon – auch bekannt als die „Nummer gegen Kummer“ – einzurichten.
Im Jahr 2008 gelang es Oberlik gemeinsam mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf das Beratungs- und Hilfsangebot „Endlich Schulkind – wie soll ich das bezahlen“ zu initiieren. Das Beratungsangebot besteht noch heute, ist aber wegen seiner Bedeutung in den Deutschen Kinderschutzbund übergegangen und heißt „Aktionsfonds für Kinder – Chancengleichheit in Marburg-Biedenkopf“. Aus dem Beratungsangebot entstand ein Theaterpädagogisches Präventionsprogramm.
Neben ihrem Engagement für Kinder aus sozialschwachen Familien oder zugewanderten, bemüht die Geehrte sich auch um die Förderung von Kindern psychisch kranker Eltern. Im Jahr 1991 richtete der Kinderschutzbund dafür einen neuen Arbeitskreis „Keine Gewalt gegen Kinder“ ein. In diesem Arbeitskreis arbeiten Jugendhilfeorganisationen mit freien und öffentlichen Trägern zusammen.
Als Vorsitzende des Ortsverbands Marburg war Oberlik von 1993 bis 1996 sowie von 2001 bis 2016 Mitglied im Jugendhilfeausschuss der Universitätsstadt Marburg. Seit 2011 ist sie im Landesvorstand des Deutschen Kinderschutzbundes. Sie ist außerdem seit mehr als 20 Jahren als Verfahrensbeistand am Marburger Amtsgericht tätig.
Oberlik wurde 2001 mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. Sie engagiert sich in vielfältiger Weise für das Gemeinwohl. Ihr jahrzehntelanges unermüdliches und beispielgebendes Wirken wurde nun durch die Auszeichnung mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt.
„Ich bin froh, dass so viele hier sind, die mich über die Jahre begleitet haben“, sagte Oberlik. „Ich würde gerne einen Teil der Ehre an euch abgeben, denn ohne euch wäre es nicht möglich gewesen.“
Vor allem ihr mittlerweile verstorbener Ehemann Gerhard habe ihr Engagement maßgeblich mit ermöglicht, denn „das Ehrenamt hat mich lange begleitet; und mit dem Vorsitz des Kinderschutzbundes ist es quasi zum Beruf geworden, wie eine Halbtagsstelle“.
* pm: Stadt Marburg