Der Christian-Meineke-Preis wurde am Freitag (31. März) im Ramadanzelt verliehen. Die Erdbebenhilfe Antiochia Hatay wurde damit für die schnelle Hilfe für Erdbebenopfer ausgezeichnet.
Die Islamische Gemeinde hat die Stadtgesellschaft zum gemeinsamen Fastenbrechen in das mittlerweile 16. Ramadanzelt auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz eingeladen. Unter den Gästen waren auch Mitglieder des Vereins „Erdbebenhilfe Antiochia Hatay“. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Stadträtin Kirsten Dinnebier überreichten gemeinsam mit der Jury dem – angesichts der Erdbebenkatastrophe in kürzester Zeit gegründeten – Verein an diesem Abend den Christian-Meinecke-Preis für kulturelle Interaktion.
„Wir wollen Unterschiede respektieren und immer das Gemeinsame suchen, damit das Zusammenleben gelingen kann“, sagte Oberbürgermeister Spies beim gemeinsamen Fastenbrechen im Ramadanzelt der Islamischen Gemeinde. „Deswegen ist Marburg eine Stadt, in der es sich so gut leben lässt.“
Eine dieser Gemeinsamkeiten ist bei vielen Menschen in Marburg das Engagement für kulturelle Interaktion und für Hilfe, wo Hilfe dringend benötigt wird. Dafür gibt es zahllose Beispiele – einer davon ist der der Verein „Erdbebenhilfe Antiochia Hatay“, der kurz nach der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und in Syrien in kürzester Zeit in Marburg gegründet wurde.
„Dieses Jahr ehren wir mit dem Preis nicht die verdiente, langjährige Arbeit eines Vereins oder einer Gruppe, sondern einen ganz jungen Verein für schnelles und spontanes – nachhaltig ausgerichtetes – bürgerschaftliches Engagement“, erklärte Stadträtin Dinnebier in ihrer Laudatio über den Preisträger. „In Marburg haben Menschen nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei und Syrien am 6. Februar die Initiative ergriffen und die Erdbebenhilfe Antiochia Hatay gegründet, um unmittelbar, aber auch mit Zukunftsperspektive zu helfen.“
Ziel des Vereins ist die langfristig materielle und ideelle Unterstützung für die Menschen in Hatay, der Wiederaufbau ihres Zuhauses und die Wiederbelebung ihres historischen Erbes. Die Provinz Hatay birgt nicht nur UNESCO Weltkulturerbe, sondern auch eine reiche kulturelle und religiöse Vielfalt. So beschreiben Bewohnerinnen und Bewohner von Antakya nicht nur die Nähe ihrer unterschiedlichen Gotteshäuser als charakteristisch für das Zusammenleben, sondern auch die gelebte Verständigung und Eintracht unter den verschiedenen Religionen.
„Diese Ziele passen zu Christian Meineke, der sich als Integrationsbeauftragter der Universitätsstadt für die Verständigung und das friedliche Zusammenleben aller Kulturen eingesetzt und ehrenamtliches Engagement auf vielfältige Weise gefördert hat“, hob Stadträtin Dinnebier in ihrer Laudatio hervor. Der Preis, dessen Name an den 2016 verstorbenen Integrationsbeauftragten der Stadt erinnern soll, wurde – gemeinsam von der Stadt, der Islamischen Gemeinde, dem Verein „Vielfalt“, dem Ausländerbeirat und dem Runden Tisch der Religionen – zum fünften Mal verliehen.
Das Ramadanfest sei der passende Anlass für die Verleihung des Christian-Meineke-Preises, betonte der Oberbürgermeister. Die Islamische Gemeinde setze dort seit Jahren ein Zeichen dafür, dass ein friedliches Miteinander möglich sei. Das werde durch die Teilnahme vieler Marburgerinnen und Marburger sowie zahlreicher Vertreter*innen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften unterstrichen, die gemeinsam mit den muslimischen Mitbürger*innen das Fastenbrechen bei Sonnenuntergang begingen.
„Es ist wunderbar, nach den Einschränkungen der Pandemie und trotz des unbeständigen Wetters, wieder mit den Marburger*innen gemeinsam im großen Ramadanzelt zu feiern“, freute sich Prof. Dr. amdi Elfarra. Er ist Vorsitzender der Islamischen Gemeinde (IG).
Der Christian-Meineke-Preis ist ein Dank an die Engagierten in der Stadt Marburg für ihren gemeinnützigen Einsatz für die Stadtgesellschaft und gleichzeitig Motivation für deren weitere Arbeit. In diesem Jahr erhielt der Verein „Erdbebenhilfe Antiochia Hatay“ die Auszeichnung. Sie ist die Vorstände Tobias Meinel und Sebastian Sack entgegennahmen.
„Die Mitglieder dieses neuen Vereins leben – beispielgebend über alle ethnischen, sprachlichen und kulturellen Grenzen – ein besonderes Klima des Miteinanders vor, das sie angesichts der menschlichen Not unmittelbar gemeinsam zum Handeln gebracht hat“, hob Jurymitglied Dinnebier hervor. Die Erdbebenhilfe knüpfe tragfähige internationale Netzwerke, die zunächst für kurzfristige direkte Hilfe sorgen. Gleichzeitig werde auf eine Solidarität gebaut, die auf eine nachhaltige Wirkung und Unterstützung angelegt sei.
Auch mittel- und langfristige Projekte wie die Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Organisationen beim Wiederaufbau und der Erhalt des kulturellen Erbes stehen im Fokus. „Für die Entscheidung der Jury war sowohl das spontane Engagement als auch die langfristige Zukunftsperspektive ausschlaggebend“, erklärte Dinnebier. Die Jury möchte mit ihrer Entscheidung dazu beitragen, dass dringend notwendige Hilfe in Syrien ankommt und dass die Erdbebenhilfe Antiochia Hatay Unterstützung für ihre Arbeit und zum Aufbau einer langjährigen unterstützenden Partnerschaft mit der Provinz Hatay erhält.
* pm: Stadt Marburg