Interviewerfahrung: Zensus 2022 beginnt am 15. Mai

9.500 Marburger werden beim Zensus 2022 befragt. Die Erhebung beginnt am Sonntag (15. Mai).

Wie viele Menschen leben in der Universitätsstadt Marburg? Gibt es genug Wohnraum für alle? Brauchen wir mehr Kindergärten, Schulen oder Wohn- und Pflegeheime? Wo muss die Stadt für die Bevölkerung investieren?

Um diese und andere Zukunftsfragen zu beantworten, braucht es Zahlen, Datenund Fakten. Sie werden in regelmäßigen Abständen mit Volkszählungen erhoben. Auch 2022 findet wieder ein bundesweiter Zensus statt.

Befragt werden 9.500 ausgewählte Menschen. Die Teilnahme ist verpflichtend. In allen Städten und Gemeinden Deutschlands wird ermittelt, wie viele Menschen dort leben, wie sie wohnen und arbeiten. „Dabei geht es nicht darum, private Lebensverhältnisse der Marburgerinnen und Marburger einzeln zu betrachten“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, „sondern alle erhobenen Daten werden anonymisiert ausgewertet, verallgemeinert, Summen gebildet und Durchschnitte berechnet.“ Ziel und Zweck des bundesweiten Zensus sei eine verlässliche Datenbasis.

„Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden beruhen auf Bevölkerungs- und Wohnungszahlen. Um verlässliche Basisdaten für unsere Planungen zu haben, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Bevölkerungszahl notwendig“, sagte Spies. Die Ergebnisse des Zensus seien außerdem die Grundlage dafür, wie viel Geld eine Kommune künftig durch den Länder- und den kommunalen Finanzausgleich sowie durch EU-Fördermittel zugewiesen bekommt.

„Auch die Einteilung der Wahlkreise und die Stimmenverteilung im Bundesrat orientieren sich an der Einwohner*innenzahl, die mit dem Zensus ermittelt wird.“ Deshalb gibt es alle zehn Jahre einen Zensus der Statistischen Bundes- und Landesämter.

Der nächste Zensus nach 2011 hätte eigentlich 2021 stattfinden sollen. Wegen Corona wurde er auf 2022 verschoben.

Für den Zensus 2022 hat die Stadt Marburg eine Erhebungsstelle eingerichtet. Sie stellt die Qualität der Erhebung und die Einhaltung des Datenschutzes sicher. Das Thema Datenschutz spielt dabei eine besondere Rolle.

„Die Online-Datenübermittlung ist verschlüsselt, die Einzeldaten werden nicht weitergegeben, auch nicht an andere Behörden außerhalb der Statistik“, betonte die städtische Datenschutzbeauftragte Claudia Scheidemann. Alle Daten, mit denen eine Person identifiziert werden kann, würden zum frühestmöglichen Zeitpunkt von den weiteren Angaben getrennt und gelöscht. „So sind keinerlei Rückschlüsse auf eine Person möglich“, versicherte Scheidemann.

Rund 60 Personen werden für Interviews geschult und erhalten Ausweise. Außerdem schult, betreut und koordiniert die Erhebungsstelle knapp 60 Interviewerinnen und Interviewer als so genannte „Erhebungsbeauftragte“. Spies dankte denen, die sich als Interviewerinnen und Interviewer gemeldet haben und damit einen wichtigen Beitrag für die erfolgreiche Durchführung des Zensus leisten.

Obwohl der Zensus auch als „große Volkszählung“ bekannt ist, werden nicht alle Einwohnenden befragt. Die Mehrheit der Bevölkerung gibt selbst keine Auskunft, weil in erster Linie Daten aus Verwaltungsregistern genutzt werden.

Persönlich mit einem kurzen Interview befragt werden im Bundesschnitt zusätzlich rund zehn Prozent der Bevölkerung. Diese „Stichprobenbefragung“ soll Ungenauigkeiten in den Melderegistern feststellen und Daten erheben, die in den Registern nicht vorliegen. Das sind zum Beispiel Angaben zu Bildung und Ausbildung oder Erwerbstätigkeit.

In der Stadt Marburg sind rund 9.500 Personen auskunftspflichtig. Spies bat alle Ausgewählten an der Befragung teilzunehmen. Er verwies auf das Zensusgesetz: „Die Teilnahme ist verpflichtend und kann nicht abgelehnt werden.“

Die Bürgerinnen und Bürger, die für die Stichprobe ausgewählt wurden, finden ab Sonntag (15. Mai) eine Info-Karte zum Zensus in ihrem Briefkasten. Mit dabei ist auch eine Ankündigung für den Termin, an dem jemand zur Haustür kommt und die Betroffenen mittels Fragebogen befragt. Die Fragesteller haben einen Ausweis, den sie in Verbindung mit einem Personalausweis vorzeigen.

Wer die Antworten nicht im Gespräch an der Haustür geben möchte, kann auch online am Zensus teilnehmen. Den Fragebogen gibt es in 15 Sprachen. Die Zugangsdaten und weitere Informationen dazu erhalten die Bürgerinnen und Bürger beim Termin an der Tür.

Sonderbereiche für den Zensus sind Wohnheime für Studierende und Gemeinschaftsunterkünfte, zum Beispiel für Senioren oder Kinder und Jugendliche. Dort stellen die jeweiligen Leitungen die Daten bereit, weil die Melderegister hier – beispielsweise aufgrund häufiger Umzüge – oft zu ungenau sind.

Neben der Einwohnerzahl ermittelt der Zensus auch die Zahl der Wohnungen und Gebäude in Deutschland. Weil es dafür keine flächendeckenden Register gibt, schreibt das Hessische Statistische Landesamt die Eigentümer von Wohnungen oder Wohngebäuden auf dem Postweg an und bittet sie, über einen Online-Fragenbogen Angaben zur Größe, Heizungsart, Ausstattung und Kaltmiete ihrer Wohnung beziehungsweise ihres Wohngebäudes zu machen.

Bis Montag (15. August) müssen laut Zensusgesetz alle Ausgewählten befragt sein. Dann folgt die Aufbereitung der Daten. Der Zensus 2022 endet am 31. Dezember 2022.

Voraussichtlich Ende 2023 liegen die Ergebnisse vor. Dann steht auch für die Universitätsstadt Marburg fest, wie viele Menschen hier leben.

*pm: Stadt Marburg

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