In Zahlen: Bernshausen kritisiert Corona-Kommunikation des Kreises

„Der Landkreis nimmt den Informationsbedarf der BürgerInnen nicht ernst.“ Diese Kritik zum Umgang mit der Corona-Pandemie äußerte Nadine Bernshausen am Mittwoch (4. november).
Über das Wochenende unterschieden sich die Angaben zur 7-Tage-Inzidenz der COVID-19-Fällefür den Landkreis Marburg-Biedenkopf sehr stark. Gaben das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) eine Inzidenz von fast 300 an, so war vom Landkreis am Sonntag (1. November) der Wert 250,7 zu vernehmen. In der Bevölkerung sorgte diese Kluft für reichlich Unmut.
Unsicherheit angesichts der spärlichen Informationen war spürbar. Offenbar waren Bürgerinnen und Bürger verunsichert, wie sie sich in dieser Lage angemessen verhalten sollen. Anfragen in diese Richtung wurden auch an die stellvertretende Kreistagsvorsitzende Bernshausen von Bündnis 90/Die Grünen gestellt.
Bernshausen zeigte sich irritiert über die ungewöhnlich schlechte Kommunikation: „Das ist keine transparente Informationspolitik. In einer Situation, in der die Menschen verunsichert und alarmiert sind, in der ihnen persönliche und finanzielle Einschränkungen zugemutet werden, sollten Politik und Verwaltung zugewandt und offen sein. Dies wird derzeit allseits vermisst. Es entsteht der Eindruck, dass diese Krise nur verwaltet wird, statt aktiv und engagiert Verantwortung zu übernehmen.“
Zudem sei sie ehrlich verwirrt über die Aussagen von Seiten des Landkreises und seinen Ratschlagan die Bevölkerung, dass über das Zustandekommen der unterschiedlichen Zahlen das RKI angerufen und befragt werden soll. Aus Sicht von Bernshausen darf es nicht sein, dass gegenüber den BürgerInnen „Rechthaberei“ ausgelebt wird.
„Es muss doch Auftrag und Bedürfnis des Landkreises sein, der Ursache für diese erheblichen Abweichungen auf den Grund zu gehen“, betonte Bernshausen. „Der Hinweis an die BürgerInnen, dass sie dies selbst beim RKI in Erfahrung bringen sollen, kann doch wohl nicht ernst gemeint sei.“
Entweder der Landkreis erwarte, dass das RKI die abweichenden Inzidenzwerte erläutern könne – dann müsse der Landkreis diese Klärung herbeiführen. Oder aber der Landkreis erwarte, dass das RKI den Widerspruch nicht auflösen kann – dann wäre der Hinweis an die BürgerInnen eine Art von „Nicht-Ernst-Nehmen.
„Die darin sichtbare fehlende Kritikfähigkeit und mangelnde Offenlegung der Berechnung sowie das Abschieben der Verantwortung an eine Bundesbehörde, ist sehr bedauerlich“, erklärte die Grünen-Politikerin. „Das gleiche gelte leider für die wortkarge Erklärung des Landkreises, Marburg- Biedenkopf sei kein Hotspot und die Zahlen seien hier im Vergleich zu anderen deshalb so hoch, weil hier gründlicher gearbeitet werde. Dieser Einschätzung des Landkreises fehle leider jede Begründung und Erläuterung.
„Dies ist sehr schade, weil viele Menschen die Entwicklungen hier vor Ort genau verfolgen und bei dem Vermindern von Kontakten aktiv und engagiert mitarbeiten“, stellte Bernshausen fest. „Sie verdienen es, die zum Erklären der Zahlen notwendigen Informationen zu bekommen.“
Bernshausen plädiert für eine „Aufklärung“ dieser Diskrepanz, der Verantwortungsübernahme für etwaige Übermittlungsfehler und eine bessere Kommunikation gegenüber der Bevölkerung: „Natürlich muss die Kommunikation in Zeiten von Corona eine andere sein. Wir leben im 21. Jahrhundert und es wird der Landkreisverwaltung bestimmt möglich sein, über die modernen Medien angemessen und informativ über die aktuelle, tägliche Lage zu unterrichten –
auch um die Informationen möglichst weit zu streuen. Eine wortkarge Pressemitteilung ohne jegliche Erklärungen und Einschätzungen der Situation im Landkreis lässt das Gespür für die Situation, in der wir uns als Gesellschaft befinden, vermissen. Sie ist unangemessen und erreicht die Bevölkerung nicht. Die Menschen brauchen Transparenz und Empathie.“
Hinzuzufügen sei, dass der Landkreis Marburg-Biedenkopf nach den vom RKI und vom HMSI angegeben Zahlen in den bundesweiten „Inzidenz-Ranglisten“ bei führenden deutschen Tageszeitungen auf dem ersten Platz stand. Unabhängig davon, ob eine Inzidenz von 250 pro 100.000 oder 300 pro 100.000 besteht, gäben die Zahlen doch Anlass zu großer Sorge. Hier dürften die Menschen vom Landkreis erwarten, diesen Sorgen aktiv zu begegnen statt sich schmallippig auf Zahlenspiele zurückzuziehen oder zu postulieren, dass man lediglich sorgfältiger teste als andere.
„Die meisten Menschen tragen die politischen Beschlüsse mit und verhalten sich im Alltag konstruktiv“, erläuterte Bernshausen. „Sie dürfen erwarten, dass der Landkreis dem öffentlichen Informationsbedürfnis Rechnung trägt.“

* pm: bündnis 90/Die GrünenMarburg-Biedenkopf

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