Mehr Gedächtniskultur: Hauptfriedhof gehört zum Immatierellen Erbe

Marburgs Hauptfriedhof ist Teil des „immateriellen Kulturerbes“. Die Stadt beteiligt sich an der Aktion „Friedhöfe auszeichnen“.
Die Friedhofskultur in Deutschland gehört seit März in das Bundesweite Verzeichnis des „immateriellen Kulturerbes“. Anlässlich des „Tags des Friedhofs“ am Sonntag (20. September) werden zahlreiche Friedhöfe mit einer entsprechenden Plakette ausgezeichnet. Auch die Universitätsstadt Marburg beteiligt sich an dieser Aktion.
Der Hauptfriedhof ist nun als Kulturraum dieses immateriellen Kulturerbes ausgewiesen. „Es sind nicht die Friedhöfe an sich zum immateriellen Kulturerbe ernannt worden, sondern die Friedhofskultur“, erläuterte Bürgermeister Wieland Stötzel. Das umfasse „all das, was Menschen auf dem Friedhof tun“.
Dazu gehöre das Trauern, Erinnern und Würdigen genauso wie das Gestalten, Pflegen und Weiterentwickeln. Gemeinsam mit Marion Kühn vom Fachdienst Stadtgrün und Friedhöfe brachte Stötzel ein Schild an der neuen Friedhofskapelle am Rotenberg an, um so auf die wichtige Bedeutung der Friedhofskultur für die Stadt Marburg aufmerksam zu machen.
Marburg gehört damit zu einem bundesweiten Netzwerk von mehr als 100 Städten, die den ^“Tag des Friedhofs“ am Sonntag (20. September) der Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe widmen. Bereits im März hatte die Kultusministerkonferenz auf Empfehlung der Deutschen Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO-Kommission) diese Ernennung beschlossen.
Im Zuge der Corona-Pandemie geriet die Auszeichnung jedoch vorerst in den Hintergrund. Mit der Aktion „Friedhöfe auszeichnen“ möchte nun auch die Universitätsstadt auf dieses vielschichtige Kulturerbe aufmerksam machen.
„Der Friedhof ist vor allem auch ein Ort der Lebenden, der weit über die persönlichen Trauerrituale hinaus identitätsstiftende Bedeutung für unsere Gesellschaft hat“, erläuterte Stötzel. „Hervorzuheben ist zum Beispiel die historische Dimension der Denkmäler.“
Kühn ergänzte: „Der Kulturraum Friedhof bildet zudem den größten Skulpturenpark unserer Stadt und ist zugleich Inspirationsfläche für viele Kunstformen. Besonders bedeutsam ist seine soziale Funktion: Der Friedhof erweist sich als Treffpunkt für Familien oder Angehörige und wirkt auch sozialer Vereinsamung von Hinterbliebenen entgegen.“
Nicht zuletzt zeige sich dieser Kulturraum über kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg als ein Ort der Integration und des Friedens. Stötzel verwies außerdem auf die Bedeutung der Friedhöfe für den Naturschutz, zum Beispiel als Ort der Biodiversität.
Grundvoraussetzung für die Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe war für die UNESCO-Kommission „die Lebendigkeit der kulturellen Ausdrucksform“. Es gehe nicht um ein Mumifizieren der Friedhöfe, sondern um deren zeitgerechte Weiterentwicklung.
So sollen auch in Zukunft Bestattungsformen angeboten werden, die den Wünschen der Menschen entsprechen wie etwa eine naturnah gestaltete oder pflegeleichte beziehungsweise pflegefreie Grabformen.
Die Auszeichnung des Friedhofs der Universitätsstadt Marburg hat das „Kuratorium „Immaterielles Erbe Friedhofskultur“ initiiert, das sich der Pflege und Weiterentwicklung dieses Kulturerbes verschrieben hat. Weitere Informationen gibt es unter www.kulturerbe-friedhof.de und bei der Friedhofsverwaltung oder beim Fachdienst Stadtgrün und Friedhöfe der Universitätsstadt Marburg.

* pm: Stadt Marburg

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