Auch an Augenbewegungen: Forscher wollen Parkinson frühzeitig erkennen

Parkinson frühzeitig erkennen wollen Forscher anhand von Augenbewegungen der Patienten. Ihr Forschungsprojekt wird für die nächsten drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als einer Million Euro gefördert.
Der im Juni 2018 gestartete mittelhessische Forschungsverbund besteht aus der Thomas RECORDING GmbH und der Philipps-Universität. Er arbeitet darauf hin, die Diagnose neuropsychiatrischer Erkrankungen wie beispielsweise der Parkinson-Krankheit mittels eines handelsüblichen Tablets zu ermöglichen. Helfen soll dabei ein Algorithmus, der die Augenbewegungen der Patienten analysiert.
Prof. Dr. Frank Bremmer von der Arbeitsgruppe Neurophysik am Fachbereich Physik und Prof. Dr. Lars Timmermann von der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Marburg wollen gemeinsam mit Uwe Thomas von der Thomas RECORDING GmbH Augenbewegungen als objektive Parameter für die Diagnosestellung zugänglich machen. Dabei wird der Umstand ausgenutzt, dass eine Vielzahl neuropsychiatrischer Erkrankungen subtile aber charakteristische Veränderungen aufweisen in der Art, wie Menschen ihre Augen bewegen. . Spezielle intelligente Algorithmen können solche Veränderungen erkennen.
Derzeit beruht die Diagnose von neuropsychiatrischen Erkrankungen im Wesentlichen auf einer Auswertung der Symptomatik oder aufwendigen bildgebenden Verfahren. Nur wenige Kliniken verfügen über die Geräte, um das flächendeckend leisten zu können. Darüber hinaus erfordern beide Ansätze eine Interpretation der erhobenen Daten durch erfahrene Spezialisten.
Objektiv messbare Parameter, wie sie beispielsweise bei anderen Krankheiten mittels eines Bluttests gewonnen werden können, fehlen hingegen oft. Das führt dazu, dass bei Betroffenen die korrekte Diagnose erst mit dem Eintritt der typischen Symptome – motorischen Störungen wie verlangsamte Bewegung oder Tremor, das typische „Zittern“ der Extremitäten – gestellt werden kann. Oft suchen die Patientinnen und Patienten bis dahin mehrere Jahre lang mit unspezifischen Symptomen wie einer depressiven Verstimmung verschiedene Ärzte auf.
Das Forscherteam arbeitet nun darauf hin, die Diagnose mittels eines handelsüblichen Tablets und einer speziellen Software zu erleichtern und zu verbessern. Das System soll dann wesentlich früher eine korrekte und individuelle Therapie sowie eine schnelle Auswahl des geeigneten Medikaments und der Dosierung ermöglichen. Damit würden die Nebenwirkungen einer unnötigen Therapie sowie die Kosten einer Fehlbehandlung verringert oder sogar gänzlich vermieden.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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