Die Chemiestudentin Annika Peter gewinnt die erste Runde des „FLASH“-Ideenwettbewerbs der Philipps-Universität. Mit Algen kämpft sie gegen Abgase.
Die erste Runde des „FLASH“-Ideenwettbewerbs der Philipps-Universität Marburg hat die 21-jährige Chemiestudentin Annika Isabelle Peter für sich entschieden. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert und wird vom „Zentrum für Entrepreneurship und Innovationsforschung“ (MAFEX) zweimal pro Semester vergeben. Peters Konzept „AlgaCycle“ setzt dort an, wo Emissionen entstehen: Das ist an der Heizung eines Gebäudes oder am Abgasstrom eines Betriebs.
Mikroalgen binden das Kohlendioxid (CO2) aus dem Abgas und wachsen dabei. Die Biomasse wird regelmäßig entnommen und vergoren. Das entstehende Biogas dient wieder als Energiequelle.
Algen wachsen schneller als etwa Bäume. Sie sind auf kleinem Raum sehr dicht gepackt und nehmen viel CO2 auf. Die verwendete Art hat Peter gezielt für das Klima in Deutschland ausgewählt.
Peters Begeisterung für Erneuerbare Energien begann früh: „Ich finde erneuerbare Energien toll, seit ich als Kind ein Pixi-Buch über den Bau einer Solaranlagen gelesen habe“, berichtete sie. Nach einem Solarprojekt in der Grundschule entdeckte sie in der 5. Klasse das Schülerforschungszentrum Nordhessen in Kassel, das vor rund 25 Jahren aus einem Physikclub hervorging und in dem Schülerinnen und Schüler, betreut von Lehrkräften und Studierenden, eigene Projekte verfolgen.
„Das war für mich wie eine AG“, erläuterte Peter. „So wie andere in den Chor gehen, bin ich mit Freude dorthin gegangen.“
In der Mittelstufe – geprägt von „Fridays for Future“ und dem Dieselskandal – fand sie dort ihr Thema: die Frage, wie sich CO2 aus Abgasen binden lässt. Statt auf ein chemisches Verfahren setzte sie schließlich auf einen Prozess, den die Natur seit Jahrmillionen perfektioniert hat: das ist die Photosynthese.
Sie recherchierte intensiv, informierte sich bei Algenfarmen und wertete Fachliteratur aus, bevor sie aus Tausenden Arten eine passende auswählte. Die ersten Tests waren noch sehr einfach: Mit einem Einmachglas im Gefrierfach prüfte sie die Algen auf Robustheit. Später maß sie in eigenen Versuchsaufbauten, wie schnell die Algen eingeleitetes CO2 aufnehmen, und wies in Gärversuchen die Bildung von Methan nach.
Dafür erhielt sie 2025 den Klimaschutzpreis der Stadt Kassel. Nach dem Abitur mit den Leistungskursen Mathematik und Chemie nahm sie das Chemiestudium in Marburg auf. Als nächstes will Peter den Methanertrag steigern.
Außerdem untersucht sie, ob sich mit Hilfe von Bakterien auch Stick- und Schwefeloxide aus den Abgasen abbauen lassen und ob sie direkt im selben Reaktor mit den Algen arbeiten könnten oder wie sich beide Prozesse anders sinnvoll kombinieren lassen. „Einzelne Teile des Kreislaufs funktionieren schon“, erklärte Peter. „Ich freue mich, jetzt daran weiterarbeiten zu können.“
MAFEX begleitet die Preisträgerin weiter. Das geschieht etwa bei der Suche nach wissenschaftlicher Betreuung und bei Fragen rund um Schutzrechte. Im Beratungsgespräch ging es auch um die nächste Stufe: Mit Förderprogrammen wie „Hessen Ideen“ oder dem „EXIST-Gründungsstipendium“ lässt sich eine Idee nach dem Studienabschluss für eine gewisse Zeit mit finanzieller Absicherung verfolgen.
„Das ist vielen gar nicht bewusst: Wenn die Idee scheitert, muss niemand etwas zurückzahlen“, sagte MAFEX-BeraterHolger Sommerlad. „Deshalb lohnt es sich, solche Optionen schon früh in die Karriereplanung einzubeziehen.“
Mit 93 Einreichungen aus 14 von 16 Fachbereichen ist FLASH stark gestartet, und AlgaCycle hat sich in diesem breiten Feld durchgesetzt. Ab jetzt findet der Wettbewerb vierteljährlich statt.
Das geschieht mit dem klaren Ziel, vielversprechende Ideen früh zu erkennen und ihnen ein Unterstützungsnetzwerk an die Seite zu stellen, noch bevor ein Businessplan nötig ist. Bei einem klassischen Gründungswettbewerb, der bereits ausgearbeitete Ansätze und erste Marktüberlegungen verlangt, hätte sich Peter nicht beworben: „Dafür habe ich mich einfach noch nicht weit genug gefühlt.“ Genau da setzt FLASH an.
* pm: Philipps-Universität Marburg