Ab Freitag (18. September) lädt das Hessische Landestheater Marburg ein zu seinen Eröffnungspremieren. Hautpfiguren sind Angela Merkel, ein Nashorn und Franz Kafka alias Josef K.
Mitte September feiert das Hessische Landestheater Marburg (HLTM) die große Eröffnung der Spielzeit 2026/2027 unter dem Motto „Der morgige Tag ist uns allen“. Am Freitag (18. September) eröffnet Juliane Hendes „ANGELALAND“ in der Regie von Intendantin Eva Lange die neue Saison am Hessischen Landestheater Marburg. Das ist ein Stück Zeitgeschichte mit speziell ausgewählter Musik.
Um 18.30 Uhr begrüßt das HLTM alle Besucher*innen vor den Türen des Erwin-Piscator-Hauses mit einem Sektempfang. Um 19 Uhr findet die Einführung zum Stück statt. Vor Beginn dessen um 19.30 Uhr halten schließlich die Intendantinnen Eva Lange und Carola Unser-Leichtweiß sowie Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies feierliche Eröffnungsreden. Im Anschluss an die Vorstellung findet eine öffentliche Premierenfeier im ersten Obergeschoss des Erwin-Piscator-Hauses statt.
Angela Merkel hat in ihrer 16-jährigen Kanzlerinnenschaft zusammengeführt, was nicht zusammen sein konnte. Manchmal auch nicht wollte. Auch in sich selbst! „Sie war das Land. Das ganze Land. Angelaland.“
Karl-Konrad wird das Wort ergreifen und einen Abend lang diese berühmte Angela in seinen und in unseren Mittelpunkt stellen. Revue passieren lassen, was da alles war an konspirativen und historischen Ereignissen und gleichzeitig fragen: „Was ist aus uns Deutschen geworden, was geblieben? „Der Gedanke an Angela Merkel löst doch Geborgenheit aus.“ Oder nicht?“
Ja, es könnten nur Versatzstücke der Wirklichkeit(en) werden. Doch Karl-Konrad hat Angela gekannt, mit ihr zusammen Wein getrunken, gelacht und gesungen. Er weiß genau, was für eine witzige Person Angela war und ist, welche Lieder sie mochte und mag.
Perspektiven auf Deutschland werden durch die Autorin Juliane Hendes und die Regisseurin Eva Lange an diesem Abend neu vermessen. Die Blickwinkel „unseres Landes“ ins Hier und Jetzt werden neu geschrieben. Unsere Erinnungssynapsen neu belebt. Am Ende bleibt die „Freiheit“, welche weiterreichen kann als jede Kanzlerinnenschaft. Mit dabei sind die gemeinsamen Songs, aus Ost und West, Nord und Süd, und was wir daraus machen.
Seit 2016 arbeitet Hendes als freie Dramaturgin und Autorin. Als Autorin beschäftigt sie sich unter anderem mit ostdeutscher Geschichte und ihrer westdeutschen Wahrnehmung. Das Stück ist „Ein Liederabend für alle Menschen ab 14 Jahren, die unsere Geschichte mit einem Augenzwinkern für die Zukunft, für unser Später, erleben möchten und aufhören wollen, sich etwas vorzumachen“.
Bereits am Folgetag gibt es die zweite Eröffnungspremiere „KOMMT DAS NASHORN“. Das Figurentheater für Menschen ab 3 Jahre nach einem Bilderbuch von Heinz Janisch begeistert erstmals am Samstag (19. September) um 15 Uhr im Mini Tasch im Theater am Schwanhof. Nach dem großen Erfolg von „DAS GRAND HOTEL DER GEFÜHLE“ in der vorangegangenen Spielzeit kehrt KUSS-Gewinnerin Adeline Rüss nun für ihre zweite Regie-Arbeit für das HLTM nach Marburg zurück.
Das große graue Nashorn wünscht sich, so leicht und klein und flink wie der Vogel zu sein, der sich auf seinem Rücken ausruht. Er hingegen wünscht sich, groß und kräftig wie das Nashorn zu sein. Keiner der beiden kommt jedoch aus seiner Haut und seinem Körper; und das ist auch gut so , denn jeder hat seine ihm eigenen herrlichen Eigenschaften.
Das Nashorn wird gebraucht – als Zufluchtsort, als Gebirge. Der Vogel wird gebraucht – als vergnügter Gefährte, als Schneeflocke. Wie jedes Tier haben auch die Menschen ihre ganz eigenen Fähigkeiten und Besonderheiten.
Das Stück stellt allen kleinen und großen Besucher*innen die Fragen nach eben diesen: Bist du eher erhaben und majestätisch wie ein Löwe? Oder flink und klug wie eine kleine Maus? Lässig und lang wie eine Giraffe? Oder leise und listig wie ein Uhu? Am Ende steht die Botschaft: Wir alle sind verschieden und doch sind wir alle gut so, wie wir sind.
Es ist ein Stück für alle Menschen ab 3 Jahre, die entdecken wollen, welches Tier in ihnen steckt und wie schön es ist, verschieden zu sein. Die Premiere ist am Samstag, 19. September) um 15 Uhr im „Mini Tasch“ des Theaters am Schwanhof.
Am Samstag (26. September) um 19.30 Uhr feiert das HLTm schließlich die dritte Eröffnungspremiere im Großen Tasch im Theater am Schwanhof. Franz Kafkas „DER PROZESS“ findet in einer Fassung von Regisseurin Bettina Rehm und Dramaturg Cornelius Edlefsen den Weg auf die Marburger Bühne, und ermöglicht fortan allen Menschen ab 14Jahren, sich mit Recht und Gerechtigkeit auseinanderzusetzen und ihren kritischen Blick auf die Gegenwart zu schulen. Am Tag seines dreißigsten Geburtstags wird Josef K. –
erster Prokurist einer großen Bank – verhaftet. Weder wird das ihm zur Last gelegte Verbrechen genannt, noch wird er in Gewahrsam genommen. K. soll weiter seinem Beruf nachgehen und seinen Alltag wie bisher gestalten.
Informationen, die ihm die erst einmal die – wie ein böser Scherz anmutende – Situation erklären könnten, werden ihm verwehrt. Auf der Suche nach Antworten wird Josef K. immer tiefer in das Labyrinth einer undurchschaubaren Bürokratie hineingezogen, die scheinbar willkürlich agiert und ihren eigenen, nicht nachvollziehbaren Regeln folgt. Bald bestimmt das ihm unbekannte Justizsystem sein ganzes Leben. Am Ende steht der Tod Josef K.s, ohne dass ein Urteil gefällt oder ihm eine Schuld bewiesen wurde.
Der unvollendete Roman Franz Kafkas (1883 – 1924) ist ein surrealer Albtraum, ein Krimi und ein sprachlich dichtes Kunstwerk, das sich jeder eindeutigen Deutung entzieht und im Augenschein jeder Gegenwart eine neue Dringlichkeit beweist. In einer Zeit, in der Justiz- und Rechtssysteme weltweit ins Wanken geraten, manipuliert werden, in denen Recht und Gerechtigkeit immer mehr zur Auslegungssache der Herrschenden werden, zeigt sich Kafkas Roman heute aktueller denn je. Die Premiere findet am Samstag (26. September) um 19.30 Uhr im „Großen TaSch“ des Theaters am Schwanhof statt.
* pm: Hessisches Landestheater Marburg